Enthornen von Kälbern
Bleibender Eindruck

(Foto: gsb)
 
Erst, wenn die Beruhigungsmittel wirken und das Kalb schläft, beginnt Wolfgang Schmidt damit, die Tiere zu enthornen. Bild: Schönberger

Das Schmerz- und Beruhigungsmittel wirkt nach etwa zehn Minuten. Dann wird der Nerv hinter dem Ohr betäubt - "sie sollen nichts spüren". Das Enthornen von Kälbern ist ein wichtiger Prozess für Landwirte - aber auch für die Tiere selbst.

Weiden/Neustadt. Wolfgang Schmidt vom Lehrversuchs- und Fachzentrum Almesbach steht vor einer Stallbox und blickt auf ein schlafendes Kalb, nicht älter als zehn Tage alt. "Das Mittel wirkt. Das ist wichtig, sonst können wir nicht weitermachen", erklärt er den Teilnehmern des Enthornungskurses - alles aktive Landwirte. Dr. Stefan Paarmaan vom Tiergesundheitsdienst erklärt, worauf es bei dem Verabreichen des Mittels ankommt:

"Es muss genau die richtige Menge sein. Wäre es zu viel, würde man dem Tier damit schaden. Wäre es zu wenig, könnte es sein, dass es während des Enthornens aufwacht." Schmidt nimmt einen Rasierer und entfernt die Haare an den Stellen über der Stirn des Tieres, an denen in wenigen Wochen die Hörner zu sehen sein würden.

Blutige Rangkämpfe


Warum das Enthornen der Kälber notwendig ist, erklärt Petra Brodmerkel, Anwärterin am Almesbacher Hof. "Zum einen schützt es den Halter, da ihn die Tiere nicht verletzen können." Auch für die Kälber selbst ist es eine Vorsichtsmaßnahme. "Es gibt Rangkämpfe, das ist der natürliche Lauf der Natur. Mit ihren Hörnern fügen sie sich teilweise schwere Wunden zu. Das wollen wir verhindern." Deshalb veranstaltet der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung regelmäßig Kurse, um Landwirte zu schulen.

"Es ist wichtig, die Tiere früh zu enthornen. Bereits nach einem Vierteljahr sieht man die Hörner, ab einem halben Jahr wird es gefährlich", informiert Schmidt. Er nimmt das Enthornungsgerät, dass optisch einem Fön ähnelt, und erhitzt es. "Dadurch wird die Blutzufuhr zum Horn thermisch verödet - es wächst nicht mehr." Vorsichtig setzt er das Gerät auf die Hornansätze. Die Kuh zuckt kurz, es riecht nach verbranntem Haar, dann nimmt Schmidt die Hornhaut ab, die sich gelöst hat.

Schutz vor Infektionen


Erneut setzt er den Apparat an, um die Stelle zu veröden. Lässt sich die Haut um die Stelle "wie ein Ring" bewegen, hat alles geklappt. Wundspray soll das Tier vor Infektionen schützen. "Jetzt wird sie einige Stunden schlafen, wenn wir Glück haben, frisst sie heute Abend schon wieder ganz normal", erklärt Schmidt.

Hermann Lederer, Kursteilnehmer und praktizierender Landwirt aus Hart bei Floß, enthornt seine Kälber schon seit Jahren selbst - allerdings erst im Alter von vier bis sechs Wochen. Die Medikamente, mit denen der Landwirt die Kälber betäubt, bezieht er von einem Tierarzt. "In dem Alter kann man den Hornansatz schon erkennen. So kann man das Gerät leichter ansetzen."

Für die Teilnahme an dem Kurs entschied er sich aus einem bestimmten Grund: "Eine neue Vorschrift des Zuchtverbandes besagt, dass Kälber enthort sein müssen, wenn sie mit sechs Wochen abgeholt werden. Bei dem Transport müssen alle Wunden verheilt sein, da sie sich sonst infizieren können. Deshalb müssen wir damit jetzt früher anfangen." Denn so bleibe genügend Zeit, um die Wunde zu pflegen und den Heilungsprozess zu gewährleisten. "Es hat aber noch mehr Vorteile. Die Hornanlage ist noch nicht so groß. Das bedeutet, das Tier merkt weniger als mit sechs Wochen."
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