Eine Ausstellung im Neuen Rathaus lässt den Kampf gegen die WAA Wackersdorf lebendig werden
Heute blühende Landschaften

Viel gewagt und viel gewonnen: Altlandrat Hans Schuierer erzählte bei der Ausstellungseröffnung vom Kampf gegen die WAA. Bild: otj

An die "oberpfälzische Revolution" erinnert eine Ausstellung im Foyer des Neuen Rathauses. "WAA-NEIN 30 Jahre, Tschernobyl 30 Jahre, Fukushima 5 Jahre" legt den Fokus ganz klar auf den regional verankerten Widerstand gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage.

Weiden. Es ist ein fantastischer Fundus, den Brigitte Hese, Hilde Lindner Hausner und Wolfgang Herzer zusammengetragen und ausgestellt haben. Plakatkunst, Flugblätter, Zeitungsausschnitte, Buttons. Und natürlich Fotos von den Protesten. Manch einer der Besucher erkennt sich auf den Bildern wieder - mitunter ein wenig wehmütig.

Der Held von Wackersdorf


Eine entscheidende Figur des damaligen Aufbegehren der Oberpfälzer gegen die rigorose Politik von Franz Josef Strauß auch zur Eröffnung gekommen. Altlandrat Hans Schuierer hatte damals viel gewagt mit seinem Engagement. "Das war ein Paradebeispiel dafür, wie es in einem Rechtsstaat nicht zugehen sollte."

In seinen einleitenden Worten gab er zu, nicht von Anfang an gegen den Bau gewesen zu sein. "Man hat mir gesagt, dass da 3600 Arbeitsplätze entstehen sollten. Ich war erst einmal hellauf begeistert." Dass das nicht so einfach sei, hätten ihn viele Menschen in seinem Umfeld gewarnt. "Ich habe mich weiter informiert. Dann war mir klar: Ich bin dagegen."

Tschernobyl, Fukushima und Hunderte von Störfällen in anderen Anlagen gäben dem Oberpfälzer Widerstand heute recht, da ist sich Schuierer sicher. "Was wäre denn, wenn wir die WAA heute in Wackersdorf stehen hätten? Schadstoffe, verseuchtes Grundwasser." Stattdessen könne man von blühenden Landschaften sprechen. "Die niedrigsten Arbeitslosenzahlen und einen hohen Freizeitwert." Auch wenn man viel erreicht habe, "wir müssen weiter erinnern".

Der Aufbruchsstimmung abseits der Parteienpolitik widmete sich Wolfgang Herzer, damals selbst rege aktiv in der Anti-WAA-Bewegung. "Die Natur hat ihren Lebewesen drei Reaktionsformen gegenüber einer drohenden Gefahr gegeben: Totstellen, Flüchten, Angreifen". Eines der ersten großen Angriffs-Zeichen habe das Weidener Rathaus aufgewiesen. "An dessen Fassade hatten Unbekannte in einer Nacht- und Nebel-Aktion der fruühen 1980er Jahre ein Transparent angebracht." Es habe eine Verbindung zwischen den Diktaturen seit Iwan dem Schrecklichen bis zum damals regierenden christlich-sozialen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß hergestellt.

Bei -20 Grad im Schlafsack


Geeint durch die Sorge um Umwelt und Gesundheit hätten sich Personen, Organisationen, Gruppen, die nie vorher Kontakt miteinander hatten, in verräucherten Gaststätten-Nebenzimmern getroffen, hätten Säle gefüllt. Herzer erinnerte auch an die kreative Seite des Protests. Auf all diese Vorgänge habe das Weidener Westentaschen-Cabaret Bezug genommen, zu dem sich Lehrer und Schüler zusammengefunden hätten. "Weidener waren dabei. Klaro! Sowieso! Übernachten bei Minus 20 Grad im Schlafsack, auf Stroh, in Fichtenreiser-Hütten, in Erwartung der Polizei mit ihren Plexiglas-Schilden, das war seit der 1. Teilerrichtungsgenehmigung 1982 Gewohnheit."

Dass all dies im Baustopp mündete, ist Geschichte. Die Ausstellung erweckt die Zeit noch einmal zum Leben. Und dass die Protagonisten von damals stolz auf das Erreichte sind - das ist heute noch zu spüren.

___

Die Ausstellung "WAA NEIN 30, Fukushima 5, Tschernobyl 30" im Foyer des Neuen Rathauses ist bis 14. April während der allgemeinen Öffnungszeiten sowie Ostersonntag und Ostermontag, 11 bis 17 Uhr, geöffnet.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.