Faruk Maloku spendet Stammzellen für Leukämie-Patienten
Lebensrettung ganz entspannt

Von Aufregung keine Spur: Faruk Maloku war bei der Stammzellenspende ganz entspannt und "glücklich, dass ich einem anderen Menschen helfen kann", versichert der vielen bekannte Fußballtrainer. Bilder: hfz (2)
 
Faruk Maloku durfte das blaue Fähnchen auf die Landkarte pinnen: Es belegt, dass schon mehrere Weidener bei Cellex in Chemnitz Stammzellen gespendet haben.

Faruk Maloku würde es jederzeit wieder tun. In den nächsten zwei Jahren darf er aber nicht. Was? Stammzellen spenden für einen leukämiekranken Patienten.

Denn der 38-Jährige hat es gerade hinter sich. Am 19. Mai wurde er von der Firma Cellex in Dresden "angezapft", damit seine Stammzellen einem anderen Menschen zur Heilung verhelfen. Das Ganze verlief so entspannt und problemlos, dass Faruk Maloku mit seinem Beispiel gerne andere dazu ermuntern möchte, sich ebenfalls als Spender zur Verfügung zu stellen.

Auslöser war die großangelegte Typisierungsaktion für Kathrin Pentner aus Etzenricht. Im März 2014 drängten dazu fast 2000 Menschen in die Weidener Mehrzweckhalle (der NT berichtete). Darunter auch die komplette Fußballmannschaft des SV Etzenricht. Faruk Maloku, der bei der Firma Sitlog in Altenstadt für Marketing und Personal zuständig ist, war damals ihr Trainer. "Ich kenne Kathrin nur flüchtig, aber ihren Vater ganz gut. Das ist eine sehr nette Familie", sagt Maloku. "Deshalb war für uns klar, dass wir alle zur Typisierung gehen." Knapp zwei Jahre später landet er den Treffer. "Am Heiligen Abend kam Post von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, dass ich in der engeren Auswahl bin."

Es folgten weitere Blutuntersuchungen, ein umfassender Gesundheitscheck in Dresden und drei Terminverschiebungen durch den Empfänger. "Warum, das wird einem nicht gesagt." Dann stand der 19. Mai als Tag für die Stammzellenspende fest. "Meine Frau steht da voll hinter mir", sagt der 38-Jährige. Sein Freund Jochen Schindler ebenfalls. Der begleitete ihn nach Dresden, weil man nach dem Eingriff nicht selbst Auto fahren soll. "Alles lief ganz entspannt ab, und die DKMS kümmert sich wirklich um jedes Detail." Fünf Tage vor dem Termin musste Faruk Maloku sich zweimal täglich ein Medikament spritzen, das die Stammzellen im Blut anreichert. "Da hatte ich leichte Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich wie bei einer Grippe. Nichts Dramatisches."

Helfen macht glücklich


Die Stammzellenentnahme selbst ging bei dem 38-Jährigen mit drei Stunden recht flott vor sich. "Es kann bis zu vier Stunden dauern. An meinem linken Arm wurde das Blut entnommen, in eine Maschine geleitet, die die Stammzellen ausfiltert, und über meinen rechten Arm wieder zurückgeführt. Ich hatte keine Angst. Im Gegenteil: Ich war sehr gut drauf." Und das lag nicht am Unterhaltungsprogramm, wie er versichert. "In dem Moment ist man stolz und glücklich, dass man einem anderen Menschen helfen kann. Das ging meinen Bettnachbarn genauso."

Denn neben ihm lagen drei weitere Stammzellenspender. Gemeinsam hatte sich das Quartett den Film "Der Marsianer" ausgesucht, damit die Zeit schneller vergeht. Anschließend gab es eine kleine Stärkung, dann mussten die vier Spender zwei Stunden in ihren Hotelzimmern auf die Nachricht warten, ob die Anzahl der bei ihnen entnommenen Stammzellen ausreichend ist. "Falls nicht, muss man am nächsten Tag noch einmal hin."

Doch das war bei Maloku nicht nötig. "Nach der Entnahme war ich ein bisschen schlapp, wie nach einer dreiviertel Stunde Laufen. Aber am Abend habe ich mit meinem Freund noch eine Stadtrundfahrt in Dresden gemacht." Und am nächsten Tag dann eine Stadtführung. "Wenn man schon mal dort ist", schmunzelt der 38-Jährige.

"Es tut nicht weh"


Bisher weiß er nicht genau, wer der Empfänger seiner Stammzellen ist. Das wird er nach den Regeln der DKMS auch erst in zwei Jahren erfahren. Doch über Alter, Geschlecht und Herkunftsland seines genetischen Zwillings wird er schon in einigen Wochen informiert. "Nach so einer Spende ändert sich das Bewusstsein", sagt er. "Man hat die Genugtuung, etwas Sinnvolles getan zu haben. Das ist ein gutes Gefühl." "Jeder kann von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen gestellt werden", sagt Maloku. Deshalb möchte er andere dazu animieren, sich auch typisieren zu lassen. "Das tut nicht weh. Heute geht das in der Regel über eine Speichelprobe." Die DKMS kommt für alle Unkosten auf. Doch bei Faruk Maloku hat der Arbeitgeber die Kosten für den Lohnausfall gespendet. Der 38-Jährige selbst hat fast 400 Euro für seine Fahrten, Parkgebühren und Verpflegung übernommen, damit die DKMS ihre Spendenkasse nicht zu sehr plündern muss.

In den nächsten 24 Monaten darf der Weidener weder Blut- noch Stammzellen spenden. Mit einer Ausnahme: "Zwei Jahre lang bin ich jetzt nur für diesen einen Patienten ,geparkt'. Falls er noch einmal eine Transfusion benötigt, muss ich wieder ran."

65 Spender aus der Region, 13 aus WeidenAllein aus der Max-Reger-Stadt hat die Cellex GmbH bereits 13 Stammzellenspender in ihrem Register: 9 waren zur Stammzellenspende in Dresden, 4 weitere in der Kölner Niederlassung des Unternehmens, das auf die Entnahme von Blutstammzellspenden spezialisiert ist. Überhaupt sind die Bürger aus der mittleren und nördlichen Oberpfalz in der Cellex-Liste recht häufig vertreten. Dabei gibt es durchaus noch mehr Unternehmen, die auf diesem Gebiet tätig sind.

Die Cellex GmbH verzeichnet folgende Spenderzahlen (Orte in alphabetischer Reihenfolge): Amberg 4, Ammerthal 1, Bechtsrieth 2, Erbendorf 1, Etzelwang 1, Etzenricht 2, Floß 1, Freudenberg 2, Gebenbach 1, Grafenwöhr 1, Hahnbach 3, Hirschau 1, Irchenrieth 1, Kaltenbrunn 1, Königstein 1, Kümmersbruck 1, Luhe-Wildenau 1, Nabburg 1, Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg 1, Niedermurach 1, Oberviechtach 1, Pfreimd 1, Pirk 1, Pressath 1, Schnaittenbach 1, Schwandorf 1, Schwarzenbach 1, Sulzbach-Rosenberg 4, Tännesberg 2, Teunz 1, Ursensollen 1, Vilseck 1, Vohenstrauß 1, Waidhaus 1, Waldthurn 1, Weiden 13, Weiherhammer 1, Wernberg-Köblitz 1, Windischeschenbach 1 und Winklarn 1. (ps)
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