Fast 600 "Boys" and "Girls" schnuppern in Betriebe
Willkommen in der Arbeitswelt

Die beste Werbung bei der Polizeiinspektion Weiden ist Polizistin Nicole Prießnitz vom Einsatzzug, gleichzeitig stellvertretene Einstellungsberaterin. Die zweifache Mutter hat die Berufswahl nie bereut. "Und mit der Familie ließ sich das auch immer gut arrangieren." Bilder: Götz (5)

Die einen wollen endlich einen Mann. Die anderen hoffen auf Frauen. Keine Bange. Nichts Anstößiges. Es geht um Berufe - und beim "Girls- und Boys-Day" vor allem darum, die jeweils eine Fraktion in die andere Branche zu bekommen.

Darum sind sie hier, bei der Polizeiinspektion Weiden : Laura (16) aus Waldsassen und Miriam (15) aus Bärnau. Einer gefällt die Reiterstaffel, die andere findet die Kripo spannend. Ohnehin Polizei: "Das interessiert uns schon immer." Wen wundert's? Lauras Onkel ist bei der Polizei, bei Miriam Heldwein gleich beide Eltern. Die sportlichen Mädchen haben gute Karten: Bis 2020 stellt die Bayerische Polizei laut Einstellungsberater Ulrich Glaser im Jahr mindestens 1000 Neue ein.

Gleiche Zeit, anderer Ort: An der Anmeldung der topmodernen Gemeindschaftspraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Vohenstraußer Straße sitzt der 13-jährige Marvin aus Pfreimd. Allein unter 18 Frauen. "Wir haben bis dato keinen medizinischen Fachangestellten", sagt Praxismanagerin Michaela Böckl. An zwei Anmeldungen werden täglich über 100 Patienten für fünf Ärzte eingecheckt. Und der Patient ist anspruchsvoll geworden. Zwei Stunden Warten - "sowas geht nicht mehr". Dazu kommt ein breites Spektrum an Therapien: Akupunktur bis Stoßwelle. "Das kann man mit der Arzthelferin von früher nicht mehr vergleichen."

Im Lackierbetrieb Schmid im Haidmühlweg in Altenstadt/WN schwingt Kristin (20) die Spritzpistole und sprüht ein Autoteil weiß. Sie ist das erste "Girl" im Betrieb und schon im zweiten Lehrjahr. Drei potenzielle Nachfolgerinnen dürfen heute Farbmuster lackieren. "Wir haben öfter Frauen. Das funktioniert gut", sagt Inhaber Josef Häusler: "Sie haben das richtige Gefühl und die nötige künstlerische Ader für diesen Beruf." Klassischer Einstieg: ein Praktikum.

Oder eben der "Girls Day": Das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Weiden hat im September eine Katastertechnikerin eingestellt, die nach dem Aktionstag diesen Berufswunsch fasste. Leiter Joachim Gesierich hat die Plätze heuer aufgestockt. So sind es zwölf Schülerinnen, die die fantastische Aussicht vom Baugebiet Schirmitzer Weg auf den Parkstein genießen. Sie sind im Außendiensteinsatz und dürfen Messmethoden selbst ausprobieren.

Abdullah Ahmed (16) sitzt im Kindergarten Arche Noah in Altenstadt auf einem Mini-Stühlchen am Spieltisch: "Diesen Beruf kann ich mir gut vorstellen. Ich mag Kinder." Sie ihn auch. Der junge Syrer aus Grafenwöhr ist ruckzuck belagert. Auch von zwei arabischen Buben, die sich sichtlich freuen, dass dieser Erzieher ihre Muttersprache spricht.

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