Ewig in Mode
Die Geschichte der Oberpfälzer Trachtenvereine

Beim Vortrag über die Trachtenvereine war Musik drin. Denn stellvertretender Bezirksheimatpfleger Johann Wax griff auch schon mal zur Gitarre. Bild: hcz

"D' Schuahplattler" waren die Pioniere. 1898 gründeten sie in Regensburg den ersten Oberpfälzer Trachtenverein. In Weiden riefen Holzfäller 1907 den Gebirgstrachtenverein "Almrausch" ins Leben. Es sollten bei weitem nicht die einzigen Gemeinschaften bleiben, die sich der Brauchtumspflege verschrieben.

Unter dem Motto "Tracht im Blick - Die Oberpfalz packt aus" zeigen neun Oberpfälzer Museen heuer Ausstellungen zum Thema "Dirndl, Gwand, Heimatkleid, Tracht und Dazugehöriges". Das Weidener Stadtmuseum ist seit wenigen Tagen mit "Trachtenzubehör aus der Oberpfalz und dem Egerland" dabei. Begleitend zum Thema luden Kulturamtschefin Petra Vorsatz und wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Sebastian Schott den stellvertretenden Bezirksheimatpfleger Johann Wax in die "Almhütte" ein. Seit 1988 engagiert er sich beim Bezirk Oberpfalz in der Heimatpflege und -forschung. Nun referierte der 61-Jährige vor zahlreichen Interessierten über die Entstehung und Geschichte der Oberpfälzer Trachtenvereine.

Das "Phänomen Verein" habe eine rund 200-jährige Geschichte, berichtete Wax. Nach älteren Zusammenschlüssen wie Bruderschaften, Zünften und Burschenschaften sei es Anfang des 19. Jahrhunderts zu ersten Vereinsgründungen gekommen. Zunächst von Turn- und Gesangsvereinen. Trachtenvereine hätten sich erst relativ spät hinzugesellt. Ab 1883 sei der "Erhaltungsgedanke" in Arnschwang (Landkreis Cham) aufgekommen. 1898 gründete sich in Regensburg der erste Oberpfälzer Trachtenverein "D 'Schuahplattler", der sich kurz darauf in "Edelweiß" umbenannte.

In der Folge habe es bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch vier Vereinsgründungen in der Oberpfalz gegeben. Auch der Regensburger "Volkstrachtenverein Almrausch Stamm" habe sich für die alpenländische Tracht entschieden und dafür, "die Sitten und Gebräuche des Gebirgsvolks zu hegen und zu pflegen". In Weiden hätten zugezogene Holzfäller den Anstoß gegeben, 1907 den Gebirgstrachtenverein "Almrausch" zu gründen. Oberbayerische Bräuche, Miesbacher Tracht, Schuhplattler und Tänze waren Pflicht.

In Weiden gründeten sechs Männer 1920 den Volkstrachten-Erhaltungsverein "D' "Altbairischen" zur Pflege der Oberpfälzer Bauerntracht. 1924 entstand mit "Almfrieden" ein weiterer Gebirgstrachtenverein in der Max-Reger-Stadt. Während man sich in Neumarkt für die Miesbacher Tracht entschieden habe, sei in Mitterteich die bodenständige Stiftländer Tracht zum Zug gekommen. Im "Dritten Reich" seien die Trachtenvereine aufgelöst oder zumindest "gleichgeschaltet" worden. Erst ab 1945 sei dann eine "Welle" von Neugründungen erfolgt.

Wax zeigte neben umfangreichem Bildmaterial von Gründungs- und ersten Jubiläumsfotos allerlei "Gwand" und Zubehör sowie Stadtansichten und Ehrenkrüge. Auf einer Karte der Oberpfalz sind die Standorte der heute noch bestehenden knapp 80 Trachtenvereine verzeichnet. Man könne von einer "flächendeckenden Bewegung" sprechen. Mit Musik und Gesang, an dem sich das Publikum gerne beteiligte, sowie zahlreichen Anekdoten lockerte Wax seinen Vortrag auf. Demnächst erscheint ein Begleitband zur Reihe "Tracht im Blick" mit Quellen, Trachtenforschungsergebnissen und Erlebnisberichten.
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