Erstes Tierbegräbnis im neuen Jahr
"Prinz" zur letzten Ruhe gebettet

Als "Ort der Würde und Kultur" hat der Weidener Tierfriedhof 2015 eine Auszeichnung erhalten.
 
Familie Marschner aus Pfreimd ließ ihren Kater "Prinz" in Weiden beerdigen. Helga Gebhardt übernahm die Arbeiten beim ersten Tierbegräbnis im neuen Jahr. Bilder: hcz (2)

Es ist Samstagfrüh, 8 Uhr. Helga Gebhardt geht mit Schaufel, Spitzhacke und Boschhammer zu einer freien Stelle unter den Bäumen und beginnt zu graben. Etwa 90 mal 50 Zentimeter und gut 70 Zentimeter tief soll die Ruhestätte für das zu begrabende Tier werden.

(hcz) Nur wenige Zentimeter Neuschnee liegen über den Gräbern. Das Graben geht leichter als gedacht. Trotz Temperaturen unter null ist der Boden nicht gefroren. Eher nass. "Im knochentrockenen Sommer letzten Jahres ging es viel schwerer", berichtet die Frau des Vorsitzenden des Tierfriedhof-Fördervereins, Josef Gebhardt.

Um 10 Uhr kommt die Familie Marschner aus Pfreimd. Sie trauert um ihren Kater "Prinz". 14 Jahre war die hübsche weiße "Türkisch Angora" ein Familienmitglied. "Er war tatsächlich unser Prinz", erzählt Markus Marschner. Zuletzt war der Kater herzkrank. Dank starker Tabletten lebte er noch ein Jahr.

Bei einer Präsentation des Tierfriedhof-Fördervereins vor der Buchhandlung "Stangl & Taubald" im Sommer waren sie auf den Weidener Tierfriedhof aufmerksam geworden, den einzigen in der Oberpfalz, berichten die Marschners. Nun wollten sie unbedingt, dass ihr Liebling in Würde begraben wird.

Wolldecke für den Kater


Ein letzter Blick. Erinnerungen kommen hoch. In eine wollene Decke ist "Prinz" eingewickelt. Er hatte es immer gern warm. Und: Wie gerne hat er immer die Vögel im Garten beobachtet. Hier gibt es viele Vögel. Der Tierfriedhof ist eine Naturoase. Als junger Kater hat "Prinz" viel in der Wohnung "abgeräumt". Im Alter ist er ruhig geworden. Jetzt wird er zur letzten Ruhe gebettet.

Helga Gebhardt legt das Wolldecken-Bündel auf den Grund des ausgehobenen Grabs. Sein Lieblings-Spielzeug, ein kleiner Stoffbär, kommt mit ins Grab. Tränen fließen. "Ruhe in Frieden, kleiner Prinz". Helga Gebhardt schaufelt die Grube mit der vorher ausgehobenen Erde zu. Eine Kerze und eine kleine Figur stellen die Menschen noch auf den Erdhügel. Sie verabschieden sich.

80 Euro für drei Jahre Grabgebühren werden demnächst überwiesen. Selbstverständlich können sie danach die Laufzeit verlängern. Jetzt, knapp sechs Jahre nach Gründung des Vereins und gut vier Jahre nach den ersten Bestattungen, sind die ersten Gräber schon aufgelassen worden.

Vorsitzender Josef Gebhardt berichtet, dass fast 300 Hunde, Katzen, Vögel und Hamster, darunter auch eine kleine Zahl im Tierheim verstorbener Tiere, inzwischen hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Im vergangenen Jahr seien es 63 gewesen, weiß seine Frau. An ihr bleibt viel Arbeit hängen, denn ihr Mann ist als Stadtrat und als Vorsitzender der Weidener Tafel sehr eingespannt. "Wenn er ins Wirtshaus gehen würde, würde ich die Arbeit nicht machen", sagt die Neunkirchenerin. "Aber bei der Tafel braucht man ihn halt auch."

Sie erzählt, dass kürzlich jemand zu ihr sagte, er hätte auch schon die "Geschäftsidee" eines Tierfriedhofs gehabt. Bleich geworden und schnell verstummt sei der Mann, als sie ihm gesagt habe, dass hier niemand etwas verdiene und jeder ehrenamtlich arbeite. Stolz sind die Gebhardts und ihre Helfer aus der Reihe der über 200 Mitglieder auf die Auszeichnung im Wettbewerb "Unser Friedhof - Ort der Würde und Kultur". In Konkurrenz mit lauter Friedhöfen für Menschen habe der Tierfriedhof den zweiten Platz in der Region belegt. Das bestätige das Konzept der Naturnähe, das seit der Gründung verfolgt werde.

"Freiwillige immer gesucht"


Auch darauf, dass so vieles finanziell gestemmt werden konnte, ist der Verein stolz. Zuletzt ein kleines Häuschen zur Aufbewahrung der Gerätschaften und als Aufenthaltsraum für die Arbeiter. Das Dach hat 7000 Euro gekostet. Demnächst gehen die Gärtnerarbeiten wieder los. "Freiwillige Helfer werden immer gesucht", sagt Josef Gebhardt.
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