Filmproduzent Will Fraser dreht in Weiden Musikszenen für neuen Mehrteiler
"Kamera ab" für Reger-Doku

Und Action! Will Fraser schlägt die Klappe für das Aris-Quartett: (von links) Anna Wildermuth, Noemi Zipperling, Caspar Vinzens und Lukas Sieber. Organisatorin des Drehs vor Ort ist Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz. Bild: Götz

Will Fraser und seine Londoner Filmcrew sitzen am liebsten vor dem Ratskeller. Mittendrin in der Stadt, in der Max Reger mit 15 Jahren seine erste Ouvertüre komponierte. Auf dem Teller: Zanderfilet mit "Pfifförlingön". Ein paar Kilo mehr können dem schmalen Briten ohnehin nicht schaden.

Daheim auf der Insel warten zehn Wochen alte Zwillinge auf den Filmemacher. Die Trennung für die Dreharbeiten fällt ihm schwer. Aber sie wird getragen von einer zweiten großen Leidenschaft: Max Reger. Der Engländer hat sich dieser Tage in der Stadt Weiden einquartiert, um Musikszenen für einen Dokumentarfilm zu drehen.

Wo Will Fraser ist, schließen sich hinter ihm die Türen. Am Dienstag hängt am Alten Rathaus das Schild: "Für Filmaufnahmen gesperrt." Wer zu "Pro Weiden" will, muss vorher anrufen. Der Stadtpolizist ist auf Außendienst gegangen. Und das Standesamt hat diese Woche ohnehin keine Trauungen, weil Bürgerfest.

"The Last Giant"


Drinnen ist "Hollywood". Auf dem Parkett des alten Sitzungssaals winden sich Kabel wie schwarze Schlangen. Drei Kameras sind auf das Aris-Quartett gerichtet. Über den Musikern leuchten Scheinwerfer und wie ein silberner Mond eine großer, runder Falt-Reflektor. Darunter sitzen und schwitzen die vier Weltklasse-Streicher. Einige der wenigen, die Reger beherrschen. Denn: Reger, das ist Königsklasse. Fraser ist selbst Organist und "can badly play a couple of easier pieces", kann nur ein paar leichte Stücke schlecht spielen.

"Max Reger - The Last Giant" hat Will Fraser seine Doku überschrieben. Noch vor Weihnachten will die "Fugue State Films" die DVD-Box auf den Markt bringen, rechtzeitig im Reger-Jahr. Fraser hat einige erfolgreiche Dokumentarfilme über klassische Musik abgedreht. Zuletzt "The Genius of Cavaillé-Coll", ausgezeichnet als best documentary in den BBC Music Magazine Awards.

An Reger ging er heran, wie es die meisten Zuhörer tun: über die Orgelwerke. Aber ehrlich: "Ich glaube nicht, dass die Leute Reger wegen seiner Orgelstücke lieben." Der große Sohn der Stadt Weiden sei viel, viel mehr. Reger hat in jedem Genre komponiert. "Alles, außer Oper." In seinem Film will Fraser mit dieser Bandbreite begeistern. So hat bereits das Brandenburgische Staatsorchester einen Beitrag geleistet.

In der Michaelskirche spielt sich am Dienstag Graham Barber warm, Konzertorganist aus London. Sein Urteil über die Weidener Orgel: "fabulous". Ebenso fabelhaft: seine Spielweise. Schon bei den Proben bleiben Passanten vor der Kirchtür stehen. Barber wird am Mittwoch gefilmt. Am Donnerstag singt im Alten Rathaus noch Sopranistin Frauke May für die Filmcrew. Unter anderem Regers Lied "Die Nixe".

Das Aris-Quartett legt vor. Die vier Streicher jagen in atemberaubendem Tempo die Oktaven rauf und runter. Zupfen die Saiten für leise Akzente, um dann wieder erstaunlich laut zu werden. Der Laie hat phasenweise den Eindruck, jeder hätte die Partitur eines anderen Stücks auf dem Notenständer - bis sich alle zu mächtigen Klangwogen vereinen. Genial. Anstrengend. Dem Cellist rollt eine Schweißperle herab. Der Drehtag endet um 17 Uhr. Die Altstadt ruft. In der Crew sind Fußballfans.

Der "Rohbau" der Doku mit vielen Interviews und Archivbesuchen steht. Es fehlen "nur" noch die Musik-Szenen. Die Filmemacher reisen weiter nach Frankfurt und Ulm, ehe am 1. Juli der Flieger nach London abhebt. Dann wird Will Fraser wieder zweistimmig geweckt: von den Zwillingsbabys. Musik in seinen Ohren.

Crowd-FundingDer Dokumentarfilm "Max Reger - The Last Giant" finanziert sich über Crowd-Funding (Schwarmfinanzierung): Wer will, kann sich jetzt schon für 90 Euro eine DVD-Box sichern (www.fuguestatefilms.co.uk). Natürlich sind auch großzügigere Gönner willkommen. 80 Prozent der Zielsumme von 90 000 Pfund sind aktuell erreicht. Die Dokumentation ist mit je 52-Minuten-Filmen auch fernsehtauglich. Produzent Will Fraser will die Doku dem WDR anbieten. (ca)
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