Filmleser Thomas Binotto zu Gast am Augustinus-Gymnasium
"Panem ist überall"

Ob Castingshow oder Blockbuster: Zuschauer werden von Regisseuren und Kameraleuten leicht hinters Licht geführt. Das machte Filmleser Thomas Binotto den Schülern des Augustinus-Gymnasiums klar. Dabei sei es alles andere als einfach, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Bild: Schönberger

"Das Kino ist eine Maschine, die Illusionen so gestaltet, dass wir sie für Wirklichkeit halten", erzählt Thomas Binotto bei seinem Besuch. Der Schweizer Filmleser zeigt den Jugendlichen am Augustinus-Gymnasium auf, worauf es bei einer Filmanalyse ankommt. "Uns wird bewusst, es gibt immer einen Dirigenten."

Realität und Fiktion


Anhand der vierteiligen Blockbuster-Reihe "Die Tribute von Panem" (USA, 2012 bis 2015) oder dem Hollywoodklassiker "Die Truman Show" (USA, 1998) erklärt er beispielhaft wie Zuschauer von Regisseuren und Kameramännern immer wieder aufs Neue hinters Licht geführt werden. Die Schüler lauschen gebannt seinen Worten. Auf einer Leinwand präsentiert Binotto verschiedene Szenen und erläutert wie wichtig unter anderem historische Hintergrundinformationen sind, um Manipulationen der Kinobranche auf den Grund zu gehen. "Ganz viele Dinge wissen wir nicht."

Die Trilogie "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" geschrieben von Suzanne Collins, erschien zwischen 2008 und 2010. Alle drei Teile standen ganz oben auf den Bestseller-Listen. Bei Jugendlichen sind Bücher und Filme gleichermaßen beliebt. Beide Varianten zeigen die Macht der Medien auf die Menschheit.

Sprache und Propaganda


Anhand der Geschichte ließe sich die Vermischung von Realität und Fiktion gut untersuchen, so Binotto. Unter anderem geht er auf die im Film verwendete Ästhetik und den Wortlaut von Propaganda-Szenen ein. Diese erinnere an die Sprache des nationalsozialistischen Films "Olympia-Fest der Völker" von Leni Riefenstahl (1938). Die Filmemacher setzten bewusst solche Stilelemente ein, um die Dramatik zu unterstreichen. Im neuen "LernPlanPlus" wird die Filmanalyse künftig eine wichtige Rolle spielen. Mit der Präsentation von Thomas Binotto wird klar, dass Gesehenes immer kritisch hinterfragt werden sollte. "Man kann schon Bilder manipulieren, indem man bloß einen speziellen Ausschnitt wählt."

Ein Leben für die Kinowelt


Der Referent wurde 1966 geboren und arbeitet als Journalist und Buchautor. Unter anderem schrieb er als Filmkritiker für "die Neue Züricher Zeitung", "das filmbulletin" und den "filmdienst". Inzwischen hielt der 50-Jährige schon über 300 Filmlesungen. Auch in Regensburg war er schon in einigen Gymnasien unterwegs. Dort entstand die Idee für einen Besuch in Weiden. "Noch wichtiger als Wörter sind Bilder. Es ist etwas anderes Filme zu lesen, als Filme nur zu sehen", betont der Schweizer.
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