Feinstaubbelastung in der nördlichen und mittleren Oberpfalz gering
Staub fein aufgewirbelt

Die Messstation des Bayerischen Landesamts für Umwelt in der St.-Christophorus-Straße in Sulzbach-Rosenberg. Seit 1974 betreibt das Umweltamt das Lufthygienische Landesüberwachungssystem Bayern (LÜB) mit derzeit über 50 Messstationen. Bild: Gebhardt

Ausnahmezustand in Stuttgart: Erstmals löst eine Stadt Feinstaubalarm aus. Am Wochenende endete er - wetterbedingt. Das Verhalten der Bevölkerung hat sich nicht geändert. Wie gefährlich sind die kleinen Partikel und wie kann die Luftverschmutzung in der Oberpfalz reduziert werden?

Weiden/Amberg. Feinstaub wird laut Homepage des Landesamts für Umwelt in der Nordoberpfalz an vier Stationen gemessen: In Weiden in der Nähe des Adolph-Kolping-Platzes, in Sulzbach-Rosenberg im Industriegebiet und in Schwandorf an der Ortsdurchfahrt Wackersdorfer Straße. Die vierte Messstation steht in Tiefenbach/Altenschneeberg, östlich des Naturparks Oberpfälzer Wald. Hier prüft das Lufthygienische Landesüberwachungssystem (LÜB) laut einer Sprecherin des Landesamts für Umwelt die großräumige Hintergrundbelastung der Oberpfalz.

Im Jahr 2015 maß das Landesüberwachungssystem in Tiefenbach einen Jahresmittelwert von 12 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³). Zum Vergleich: Der Feinstaubanteil im Industriegebiet in Sulzbach-Rosenberg ist mit 18 µg/m³ noch einmal um die Hälfte höher. Seit Beginn der Messungen im Jahr 2003 hat sich die durchschnittliche Feinstaubbelastung dort zwar allmählich verringert, dennoch erfassen die Messstationen besonders zwischen Februar und April noch Tageswerte über dem erlaubten Grenzwert von 50 µg/m³.

Viel mehr Staub wurde diese Woche in Stuttgart aufgewirbelt. Fast dreimal höher als der Grenzwert, war am Dienstag die Luft in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mit Feinstaub belastet. Insgesamt 141 µg/m³ der schädlichen Stoffe maß die Landesanstalt für Umwelt "Am Neckartor". Am Mittwoch wurden rund 120 µg/m³ gemessen.

Kein Vergleich zu Stuttgart

Die Messstelle "Am Neckartor" erreichte laut Homepage der Stadt im Jahr 2014 einen Jahresdurchschnittswert von 37 µg/m³ und überschritt den gesetzlichen Grenzwert 64 mal. 35 solcher Überschreitungen pro Jahr sind überhaupt nur zulässig.

Die Messergebnisse in der Oberpfalz sind vom deutschen Spitzenreiter weit entfernt: Die Feinstaubbelastung ist in Stuttgart im Durchschnitt fast doppelt so hoch wie der höchste Messwert in der Oberpfalz im Industriegebiet in Sulzbach-Rosenberg. Dort wird der Grenzwert auch nur etwa zehn Mal im Jahr knapp überschritten.

Entstehung von Feinstaub

Die Feinstaubbelastung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Grundsätzlich sei die Belastung in den Wintermonaten am höchsten, sagt die Leiterin der Abteilung Luft im Umweltbundesamt, Marion Wichmann-Fiebig. "Das liegt am Heizverhalten, insbesondere durch die Holzöfen." Deren Emissionen seien mittlerweile fast so hoch wie im Straßenverkehr. Laut Umweltbundesamt helfe der Ersatz fossiler Brennstoffe durch Holz zwar, Kohlendioxid zu sparen, doch nur moderne Technik wie zum Beispiel ein Holzpelletofen reduziere auch den Staubausstoß.

Als zweiten Grund für die hohe Belastung im Winter nennt Wichmann-Fiebig das Wetter: "Die Inversionswetterlage ist eine typische Winterwetterlage." Durch Windstille könne sich Feinstaub in der Luft anreichern. Im Sommer werde dies durch die Aufheizung des Bodens und daraus resultierende Konvektion abgeschwächt, so die Expertin. Im Winter fehle dieser Effekt aber. "Da bleibt der Deckel drauf."

Keine Belege sieht die Leiterin der Abteilung Luft im Umweltbundesamt für eine positive Wirkung der Pflanzenwelt auf die Feinstaubbelastung: "Die Vegetation nimmt keinen Feinstaub auf. Mir ist keine Studie bekannt, die einen nennenswerten Effekt festgestellt hat."

Das Problem Feinstaub geht an der Oberpfalz nicht völlig vorbei: Ab 2020 gilt ein neuer Grenzwert. Damit setzt Deutschland eine Richtlinie der EU um. Treibende Kraft dahinter war die Weltgesundheitsorganisation. Durch einen Vergleich verschiedener Studien ermittelte sie: Bei einer Erhöhung des "kleinen" Feinstaubs PM2,5 um 10 µg/m³ reduziere sich die Lebenserwartung um acht Monate.

Auch der zweite, größere Feinstaub (PM10) ist schädlich, doch Partikel des Typs PM2,5 können in besonderem Maße Schwermetalle oder krebserregende Stoffe an sich binden und bis in die Lungenbläschen gelangen. "Je kleiner, desto gefährlicher sind die Stoffe, weil sie tiefer in die Lunge eindringen", sagt Wichmann-Fiebig. Als "wenig anspruchsvoll" bezeichnet die Expertin den derzeitigen PM2,5-Grenzwert, der auch in der Oberpfalz leicht eingehalten werden kann.

Nicht grenzwertig


2015 erfasste die Messstation in Tiefenbach einen Jahresmittelwert von 9 µg/m³. Der Grenzwert liegt derzeit noch bei 25 µg/m³. Die Verkehrsknotenpunkte in Weiden und Schwandorf waren zwar um fast die Hälfte stärker belastet, doch unterschreiten auch sie den Grenzwert deutlich.

Bis 2020 gibt es noch etwas zu tun: Dann gebe es laut Auskunft von Wichmann-Fiebig, eine "prozentuale Minderungsverpflichtung". In fast allen Regionen müssen laut Umweltbundesamt dann die Feinstaubwerte des Feinstaub-Typs PM2,5 um mindestens zehn Prozent niedriger liegen als im Vergleichsjahr 2010.

Das gilt auch für die Oberpfalz. Davon ausgenommen sind nur sehr saubere Gebiete wie etwa die Region um Tiefenbach. "Da müssen wir mal sehen, ob wir das einhalten können", sagt Wichmann-Fiebig.
Je kleiner, desto gefährlicher sind die Stoffe, weil sie tiefer in die Lunge eindringen.Marion Wichmann-Fiebig, Leiterin der Abteilung Luft im Umweltbundesamt


Wie lässt sich Feinstaub reduzieren?Ursprünglich kommt der Begriff aus den USA. Die amerikanische Umweltschutzbehörde definierte "Feinstaub" erstmals im Jahr 1987. Das Umweltbundesamt unterscheidet heute zwei Sorten von Feinstaub: PM2,5 und PM10. PM steht dabei für den englischen Begriff "P articulate M atter" (auf Deutsch etwa: Masse, in der sich kleine Teilchen befinden), die Zahl steht für die Korngröße in Mikrometer.

Laut Umweltbundesamt enthält Staub des Typs PM10 mindestens zur Hälfte Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm oder 0,01 mm. PM2,5 wiederum enthält mindestens zur Hälfte Teilchen mit einem Durchmesser von 2,5 µm.

Das Umweltbundesamt schlägt verschiedene Möglichkeiten zur Reduzierung von Feinstaub vor: Öfter mit dem Fahrrad fahren, oder zu Fuß gehen. Besonders die Fahrer von Dieselautos können damit viel Feinstaub einsparen. Auch eine Modernisierung der Heizung hilft. Darüber hinaus schlägt das Umweltbundesamt vor, mehr regionale Produkte zu kaufen, um den CO2-Ausstoß beim Transport zu verringern.

Auch Städte und Gemeinden können etwas tun: Wege müssten fußgänger- und fahrradfreundlicher werden. Im Allgemeinen sollten Fahrtwege verkürzt und Baulücken besser genutzt werden, anstatt Wohnungs- und Gewerbeflächen am Stadtrand auszuweisen. Letztlich seien auch Geschwindigkeitsbegrenzungen und der Bau von Umgehungsstraßen eine Möglichkeit zur Reduzierung des Feinstaubs in den Innenstädten. (dko)
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