Fast schon eine boomende Region
Neues Allzeithoch bei Beschäftigten

Kurz vor dem Pressegespräch bringt Pressesprecherin Karin Hartung (stehend) ihrem Chef Thomas Würdinger die neuesten Jahresergebnisse für die Arbeitsagentur Weiden. Bild: sbü

Wenn Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger das Jahr 2015 bilanziert, spricht er von vielen Erfolgs- und Rekordzahlen von Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Aus dem ehemaligen strukturschwachen Grenzlandbezirk ist fast schon eine boomende Region geworden. Schatten wirft nur der Hartz IV-Bereich.

Was für ihn der zentrale Punkt der Arbeitsmarktentwicklung im vergangenen Jahr im Agenturbezirk Weiden sei, haben wir Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger im Pressegespräch gefragt. Ohne zu zögern antwortete er: "Das Fachkraftthema ist in der Wirtschaft angekommen." Von Jahr zu Jahr werden dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur immer mehr freie Arbeitsstellen gemeldet.

Und Würdinger belegt dies zusammen mit Pressesprecherin Karin Hartung auch gleich mit Zahlen. "Letztes Jahr waren es rund 5800, vor zwei Jahren noch 1000 weniger." Ähnliches gelte für Ausbildungsstellen. Dort zählte die Agentur 2000 Plätze für 1580 Bewerber, obwohl der Mangel an Azubis längst überall bekannt ist. "Betriebe kämpfen um Nachwuchskräfte, wir spüren das auch an dem ständig wachsenden Interesse der Firmen, sich auf unserer Ausbildungsmesse zu präsentieren."

Geradezu ins Schwärmen kommt Würdinger beim Beschäftigungswachstum (siehe Kasten). "Die 78 700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gesamtbezirk der Arbeitsagentur sind ein neues Allzeithoch."

Jeder wird gebraucht


Weiter rückläufig ist die Arbeitslosigkeit. "Der langjährige Abbautrend setzte sich auch im Jahre 2015 fort", so Würdinger. Auch die Hartz-IV-Arbeitslosigkeit war trotz enormer Verhärtung leicht rückläufig. Und der Blick auf die regionale Entwicklung zeigt, dass die Stadt Weiden trotz des höheren Jahresdurchschnitts gegen Jahresende ins Minus rutschte. Dass dies alles bei weitgehend leer gefegtem Fachkräftemarkt möglich wurde, sei auf "branchenbezogenen Arbeitsmarktanalysen, die richtigen Matchingprozesse mit passgenauer Vermittlung in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und daran anknüpfende Qualifizierungsmaßnahmen" zurückzuführen.

Mit Stolz benennt Würdinger die Eingliederungsquote der Arbeitsagentur Weiden von 71 Prozent nach Abschluss von Qualifizierungsmaßnahmen: "bayernweit der Spitzenwert". Als Eingliederungsbudget standen im vergangenen Jahr im Bereich der Arbeitslosenversicherung 7,6 Millionen Euro Ausgabemittel zur Verfügung. Arbeitgeber stellten auch längst solche Arbeitskräfte ein, die früher nicht untergekommen wären.

Besonders erfreulich sei, dass im vergangenen Dezember die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten um 7,4 Prozent unter dem Vorjahresstand lag. Das Inklusionsprojekt "Hand in Hand" zeige erste Erfolge. Zu den Erfolgsmeldungen des vergangenen Jahres zählt für Würdinger die Einrichtung des Welcome-Centers in der Arbeitsagentur und "dass es nach langer Vorbereitung gemeinsam mit der Stadt Weiden gelungen ist, BA-Fördermittel des so genannten Innovationstopfes mit ESF-Mitteln im Programm Jugend stärken im Quartier zu kombinieren". Ziel dieser in Deutschland einmaligen Maßnahme sei auch der Aufbau einer Jugendberufsagentur in Weiden.

Flüchtlinge ein Thema


Für das Jahr 2016 gelte: Die Flüchtlingsthematik wird die Agentur beschäftigen ("wir haben im Dezember unser Kontingent bei den Sprachlehrgängen mit 330 Teilnehmer übererfüllt"). Außerdem weiterhin die verhärtete Langzeitarbeitslosigkeit im Hartz-IV- Bereich. Die Projekte "ESF-Bund" und "Soziale Teilhabe" werden dabei wertvolle Hilfen sein.
Betriebe kämpfen um Nachwuchskräfte, wir spüren das auch an dem ständig wachsenden Interesse der Firmen, sich auf unserer Ausbildungsmesse im April zu präsentieren.Thomas Würdinger, Agentur für Arbeit


Neues Allzeithoch an BeschäftigtenDie 78 700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gesamtbezirk der Arbeitsagentur sind ein neues Allzeithoch. Der bisherige Rekord des Jahres 1992 von 75 600, als Tausende von tschechischen Grenzpendlern hier arbeiteten, ist deutlich übertroffen. Noch vor zehn Jahren wären bei 62 700 Arbeitnehmern 14 000 weniger gezählt worden, so Thomas Würdinger (Agentur für Arbeit).

"Das sind Dimensionen, die man sich damals nicht vorstellen konnte." Woher kommen diese Dimensionen? Die Einwohnerzahlen sind ja nicht gewachsen. Würdinger verweist zunächst auf "mehrere große Gruppen". Rund die Hälfte des Zuwachses entfalle auf eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen. Auch rund 3000 tschechische Grenzpendler würden zwischenzeitlich wieder gezählt, 2500 mehr als vor zehn Jahren.

Und damals gab es im Gesamtbezirk der Arbeitsagentur circa 9000 Arbeitslose. "Im Jahresschnitt des letzten Jahres zählten wir nur noch 5400." (sbü)
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