Einrichtungen der Region bewerten Reform der Pflegeausbildung unterschiedlich
Pflege darf nicht leiden

Heidi Knott (rechts) und Katharina Bogner vom BRK-Heim haben sich für einen Beruf in der Altenpflege entschieden. Ob sich nach einer Reform der Ausbildung auch weiter viele für diesen Berufsweg entscheiden werden, dazu gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen. Bild: sbü

Selten wird ein Thema so kontrovers diskutiert wie die Reform der Pflegeausbildung. Das zeigt auch eine Nachfrage bei Einrichtungen in der Region. Die einen hoffen auf Verbesserungen. Die anderen sorgen sich.

(sbü) Es gab nicht nur Applaus: Als vor gut drei Wochen der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, in Weiden für den Gesetzentwurf zur Vereinheitlichung der Pflegeausbildung geworben hatte, regte sich unter den Zuhörern bereits manch Widerspruch (wir berichteten). Vor allem aus der Altenpflege sind viele kritisch. Insbesondere gegenüber der angedachten Generalisierung, also geplanten Vereinheitlichung der Ausbildung in der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege. Daran hat auch Laumanns Auftritt nichts geändert. Das zeigt eine Nachfrage bei Einrichtungen der Region, bei der Kritik zu hören ist. Aber auch Hoffnung auf Verbesserungen.

"Zwingend notwendig"


"Diese Reform ist zwingend notwendig, die Pflege muss professioneller werden", sagt etwa Pflegedirektor Thomas Baldauf von der Kliniken Nordoberpfalz AG. Seit mehreren Jahren beteiligt sich die Berufsfachschule für Krankenpflege der Kliniken an einem Modellversuch zur einheitlichen Pflegeausbildung. "Die Absolventen kommen gut zurecht im Beruf", stellt Baldauf fest. Und er fordert: "Wir brauchen einen Einstieg in die Akademisierung der Pflege, auch im Hinblick auf eine Angleichung zum Ausland." In Anlehnung an die medizinische Ausbildung solle es auch im Pflegebereich eine breite, einheitliche Grundausbildung mit anschließender Spezialisierung geben. Allerdings dürften die Randbereiche nicht vernachlässigt werden.

Überwiegend Nachteile für die Altenpflege sieht dagegen Iris Engelbrecht-Schärl, Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Neustadt/WN. Drei Jahre seien zu kurz, um ausreichend Fachlichkeit für drei Pflegebereiche zu vermitteln. "Die Schüler dürfen nicht überfordert werden." Seit der Reform der Altenpflegeausbildung im Jahr 2003 seien die Auszubildenden im Schnitt auch jünger geworden. "Wir brauchen für die Ausbildung heute mehr Zeit." Doch fast resignierend erklärt die Schulleiterin mit Blick auf den Gesetzentwurf: "Wir haben uns darauf eingestellt."

Sehr skeptisch sieht aus seiner Praxiserfahrung auch Ludwig Kreutzer, Leiter des BRK-Senioren-und Pflegeheims in Weiden, die vereinheitlichte Ausbildung. Die Reform bringe der Altenpflege Nachteile. Denn die Auszubildenden verbrächten weniger Zeit im Ausbildungsbetrieb selbst. Deshalb "droht die Identifikation mit dem eigenen Betrieb verlorenzugehen". Altenpflege erfordere zudem eine sehr spezifische, "ganzheitliche Beschäftigung mit dem alten Menschen, bei der eine Beziehung über längere Zeit aufgebaut wird".

Für Bewohner teurer?


Kreutzer bezweifelt, dass dies in der Einheitsausbildung vermittelt werden kann. Und: Zwar soll die einheitliche Ausbildung auch eine einheitliche Bezahlung in der Pflege bringen. Aber wenn das erreicht würde, "wird es für die Bewohner teurer".

Außerdem hat der BRK-Heimleiter einen "lebenden Beweis", warum seine Skepsis abgebracht sei: nämlich Pflegerin Heidi Knott. Sie hat als Teil eines Modellversuchs in Schwandorf bereits die einheitliche Ausbildung absolviert. Ihre Erfahrung spricht dafür, dass es dadurch für die Altenpflege schwer wird, Nachwuchs zu finden. "Unter 21 Absolventen bin ich die einzige, die in einem Alten- und Pflegeheim arbeitet."

Die geplante Reform der PflegeausbildungDer Entwurf zum "Pflegeberufsreformgesetz" wurde Anfang des Jahres von der Bundesregierung verabschiedet und soll noch heuer vom Parlament gebilligt weden. Das Gesetz soll gestuft bis Januar 2018 in Kraft treten. Ziel sei eine zukunftsfähige Pflegeausbildung, die mehr Qualität in der Pflege bringe, aber auch den Beruf attraktiver mache. Als wesentliche Elemente angedacht sind die neue generalistische berufliche Pflegeausbildung, eine einheitliche Finanzierung mit Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung sowie die Einführung eines Pflegestudiums. "Alle 16 Bundesländer wollen die Generalistik", stellte dazu kürzlich Karl-Josef Laumann als Pflegebeauftragter der Bundesregierung fest. Kritik am Gesetzentwurf übt die Gewerkschaft Verdi: "Wir wollen die Spezialisierungen in der Alten- und Kinderkrankenpflege erhalten und die Aufwertung der Pflege insgesamt vorantreiben". (sbü)
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