Förderverein für Schwerkranke bittet um Spenden für Webcams auf Frühchenstation
Wunsch nach Überwachung

Stationsleiterin Michaela Hutzler zeigt, wo über dem Inkubator die Webcam installiert wird. Sie soll Live-Bilder des Neugeborenen von der Intensivstation auf den heimischen Computer übertragen. Bild: Schönberger

"Ich kann mit Freunden in Boston skypen, meinen Partner via Handy orten, nur mein Baby auf der Intensivstation kann ich nicht zu jeder Zeit live erleben", weiß Michaela Hutzler. Das will die Stationsleiterin der Kinderklinik ändern und Webcams über den Neugeborenen anbringen. Aber dazu braucht es Geld und Pflaster.

Sie heißen Tim, Laura oder Konstantin. Und sie verbringen die ersten Wochen ihres Lebens im Brutkasten auf der Intensivstation der Kinderklinik. "Allerdings können wir die besorgten Eltern nicht mitaufnehmen", erklärt Michaela Hutzler, Pflegerische Zentrumsleiterin der Intensivstationen dort. Trotzdem gelte es, Mama und Papa Ängste zu nehmen und sie darin zu unterstützen, eine Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. "Webcams können hier helfen", ist Hutzler überzeugt.

Die 35-Jährige muss es wissen. "Ich habe Babywatch schon im Live-Betrieb miterlebt." Vor sechs Jahren installierte die Klinik Großhadern in München die ersten Kameras über den Inkubatoren der Neugeborenen auf der Intensivstation. "Die Eltern fanden das durchwegs fantastisch und waren dankbar für diese Möglichkeit, ihrem Kind nahe zu sein."

Bilder gegen Sehnsucht


Und so soll's in Weiden funktionieren: Haben die Eltern Sehnsucht, einen Termin vereinbart oder sind beunruhigt, rufen sie auf der Intensivstation an und bitten darum, ihr Kind über den heimischen PC sehen zu dürfen. In der Klinik installiert das diensthabende Pflegepersonal daraufhin eine Webcam über dem Inkubator, in dem das Neugeborene liegt und schaltet den Zugang dazu frei. Die Eltern wählen sich mit einem Passwort ein und sehen ihr Kind. Das gleiche Bild taucht zur Kontrolle auf einem Monitor beim Pflegepersonal auf.

Noch aber gibt es keine Webcams. Denn die kosten. Vier Stück stolze 10 000 Euro. Aber nicht die Kameras sind derart kostspielig, weiß Hutzler. "Teuer sind die Lizenzen und die verschlüsselten Verbindungen. Auch der Laptop fürs Pflegepersonal, auf dem die Software installiert ist, kostet."

Um an das Geld zu kommen, hat der Förderverein für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz in Anlehnung an die "Ice Bucket Challenge" die "Pflaster-Challenge" auf Facebook gestartet. Wer mitmacht, klebt sich ein Pflaster auf, postet das Bild und spendet fünf Euro oder mehr an den Förderverein (Sparkasse Oberpfalz Nord: IBAN DE 78 7535 0000 0000 1058 41; Verwendung: "Pflaster für die Kinderklinik"). Ein Drittel der benötigten 10 000 Euro sind seit September zusammengekommen.

Personal erst skeptisch


"Befeuert und unterstützt wird die Aktion vor allem von den Eltern der aktuellen Patienten", weiß Hutzler. Sie sind durchwegs begeistert. Das überzeuge auch das anfangs skeptische Pflegepersonal. "Ja, die erste Reaktion des Personals war verhalten", räumt Hutzler offen ein. Manch einer hatte Angst vor dem Mehraufwand, sorgte sich um die Sicherheit der Verbindung oder darum, im Dienst von den Kameras überwacht zu werden. "Die Verbindungen aber sind sicher, und die Kameras zeigen nur das Baby", versichert Hutzler.

Wann die Babys über Webcams ins Wohnzimmer der Eltern flimmern, ist aber noch unklar. Vier Monate dauere wohl die Beschaffung und Installation, sobald die finanziellen Mittel da sind und die Freigabe erfolgt ist. Hutzler hofft auf eine Realisierung des Projekts im Sommer.
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