Experte Dieter Melzner gibt Tipps zum Einbruchschutz
Vor Schloss und Riegel

Einen stabilen Schraubenzieher, mehr braucht es oft nicht, um ein geschlossenes Fenster oder eine Tür von außen zu öffnen. Einbruchschutz-Experte Dieter Melzner zeigt vor seinem Vortrag im Medienhaus Der neue Tag, wie einfach sich Einbrecher Zutritt in ein Haus verschaffen können. Bild: Schönberger
 

Ein sorglos gekipptes Fenster im Erdgeschoss ist eine Einladung für Einbrecher. Die kommen meist lautlos und unbemerkt in das Haus. Schutzmaßnahmen müssen Bewohner vor dem Einbruch ergreifen. Profi Dieter Melzner erklärt beim Vortrag im Medienhaus Der neue Tag, wie das gelingt.

Es ist eine dunkle Nacht im Oktober. Schauplatz ist ein kleiner Ort in der Oberpfalz: Ein Einfamilienhaus, typisch für diese eher ländliche Gegend, steht am ruhigen Ortsrand. Das Haus sieht man von der selten befahrenen Straße aus schlecht, Büsche und Bäume versperren die Sicht auf Fenster und die Terrassentüre. Was so idyllisch klingt, ist die perfekte Kulisse für einen Wohnungseinbruch. Hecken und Sträucher bieten Einbrechern idealen Sichtschutz, sie können sich unbemerkt auf dem Grundstück bewegen. "Dichte Bepflanzungen sollte man an einbruchgefährdeten Stellen vermeiden, lieber die Büsche zurückschneiden und kurz halten", empfiehlt der Experte, Kriminalhauptmeister Dieter Melzner von der Kripo Weiden.

Der Kriminalpolizeiliche Fachberater hält Vorträge zum Thema "Sicher wohnen - Einbruchsschutz". Auch bei seiner Präsentation im Medienhaus erklärt er, wie die Sicherung der eigenen vier Wände richtig funktioniert, wie man Einbrüche verhindern kann und er gibt Verhaltenstipps, wenn man einen Einbrecher in der Wohnung bemerkt. Jederzeit steht er für kostenlose Beratungen zur Verfügung. "Jetzt im Herbst habe ich Hochkonjunktur, ich bekomme viele Beratungsanfragen. Die Leute kommen aus dem Urlaub und haben Zeit, sich damit zu beschäftigen. Vor allem in der dunklen Jahreszeit."

Der Schutz des Grundstücks ist eine wichtige Maßnahme, um Einbrüchen vorzusorgen. Ein Zaun und ausreichend Licht, im Idealfall mit Bewegungsmeldern, schreckt viele Täter ab. Viele Gegenstände, die in jedem Garten stehen, können von Einbrechern als Aufstiegshilfen genutzt werden. Deshalb sollten Leitern, Gartenmöbel oder Mülltonnen weggeschlossen oder mit einer Kette gesichert werden.

Fünf Sekunden


Eine dunkle Gestalt betritt das Grundstück durch den Garten und nähert sich unbeobachtet dem Haus. Die Person schleicht an ein Fenster, zieht einen langen Schraubenzieher aus dem Hosenbund und macht sich am Rahmen zu schaffen. Fünf Sekunden später ist das Fenster offen und der Einbrecher im Haus. "Mein Rekord liegt bei vier Sekunden. Ich kann ein Fenster mit einem Schraubendreher öffnen, so dass man es hinterher sogar wieder verschließen kann", sagt Melzner. In neugebauten Häusern werden genormte Türen verbaut, die keinen Schwachpunkt in Türblatt, Zarge, Schloss oder Beschlag haben und guten Schutz vor Eindringlingen bieten.

Aber auch im Nachhinein kann der Schutz an der Haustür verbessert werden, etwa durch besondere Schlösser, Schließbleche, Mehrfachverriegelungen und andere mechanische Sicherungen. Auch Fenster, die nicht den neuesten Standards entsprechen, können nachgerüstet werden. "Fenstergriffe zum Abschließen reichen aber nicht aus. Meistens hebeln Einbrecher die Fenster aus, da helfen nur einbruchhemmende Fensterbeschläge oder aufschraubbare Nachrüstungen", weiß der Experte. Alarmanlage und Videoüberwachung sind auch sinnvoll, aber nur, wenn die Qualität hoch ist. "Sonst ist das Risiko für Fehlalarme hoch und irgendwann hört keiner mehr hin."

Einbrüche auch tagsüber


Der Einbrecher durchsucht den Keller, dann das Untergeschoss. Er nimmt die Geldbörse auf dem Küchentisch, findet im Wohnzimmerschrank eine Schatulle mit wertvollem Schmuck. Innerhalb von zehn Minuten hat er alles durchwühlt, lautlos bewegt er sich in dem Haus. Die Bewohner schlafen im Obergeschoss, ahnen nicht, was in ihrem Heim vor sich geht. Er verlässt den Tatort, genauso unbeobachtet, wie er ihn betreten hat. Nicht nur nachts wird eingebrochen, Täter dringen auch am Tag in Häuser ein. Ein Vorteil für Einbrecher ist der Wandel in der Gesellschaft, ist sich Melzner sicher. "Heute leben wir oft in einer Zwei-Generationen-Wohneinheit, am Tag ist oft niemand zu Hause." Gerade bei Berufstätigen können Einbrecher den regelmäßigen Tagesablauf leicht auskundschaften. "Am wirksamsten sind da aufmerksame Nachbarn oder Hausbewohner."

Die bemerken oft, wenn sich fremde Personen im Wohngebiet aufhalten, die sich merkwürdig verhalten. "Sitzen Fremde lange im Auto und beobachten etwas, machen sogar Fotos, dann ist das auffällig. Mutige können solche Personen höflich ansprechen. Man merkt dann relativ schnell, was die Verdächtigen wollen." Der Experte rät, bei auffälligen Vorkommnissen die Polizei zu rufen, die Situation aus sicherer Entfernung zu beobachten und als Zeuge zur Verfügung zu stehen.

Niedrige Aufklärungsquote


Nur 17 Prozent der Einbruchsfälle in der Oberpfalz werden aufgeklärt. Oft mangelt es an verwertbaren Spuren. Der Aufwand ist groß und es ist wenig Personal da. "Bei uns ist es trotzdem relativ ruhig. Das macht die Nähe zur Grenze, da wird viel kontrolliert. Die Polizeipräsenz in unserem Gebiet ist hoch, das schreckt ab."

Mein Rekord liegt bei vier Sekunden. Ich kann ein Fenster mit einem Schraubendreher öffnen, so dass man es hinterher sogar wieder verschließen kann.Dieter Melzner, Kriminalhauptmeister


Tipps vom Profi

Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Einbrecher im Haus oder in der Wohnung bemerke?

"Die meisten Einbrecher fliehen, wenn sie merken, dass sie entdeckt wurden", sagt Experte Dieter Melzner. Gefährlich wird es meist erst, wenn der Einbrecher befürchten muss, erkannt oder festgehalten zu werden. Der Profi rät, sich zwar durch Geräusche oder Licht im Haus bemerkbar zu machen, aber eine direkte Konfrontation mit dem Täter zu vermeiden.

Wie kann ich meine Wertsachen schützen?

Melzner hält einen Tresor für sinnvoll. "Allerdings sollte das dann kein günstiger aus dem Baumarkt sein." Auch rät er zu einen Tresor mit Code. "Den Schlüssel trägt man meistens nur anfangs immer bei sich, irgendwann wird er im Haus versteckt. Wird der Schlüssel dann gefunden, bringt der ganze Tresor nichts", warnt der Kriminalhauptmeister.

Woher weiß ich, was alles gestohlen wurde?

Im Nachhinein wird es oft schwierig, genau festzustellen, was nach einem Einbruch fehlt. Wichtig ist es deshalb, schon vorher eine Bestandsaufnahme zu machen. "Eine Wertsachenliste sollte jeder haben. Darauf einfach alles notieren, was einem lieb und teuer ist." Im Idealfall beschreibt man die Gegenstände auf der Liste genau, notiert unverwechselbare Merkmale und macht ein Foto mit Maßstabsangabe. "Diese Liste am besten in Papierform in einem Tresor aufbewahren, dann kommt sie nicht weg."

Goldene Regeln: Einbrüchen vorbeugenWenn man das Haus verlässt, auch wenn es nur für kurze Zeit ist, sollte unbedingt die Haustür zugesperrt werden.

Fenster, Balkon- und Terrassentüren sollten immer fest verschlossen werden. Für Einbrecher sind gekippte Fenster offene Fenster.

Einen Ersatzschlüssel sollte man nie draußen verstecken, Einbrecher finden jedes Versteck. Besser ist es, den Schlüssel bei Verwandten zu deponieren.

Geht der Haustürschlüssel verloren, sofort den Schließzylinder auswechseln.

Wachsam sein, wenn sich Unbekannte oft in der Wohnanlage oder dem Wohngebiet aufhalten und sich auffällig verhalten.

Ist das Haus längere Zeit unbewohnt, zum Beispiel bei einer längeren Urlaubsreise, sollte es keine offensichtlichen Hinweise darauf geben.
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Weitere Informationen:

www.k-einbruch.de
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