Ein halbes Jahr früher als geplant
Kinderhaus "Tohuwabohu": Stadt will höhere Gebühren

Noch nicht mal eineinhalb Jahre ist es her, dass das städtische Kinderhaus zuletzt an der Gebührenschraube gedreht hat. Schon bald könnten den Eltern erneut höhere Rechnungen ins Haus flattern: Um 15 Euro pro Monat soll der Obolus für die Betreuung im Kindergarten und im Hort steigen, um 5 Euro die in der Kinderkrippe. Beispielsweise würde für täglich fünf bis sechs Stunden im Hort oder im Kindergarten eine Monatsgebühr von 100 Euro (statt 85) fällig. Teuerstes Angebot: Neun bis zehn Stunden Krippe für 340 Euro pro Monat (statt 335).

Über diese Preisliste, die zum 1. März in Kraft treten soll, diskutiert der Stadtrat am Montag, 25. Januar. Und damit etwas früher als geplant. "Turnusgemäß", so heißt es im Vorlagebericht der Verwaltung, wäre die nächste Erhöhung erst zum 1. September vorgesehen gewesen. Wegen der Tariferhöhung im Sozial- und Erziehungsdienst zum 1. März baut sich jedoch Kostendruck auf.

Von Entwicklung überholt


Zur Gebührenerhöhung kommt eine Verteuerung der Mahlzeiten je 50 Cent. Eine Familie mit zwei Kindern hätte damit monatliche Mehrkosten von 50 Euro - kein Pappenstiel. Wie nehmen's die Eltern auf? "Auf eine Vorinformation in der Kinderhauszeitung kamen keine Rückmeldungen", heißt es im Bericht. Und: Der Elternbeirat "wird voraussichtlich seine Zustimmung erteilen". "Bisher hat uns die Stadt noch nicht offiziell informiert", bedauert allerdings Nina Raab, Vorsitzende des Elternbeirats. Das Gremium wollte sich eigentlich in der Sitzung am Mittwoch, 28. Januar, zu den neuen Gebühren positionieren. Die Entscheidung darüber fällt im Stadtrat nun zwei Tage zuvor. In einer ersten Reaktion erklärt die Sprecherin, dass "keine große Freude über die Erhöhung aufkommt". Die Eltern signalisierten jedoch mehr oder weniger große Akzeptanz. "Wir können's eh nicht ändern." Die Verwaltung nennt die neue Gebührenstruktur "insgesamt vertretbar und angemessen": "Sie berücksichtigt die gestiegenen Betriebskosten und ist notwendig, um die zunehmende Kostenbelastung für den städtischen Haushalt auszugleichen." Zwar sollte eine gestiegene staatliche Betriebsförderung das Defizit des Kinderhauses von 317 000 (2014) auf 5500 Euro drücken. Das Mehr an Zuschüssen könne die um 9 Prozent gestiegenen Personalkosten jedoch bei weitem nicht auffangen, berichtet Jugendamtsleiterin Bärbel Otto. Wie hoch das Defizit 2015 ausfiel, sei noch nicht bekannt.

Die letzte Erhöhung im Tohuwabohu zum 1. September 2014 war insbesondere der Haushaltskonsolidierung und Feststellungen des Kommunalen Prüfverbandes geschuldet. Damals stiegen die Monatspreise in Kindergarten und Hort um 10 Euro pro Betreuungseinheit. Zunächst zu wenig, um die von den Prüfern empfohlene 20-prozentige Gebührenerhöhung zu erreichen. Bärbel Otto verweist aber auch darauf, dass im laufenden Betrieb "unheimlich viel" optimiert worden sei.

"Wichtel"-Gruppe vor dem Aus?Die "Wichtel" müssen umziehen im städtischen Kinderhaus "Tohuwabohu": Aus Brandschutzgründen dürfen sich die derzeit sieben Kinder der Zusatzkrippe nicht weiter im Untergeschoss aufhalten. Die Anordnung gelte für Kinder unter drei Jahren, informiert Jugendamtsleiterin Bärbel Otto. Die Lösung für den Rest des Kindergartenjahres sieht nun so aus, dass die "Wichtel" den Raum mit älteren Kindern tauschen. Noch unklar ist, wie es danach weitergeht. In einem Vorlagebericht zur nächsten Stadtratssitzung heißt es, dass die "(Teil-)Krippe höchstwahrscheinlich geschlossen werden muss". Wie Bärbel Otto jedoch gegenüber dem NT betont, suche sie im Benehmen mit der Regierung der Oberpfalz noch nach Lösungen. Zusätzlich zu den "Wichteln" gibt es im Kinderhaus auch die "Trolle", eine Krippe mit zwölf Plätzen.

Auf Antrag der SPD zieht die Stadt eine Bilanz zur Kinderbetreuung in Weiden. Demnach bestehen aktuell 169 Krippenplätze , darunter die 7 Zusatzplätze im "Tohu". 178 Kinder im Alter von 1 bis 2 Jahren 9 Monaten nehmen sie in Anspruch. Flüchtlingskinder sind derzeit nicht darunter. Die Kindergärten bieten 1141 Plätze, davon 16 Zusatzplätze, für insgesamt 1134 Kinder (darunter 3 Flüchtlingskinder). Im Laufe des Betreuungsjahres kommen 39 Buben und Mädchen dazu.

In diesem Bereich, aber auch bei den Krippen, dürften keine weiteren Kinder mehr aufgenommen werden, schreibt die Verwaltung. Grund: "Fachkräfte fehlen." Eine aussagekräftige Jugendhilfeplanung könne die Stadt derzeit nicht vornehmen. Unter anderem deshalb, weil "annähernd stimmige Zahlen im Bereich des Zuzugs an Flüchtlingskindern" nicht vorlägen. (rg)
Weitere Beiträge zu den Themen: Kindergartenplätze (1)Gebührenerhöhung (3)
2 Kommentare
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Martin Bauer aus Weiden in der Oberpfalz | 30.06.2016 | 09:42  
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Martin Bauer aus Weiden in der Oberpfalz | 30.06.2016 | 09:49  
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