"Dritter Mann" im Visier
Widersprüchliche Aussagen im Prozess um Schlägerei von Eishockey-Fans

Der Prozess um die Schlägerei am Neujahrsmorgen in der Kurt-Schumacher-Anlage scheint zur "unendlichen Geschichte" zu werden. Nach vier Verhandlungstagen ist kein Ende abzusehen.

Am Neujahrstag 2015, morgens gegen vier Uhr, soll ein 19-jähriger Abiturient aus dem Landkreis Neustadt/WN einen 25-jährigen Weidener, mit dem er sich zuvor eine ergebnislose Rauferei geliefert hatte, mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben. Ein Freund des 19-Jährigen soll den Studenten zuvor zu Boden geworfen und mit dem Gesicht in den Schnee gedrückt haben. Die Folge waren schwerste Gesichtsverletzungen gewesen. Das Opfer leidet noch immer an Sehstörungen.

Zeugen uneins


Widersprüchliche Aussagen der Zeugen machen es Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz und Richter Otmar Schmid nicht leicht. Während am ersten und zweiten Prozesstag zwei junge Frauen und drei Männer den mittlerweile 20-Jährigen eindeutig als den "Treter" identifiziert hatten, sagten am dritten und vierten Tag Zeugen aus dem Lager der Angeklagten aus, es sei ein Dritter gewesen. Diesen hatten jedoch die Erstgenannten kategorisch ausgeschlossen. Am Freitag berichtete ein 22-jähriger Schüler: Aus "WhatsApp"-Verkehr wisse er, dass dieser Mann, ein 25-jähriger Weidener, der "Treter" gewesen sei. Außerdem habe dieser es ihm selbst gestanden. Staatsanwalt Frischholz reagierte unwirsch. "Weshalb rücken Sie damit erst auf Frage von Rechtsanwalt Konze heraus und nicht gleich?", wollte der Anklagevertreter wissen.

Auch für Richter Schmid war es unerklärlich: "Wenn ein Freund eingesperrt wird und man von der Polizei vernommen wird, warum sagt man dann nicht, dass man weiß, dass es ein Anderer war?" Der Hauptangeklagte hatte eine Woche nach dem Vorfall zwei Wochen in U-Haft verbringen müssen.

Auch ein Eishockey-Kumpel der Angeklagten berichtete im Zeugenstand, dass der 25-Jährige ihm gegenüber die Tat gestanden habe, als sie zu zweit im Auto herumgefahren seien. Der so Beschuldigte machte, begleitet von Rechtsanwalt Johannes Zintl als Zeugenbeistand, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, weil gegen ihn mittlerweile ein Ermittlungsverfahren läuft.

Fortsetzung am Mittwoch


Am Mittwoch, einen Tag vor Heiligabend, um 11 Uhr wird die Verhandlung mit der Anhörung des Ermittlungsrichters fortgesetzt. Die Verteidiger Tobias Konze und Engelbert Schedl haben schon angekündigt, weitere Zeugen hören zu wollen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gericht (564)Supporters (4)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.