Europaberufsschule schlägt vor SPD-Stadtratsfraktion Alarm
Zu eng, zu alt, zu kaputt

Gut zwei Stunden waren nötig, um den Vertretern der SPD-Stadtratsfraktion allein die wesentlichsten Mängel im Gebäude und in den Werkstätten der Europaberufsschule aufzuzeigen. Bild: sbü
 

Es reicht Schulleitung und Lehrerschaft der Europaberufsschule. Den Besuch der SPD-Stadtratsfraktion nahmen die Schulvertreter zum Anlass, auf eine große Zahl von Missständen im Gebäude und in seiner Ausstattung hinzuweisen.

Fast alle Bereiche in der Schule sind betroffen. In einem Arbeitspapier der Schule heißt es, "ein Großteil der Ausstattung wurde seit Jahren nicht mehr erneuert". Vieles befinde sich auf dem technischen Stand von vor 20 Jahren und müsse erneuert werden. Für die Berufsschule in Weiden bestehe die Gefahr, "dass sie nur mehr als Restschule in der dualen Ausbildung wahrgenommen wird". Berufsgruppen könnten abgezogen und an Standorte benachbarter Berufsschulen verlegt werden.

Konzeptpapier übergeben


Deshalb übergab Schulleiter Josef Weilhammer der SPD-Stadtratsfraktion ein "Konzeptpapier". Darin kommt seine Sorge zum Ausdruck, den Schülern "künftig keine angemessenen Lern- und Arbeitsbedingungen zur Verfügung stellen zu können, wenn nicht zeitnah und umfassend für Abhilfe gesorgt wird".

Bei der Führung durch Werkstätten und Unterrichtsräume demonstrierten Weilhammer und die Fachlehrer die lange Mängelliste. Überall fehlten die erforderlichen Flächen. Geräuschvolle Werkzeugmaschinen stehen direkt neben Computerarbeitsplätzen, der Lehrer sei kaum zu hören. Fachlehrer täten sich schwer, den Lehrplan mit der vorhandenen Technik erfüllen zu können. Elektromobilität könne nicht ausreichend unterrichtet werden, weil die vorgeschriebenen Abschirmmöglichkeiten fehlen. In der Holzwerkstatt gebe es "Standardtechnik wie vor 30, 40 oder 50 Jahren". Auf Schrottplätzen müssten Ersatzteile für Fahrzeuge im Kfz-Bereich gekauft werden. Der Typ einer in der Schule vorhandenen Werkzeugmaschine stünde seit 2006 im Deutschen Museum.

Theoretischer Unterricht und fachpraktische Unterweisung seien in den neuen Lehrplänen nicht mehr getrennt. So führe das Raumkonzept mit der Trennung zwischen Werkstatt- und Unterrichtsbereich zu "Schülertourismus". Aufs Jahr gerechnet sind "Schüler der Metallabteilung 300 Stunden auf Wanderschaft", rechneten die Fachlehrer der Metallabteilung vor. Schulleiter Weilhammer zählte mit Stellvertreter Thomas Neumann auch zahlreiche Mängel in der schulischen Infrastruktur auf. Die Aula sei nicht behindertengerecht, der Wärme- und Kälteschutz teils unzureichend, die Verpflegung von 3500 Schülern erfolge in einer "selbstgezimmerten Bretterbude und einem Imbissverkauf". Bei Starkregen stehe Wasser im Keller. Die bestehende "Zergliederung mehrerer Schuleinrichtungen" sei sehr kostenintensiv.

SPD: Stadt hat kein Geld


Im "Konzeptpapier" beantragt die Schulleitung deshalb bei der Stadtverwaltung "einen tragfähigen mehrjährigen Investitionsplan" sowie ein "Sanierungskonzept". Weil Gastschulbeiträge nach den tatsächlichen Aufwendungen finanziert würden, fordert sie: "Wir müssen mehr investieren, um höhere Einnahmen zu erzielen." Zwei Drittel der Aufwendungen kämen über Gastschulbeiträge zurück. "Wäre ich in Amberg, hätte ich 2,5 Millionen Euro mehr", stellte Neumann fest. Bei den Investitionen sei man bayernweit Schlusslicht.

SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter sagte: "Wir wollen Ihnen helfen, aber über den städtischen Haushalt wird es in den nächsten zehn Jahren wohl nicht möglich sein." Das Thema müsse "anders angedacht werden" . (Angemerkt)

Für die Berufsschule in Weiden besteht die Gefahr, dass sie nur mehr als Restschule in der dualen Ausbildung wahrgenommen wird.Chef Josef Weilhammer

Nur Neubau als Ausweg?

Von Siegfried Bühner

Die Mängel an Gebäude und Ausstattung sind enorm. Ohne die Improvisationskunst der Lehrer wäre alles ohnehin noch viel schwieriger an der Berufsschule. Deshalb wurden hier nun recht schrill die Alarmglocken geläutet.

Doch man muss Schulleitung und Lehrer verstehen. Sie blicken auf andere Berufsschulen in der Oberpfalz, befürchten Nachteile für den Standort Weiden. Der Schulleiter fordert deshalb ein Schulentwicklungskonzept und so die teils sicher kostenintensive Mängelbehebung.

Doch wie gelingt die Quadratur des Kreises? Die Finanzsituation der Stadt ist schwierig und wird sich wohl wenig verändern. Förderprogramme betreffen überwiegend nur Baumaßnahmen, sagte der SPD-Fraktionschef.

Wenn er das Thema - wie erwähnt - "anders andenken" will, schaut er vielleicht auf das Modell FOS/BOS. Das Stichwort dafür gab Stadtrat Karl-Heinz Schell ohnehin. Er sagte: "Mir kommt hier alles vor wie in der alten FOS/BOS." Damals wurde neu gebaut.

E-Mail an Siegfried Bühner unter redws@derneuetag.de
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