Endoprothesenzentrum gilt als "gelungenes Modellprojekt"
Gelenkersatz noch vor dem 60.

Eine wirkungsvolle Allianz für Patienten schmiedeten orthopädische Fachärzte aus dem Klinikum mit der ONZ-Gemeinschaftspraxis Weiden. Bei einer gemeinsamen Fortbildung referierten (von links): Dr. Elmar Baumer und Johannes Weiß sowie Oberarzt Ahmet Mestan, PD Dr. Clemens Baier und Chefarzt Dr. Thomas Neubauer-Gartzke. Bild: ir

Mit der steigenden Lebenserwartung wird auch die Erneuerung von Gelenkprothesen zunehmen, prognostizierten die Experten bei einer Ärztefortbildung. Nicht zuletzt deshalb, weil viele Operationen mit Gelenkersatz bereits bei Patienten unter 60 Jahren notwendig würden.

Die enge Zusammenarbeit zwischen den orthopädischen Fachärzten im Klinikum und der Gemeinschaftspraxis ONZ Weiden hat sich sehr gut bewährt. Das dadurch entstandene Endoprothesenzentrum wurde bei der Zertifizierung im Mai 2015 "ausgesprochen positiv" bewertet, freut sich Chefarzt Dr. Thomas Neubauer-Gartzke. Der Zusammenschluss finde landesweit als "sehr gelungenes Modellprojekt" Beachtung, bestätigte auch Dr. Wolfgang Rechl, der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, bei einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung im Hotel "Zur Heimat".

Qualitätsmerkmale erfüllt


Dabei standen das künstliche Knie- und Hüftgelenk im Mittelpunkt der Referate. Mehr als 1100 Kliniken befassten sich in Deutschland mit Knie- und Hüftendoprothesen, sagte Chefarzt Dr. Neubauer-Gartzke. Es gelte jedoch, sehr hoch gesteckte Qualitätsmerkmale zu erfüllen. Durch bauliche und strukturelle Maßnahmen sei es im Klinikum gelungen, für die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Orthopäden bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen. Bei einer zwei Tage dauernden Überprüfung seien vor der Zertifikaterteilung die Qualitätsanforderungen in hohem Maß erfüllt worden. Auch Patientenbefragungen und die Auswertung von 415 endoprothetischen Versorgungen hätten ein positives Ergebnis gebracht, sagte der Leiter des Endoprothesenzentrums.

Dr. Elmar Baumer von der Gemeinschaftspraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie, ONZ Weiden, beleuchtete aus langjähriger Erfahrung die aktuelle Situation in der Hüftendoprothetik. Sie sei "die erfolgreichste Operation überhaupt", sagte er. Wenn quälende Schmerzen und vor allen Dingen der nächtliche Ruheschmerz unerträglich und die Beweglichkeit erheblich eingeschränkt seien, bringe ein künstliches Gelenk Hilfe.

Der verantwortungsvolle Operateur werde die Voraussetzungen immer kritisch prüfen. Wenn die Knochen gut seien, werde dem zementfreien Einbau der Vorzug gegeben. Beide Methoden hätten sich jedoch auch noch nach vielen Jahren als sehr standfest erwiesen. Der Kollege Johannes Weiß befasste sich mit dem "Oberflächenersatz als Prothese vor der Prothese". Er wies darauf hin, dass die Wechselfunktion sehr kompliziert sei. Außerdem seien die Standzeiten bei Frauen wegen der geringeren Dimensionen wesentlich schlechter. Der Einsatz sollte nur nach strenger Auswahl und hauptsächlich bei jüngeren und aktiven Patienten erfolgen. Während der Oberflächenersatz deutlich rückläufig sei, müsse die Kurzschaftprothese "im Auge behalten werden".

Auch bei einer Operation mit minimalinvasivem Zugang sah der Orthopäde gewisse Vorbehalte. Die Methode sei zwar muskel- und weichteilschonender, aber die Positionierung des künstlichen Gelenks sei problematischer. Langfristig seien keine Vorteile oder Unterschiede zwischen beiden OP-Methoden erkennbar geworden, sagte Weiß.

Oberarzt Ahmet Mestan bezeichnete die Gonarthrose als Volkskrankheit. Nicht zuletzt durch die Altersstruktur litten in Deutschland fünf Millionen Menschen an arthrosebedingten Schmerzen. Mitschuld habe auch das weltweit zunehmende Übergewicht sowie die Bewegungsarmut. Muskelkräftigung müsse das oberste Ziel der konservativen Therapie sein, die zahlreiche Hilfen biete.

Wichtig: Messergebnisse


Mit der großen Palette der operativen Möglichkeiten für das schmerzgeplagte Knie befasste sich schließlich Privatdozent Dr. Clemens Baier. Er wies darauf hin, wie sorgfältig vor einer Operation die Messergebnisse und die daraus resultierenden Planungen erstellt werden müssen, damit der Gelenkersatz ein Erfolg wird. Die Schlittenprothese eigne sich, wenn der Gelenkverschleiß nicht durchgehend sei. Die Totalknieendoprothese, die sich seit 30 Jahren bewährt habe, komme bei knöchernen Defekten und bei der Korrektur von Fehlstellungen zum Einsatz.
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