Fichtestraße: Nahversorger schließt Ende Oktober
Rehbühl neue Heimat für Tafel

Nun steht es fest: Der Edeka-Markt an der Fichtestraße schließt Ende Oktober. Dann beginnen die Umbauten für die Tafel. Voraussichtlich ab Februar werden die aktuell 1200 Tafel-Abholer hierher kommen. Bild: Gerhard Götz

Leimberger- oder Fichtestraße? Die Standortfrage für die Tafel ist seit Donnerstagmittag entschieden.

Der neunköpfige Tafel-Vorstand um Josef Gebhardt stimmte "nach einer erneuten Besichtigung und der sorgfältigen Abwägung aller Kriterien" einhellig dafür, zum 1. November die Räume an der Fichtestraße anzumieten. Damit steht auch fest: Der dort noch beheimatete Nahversorger Edeka von Matthias Luger schließt Ende Oktober.

Allerdings unabhängig davon, ob die Tafel dort einzieht oder nicht, betont Gebhardt: "Es ist eine Illusion, dass der Nahversorger bleibt oder ein anderer kommt, wenn die Tafel nicht einzieht." Zu klein seien schlicht die Räume als lukrativer Standort für einen Lebensmittelmarkt, der sich erst ab 1400 Quadratmetern Ladenfläche und einer Grundstücksgröße von 4000 Quadratmetern rechne. Das will Gebhardt aus diversen Gesprächen mit dem aktuellen Betreiber wissen. "Politisch sehe ich mich aber in Sachen Lebensmittelnahversorgung in der Verantwortung", sagt Gebhardt, der SPD-Stadtrat, und verweist auf den "noch relativ nah gelegenen Rewe-Markt".

Doch was für den Nahversorger zu klein sein mag, ist für die Tafel gerade recht: 838 Quadratmeter umfasst die Ladenfläche plus Lager und ist damit fast doppelt so groß wie die aktuelle Tafelherberge am Stockerhutweg (442 qm). Obendrein kostet sie 200 Euro im Monat weniger an Miete als das Alternativobjekt der ehemaligen Zoohandlung an der Leimbergerstraße. Bis die Tafel aber voraussichtlich im Februar 2017 in den neuen Räumen eröffnet, gibt es noch viel zu tun.

Gerade erstellt ein Architekt einen genauen Plan von dem Objekt, auf dessen Basis ein Raumkonzept entstehen soll. Das beinhaltet dann etwa eine verbesserte Wartesituation im Innenraum für die aktuell etwa 1200 Abholer. "Die Warteschlange auf der Straße soll der Vergangenheit angehören", sagt Gebhardt. Mehr Luft brauche es auch bei der Ausgabesituation. Am Stockerhutweg kommen die Abholer derzeit nur schwer wieder raus aus dem engen Laden. Zudem müssen Kühl-, Sortier- und Lagerräume geplant werden. Die Wärmestube für Obdachlose, deren Ansiedlung Anwohner vor allem fürchten, wird in diesem Winter wohl nicht mehr an der Fichtestraße eröffnet. "Denn unser Mietvertrag am Stockerhutweg läuft bis 30. April."

Apropos Anwohner: Weitere Proteste haben Gebhardt seit der Berichterstattung über die Herbergssuche der Tafel im Neuen Tag nicht mehr erreicht. Dafür habe der 71-Jährige auf dem Tierfriedhof eine Frau aus einem Haus gegenüber der neuen Fläche an der Fichtestraße getroffen. "Sie hat mir gesagt, sie hat nichts gegen den Einzug der Tafel", freut sich Gebhardt.

Und wie steht's um die Unterstützung seitens der Politik, die sich der Tafel-Vorsitzende gewünscht hat? "Naja", meint Gebhardt. Es sei ein großes Zeichen der Stadträte gewesen, als sie sich im Ferienausschuss trotz der angespannten Finanzlage der Stadt einstimmig dafür ausgesprochen haben, bis 3500 Euro Monatsmiete für die Tafel auszugeben. Aber ansonsten gelte leider allzu oft: "Die Politik steht so lange zur Tafel, so lange nicht zu viele Beschwerden von Wählern kommen."

Es ist eine Illusion, dass der Nahversorger an der Fichtestraße bleibt oder ein anderer kommt, wenn die Tafel dort nicht einzieht.Tafel-Chef Josef Gebhardt


HintergrundDie Tafel zieht um. Und wie viele ziehen eigentlich mit? 1200 Abholer kommen zur Lebensmittelausgabe. Dahinter stehen 1900 Erwachsene und 900 Kinder. Zwei Drittel der Abholer kommen aus Weiden, der Rest aus dem Landkreis Neustadt. Aktuell gibt es drei Ausgabetage bei der Tafel am Stockerhutweg.
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