Durch und durch kriminell
Drei Jahre und sieben Monate Haft für 42-jährigen Georgier wegen zahlreicher Ladendiebstähle und Internetbetruges

25 mal hatte er Waren bestellt und nicht bezahlt, zudem zahlreiche Ladendiebstähle begangen. Das Diebesgut hat er dann verkauft. Jetzt wandert der 42-jährige Georgier hinter Gitter.

Zu drei Jahren und sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilten Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und zwei Schöffen den Angeklagten. Dieser hatte von Ende 2014 bis Oktober 2015 zahlreiche Ladendiebstähle in Weiden begangen und 25 mal bestellte Waren nicht bezahlt.

Im Asylbewerberheim hatten er und weitere Ausländer einen regelrechten Verkaufsbetrieb mit den gestohlenen und durch Bestellbetrug ergaunerten Waren aufgezogen. Am Donnerstag, dem zweiten Verhandlungstag, mussten zwei Russen und ein Türke aussagen, die dort Spirituosen und Sportartikel eingekauft hatten. Ermittlungen gegen sie wegen Hehlerei laufen noch.

Geld in die Heimat


Keinen Zweifel an der "Gewerbsmäßigkeit" der Taten habe er, sagte Heindl in der Urteilsbegründung. Der Asylbewerber habe "es sich leisten können", dass ihm, wegen seiner Weigerung gemeinnützige Arbeit zu verrichten, die Sozialhilfe auf 216 Euro gekürzt wurde. Trotzdem habe er in kurzer Zeit 3600 Euro in die Heimat schicken können. Seitdem er 2014 nach Deutschland gekommen sei, habe er sich "eine Serie durch und durch kriminellen Lebens" geleistet, so der Richter.

Bereits während der Zeit im Erstaufnahmelager Zirndorf war der Verheiratete drei Mal beim Stehlen erwischt worden. Auch die Internet-Betrügereien, die der 42-Jährige größtenteils abgestritten hatte, seien erwiesen. Es hätte für einen Dritten keinen Sinn gehabt, auf den Namen des Angeklagten etwas zu bestellen. Denn nur dieser habe die Möglichkeit gehabt, gelieferte Sachen gegen Unterschrift persönlich in der Poststelle der Gemeinschaftsunterkunft abzuholen. In der Verhandlung hatten zwei Kripo-Beamte berichtet, wie man auf die Gruppierung überwiegend georgischer Straftäter in Weiden aufmerksam wurde, die im großen Stil Ladendiebstähle verübten.

Erfolgreiche Durchsuchung


Nach Telefonüberwachung und Aussagen von Zeugen, die von "ständigen Angeboten durch die Georgier" berichtet hatten, sei es im Oktober zu einer Durchsuchung im Asylbewerberheim gekommen. Dort habe man Gegenstände sichergestellt, die geschädigten Geschäften zugeordnet werden konnten. Staatsanwalt Dr. Christoph Edler plädierte auf insgesamt drei Jahre Freiheitsstrafe, wobei die drei von den Amtsgerichten Fürth und Nürnberg ausgesprochenen Geldstrafen mit einbezogen werden sollten. Rechtsanwalt Marc Steinsdörfer hätte 20 Monate für ausreichend erachtet. Sein Mandant sei durch die lange U-Haft geläutert und werde keine Straftaten mehr begehen - zumal sowieso die Abschiebung folgen werde. Deshalb könne man die Strafe zur Bewährung aussetzen. Der Georgier sagte, er bereue die Taten und entschuldige sich beim "ganzen Land".

"Hintergrund" zu Georgier-ProzessWeiden. (rns) Am Rande der Verhandlung gegen den 42-jährigen Georgier berichtete ein Polizeibeamter der KPI-Z Regensburg ("Kriminalinspektion Zentrale Aufgaben" - früher: "Organisierte Kriminalität") von den Ermittlungen gegen ausländische Banden, deren Vorgehen und Tricks. Es handele sich um ein deutschland- und sogar europaweites Problem, sagte der 45-jährige Kriminalhauptkommissar, der seit über zwei Jahren nicht nur gegen die Weidener Bande ermittelte.

Die Täter kämen gezielt nach Deutschland, würden sich aber um Grenzen und Ausweispapiere wenig scheren. Wenn sie nach Einbrüchen, Ladendiebstählen oder anderen Delikten erwischt, verurteilt und abgeschoben würden, gingen sie einfach "ein Häuschen weiter" - nach Spanien oder Frankreich beispielsweise. Erschwert werde die Arbeit der Polizei durch die Sprache der Täter und "Codes". So war im Prozess zu erfahren, dass sich die Komplizen des am Donnerstag Verurteilten telefonisch abgesprochen hatten "Laufen zu gehen", wenn bestimmte Geschäfte bestohlen werden sollten. Per Telefon war auch immer in Erfahrung gebracht worden "was wir noch da haben".

Dementsprechend aufwendig habe sich die Telefonüberwachung gestaltet, da man Dolmetscher für Georgisch oder Grusinisch beauftragen musste. Bereits am Dienstag ist ein gleichartiger Prozess gegen einen Landsmann des am Donnerstag Verurteilten.
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