Erstmals soll Josef Sterr für die Aufführung seiner "Oberpfälzer Weihnachtsg'schicht" bezahlen
Wirbel um Kirchenmiete

Etwas Wehmut schwingt mit in Josef Sterrs Stimme. Noch vor einem Jahr, da gastierte der begeisterte Volksmusiker mit seiner "Oberpfälzer Weihnachtsg'schicht" in St. Michael. Heuer wollten er und der "Oberpfälzer Volksliederkreis" mit ihrem beliebten Konzert zum sechsten Mal in Folge im evangelischen Gotteshaus auftreten. Pustekuchen.

Die Kirche wollte erstmals Geld sehen, beklagt Sterr. Und das hätten die Laienmusiker nicht. Dabei glaubt Sterr, dass sie mit ihren Darbietungen nichts weiter täten, als den Auftrag von Kanzlerin Angela Merkel zu erfüllen. Nämlich: Die Blockflöte in die Hand zu nehmen und Weihnachtslieder spielen. Im übertragenen Sinn natürlich. Denn die Gruppen besitzen noch weitere Instrumente.

Für Sterr besitzt sein traditionelles Weihnachtskonzert - die Verkündigung der Geburt Jesu - wegen seiner Glaubensvertiefung in gewisser Weise schon auch ein Stück weit kirchlichen Charakter. Und dafür sollte man kein Geld verlangen, meint Sterr. Wie er betont, belaufe sich die "Saalmiete", wie er sich ausdrückt, in St. Michael zwischen 300 und 600 Euro. "Je nach Art des Konzerts." Für Mesner, Putzfrau und Heizung. Seine Künstler würden aber ohne Gage auftreten. Die spielten für Gottes Lohn. "Wir verlangen keinen Eintritt. Das einzige was wir machen: Wir stellen hinten einen Spendenkorb auf." Fürs Benzingeld der Musiker. "Die kommen ja teilweise bis aus Regensburg."

Heuer ist Sterr nach Sankt Dionysius in Neunkirchen zu Pfarrer Armin Spießl ausgewichen. Am Sonntag, 27. November um 17 Uhr, geht es los. Was Sterr nicht wusste: "Jetzt verlangt plötzlich auch die katholische Kirche Miete für die Nutzung." Deshalb sein Appell fürs kommende Jahre: "Vielleicht gibt es noch einen Pfarrer im Stadtgebiet, der sein Gotteshaus nicht nach der Kosten-Nutzen-Rechnung zur Verfügung stellt."

Wenn in Kirchen künftig kein Platz mehr sei für Laienmusiker, dann müsse man eben Adventskonzerte in den Wirtshäusern spielen. "Beim Alten Schuster brauchen wir nichts bezahlen und bekommen obendrein pro Musiker noch Freibier für den Auftritt." Trotz des Ärgers im Vorfeld freuen sich die Musiker aber doch auf eine besinnliche Weihnachtsfeier in Neunkirchen.

Es treten auf: der Veeh-Harfen-Klang aus Wölsendorf, Hans und Marianne aus Waldsassen, die Instrumentalgruppe von St. Johannes und D'Schwalberer aus Schnaittenbach. Sterr wird wieder seine Oberpfälzer Weihnachtsgeschichte vortragen. Besinnliche Worte spricht Pfarrer Spießl.

Das sagen die PfarrerStefanie Endruweit, Pfarrerin von St. Michael, hat zwar Verständnis. Dennoch betont sie: "Wir sind kein Saal, sondern eine Kirche." Vor zwei Jahren beschloss der Vorstand, dass 600 Euro für externe Konzerte als Aufwandsbeitrag für Strom, Heizung und Mesner fällig werden."Wir müssen mit unseren Geldern verantwortungsvoll umgehen." Für Sterr sei das alles nicht aus heiterem Himmel gekommen. Im vergangenen Jahr kündigte ihm die Kirche bereits an, dass er zahlen muss.

Pfarrer Armin J. Spießl von St. Dionysius kann Josef Sterr nicht verstehen: "Er zahlt keine Miete, sondern einen Unkostenbeitrag von 100 Euro." Dies sei ein üblicher Vorgang bei Konzerten. "Es wird ein Obolus für Strom, Heizung sowie Mesneraufwand berechnet. Wobei selbst damit nicht alle Unkosten gedeckt werden können." (plue)
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