Erwachsenenbildung war das große Thema der Frühjahrssynode im Dekanat Weiden
Bildung der Persönlichkeit

Neue Wege in der Erwachsenenbildung diskutierten (von links) Dekan Dr. Wenrich Slenczka, Kirchenrat Dr. Jens Colditz, Religionspädagogin Bettina Hahn, Pfarrer Herbert Sörgel, Vorstand des Evangelischen Bildungswerks. Im Hintergrund Käthe Pühl, Präsidentin der Dekanatssynode. Bild: sbü
 
Hans-Jürgen Mehlan. Bild: sbü

Erwachsenenbildung stand im Mittelpunkt der Dekanatssynode. Dabei zeigte sich, dass die evangelische Kirche das Thema anders sieht als Politiker oder Unternehmer. Doch wie soll der Bildungsauftrag umgesetzt werden?

Als Pfarrer Herbert Sörgel (Flossenbürg) gefragt wurde, wie er die Gedenkstätte als Lernort wahrnimmt, antwortete er zunächst: "Wir haben vom Holocaust nichts begriffen, wenn sich jetzt unsere Feindschaft gegen den Islam richtet." Er wurde noch konkreter: "Mit dem Mittelstand haben wir kein Problem. Aber wie kommen wir an die Menschen heran, die eine andere Sprache sprechen als die, die normalerweise in der Kirche gesprochen wird?"

Damit stellte der Flossenbürger Pfarrer, der auch Vorstand des Bildungswerks im Dekanatsbezirk ist, die zentrale Frage. "Erwachsenenbildung im Aufbruch", lautete das Thema der Frühjahrssynode. Hauptreferent war Kirchenrat Dr. Jens Colditz aus München. "Bildung ermöglicht die Teilhabe am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben." Für Colditz hat die evangelische Kirche einen anderen Bildungsbegriff als üblicherweise zu hören. "Als Kirche setzen wir uns ab von der ständigen Weiterbildung für den Arbeitsmarkt." Adressat der Bildung ist für den Referenten eher die Persönlichkeit.

Ausführlich widmete er sich der Frage, wie Erwachsenenbildung zeitgemäß umgesetzt werden kann. Die Angebote müssten sich an der Lebenswirklichkeit ausrichten. "Welcher Vater hat Zeit, abends um halb acht zu einem Vortrag zu kommen?" Bildungsarbeit müsse vernetzt innerhalb des gesamten kirchlichen Bereichs gedacht werden, über alle Themen, die von der Gemeinde gesetzt werden. Die seien oft existenziell: Umgang mit anderen Religionen, Integration von Flüchtlingen, Demenz, Trauerarbeit. Potenziale sieht er in der Altenseelsorge und Kirchenmusik. Warum nicht mit Konfirmandeneltern etwas machen?

In der Diskussion überraschte Dekan Dr. Wenrich Slenczka mit der Feststellung "Bildung ist zwecklos", erklärte dann aber: "Bildung ist Weiterentwicklung des Menschen." Auch er fragte: "Wie kommen wir an die heran, denen wir diese Bildung vermitteln wollen?" Religionspädagogin Bettina Hahn hält es für notwendig, die Erwachsenenbildung in den Gemeinden zu vernetzen. Sie wies auf das neue Programm hin, abrufbar auf www.dekanat-weiden-evangelisch.de. Dr. André Fischer, Pfarrer Grafenwöhr/Pressath, stellte Defizite in der religiösen Sozialisation fest. Es würden "Kinder in Familien hineingetauft, deren religiöse Sozialisation abgebrochen ist". Seine Idee: "kleiner Kurs für Taufeltern".Die Verwaltungen der Evangelisch-Lutherischen Dekanate Weiden und Sulzbach haben eine neue Leitung. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde Hans-Jürgen Mehlan von Dekan Dr. Wenrich Slenczka in das neue Amt eingeführt. Der Verwaltungsfachwirt (51) arbeitet schon seit 1998 in der hiesigen Kirchenverwaltung und war seit 2005 Stellvertreter seines Vorgängers Helmut Bremer . Der neue Verwaltungsleiter sieht sich vorrangig als Dienstleister für die Dekanate. "Ich will als Berater, Unterstützer und Organisator auch Ansprechpartner für alle Verwaltungsthemen sein." Zeitgleich mit Mehlan wurde Sabrina Bayer als kommissarische Stellvertreterin vorgestellt.
Welcher Vater hat Zeit, abends um halb acht zu einem Vortrag zu kommen?Kirchenrat Dr. Jens Colditz, Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung
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