Forstliches Gutachten:
Zustand des Walds „gemischt“

Bis auf Teile des Landkreises Amberg-Sulzbach ist es um die Verbissbelastung in den Hegegemeinschaften der nördlichen Oberpfalz gut bestellt. Eine Ausnahme-Rolle spielt hier der Truppenübungsplatz Hohenfels (rot markiert). Der intensive Übungsbetrieb begrenzt die Jagd auf Rotwild. Am Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist die Situation hingegen "tragbar". Meist "zu hoch" ist der Verbiss in den Landkreisen Cham, Neumarkt und Regensburg-Land.
 
Mit roten Klammern markieren die Förster bei der Aufnahme des Verbissgutachtens die Bäume. Hier ist bei der Fichte der sogenannte Leittrieb abgefressen. Bild: Gebhardt

Für die Hüter des Forsts gilt das Motto "Wald vor Wild". Die Diskussion darüber bewegt: Wird zu viel geschossen? Gerade das kitschig verklärte Rehlein setzt den Wäldern der Region oftmals so zu, dass es die natürliche Waldverjüngung gefährdet. Das alle drei Jahre mit enormem Aufwand erstellte Verbiss-Gutachten fällt in der Oberpfalz gemischt aus.

Weiden/Amberg. In den Landkreisen Tirschenreuth, Schwandorf und Neustadt ist die forstliche Welt noch weitgehend "tragbar" und das Verhältnis Wildbestand zum Wald vereinzelt sogar "günstig"; dagegen bekommen zahlreiche Hegegemeinschaften im Landkreis Amberg-Sulzbach 2015 eine schlechte Bewertung. So wird die Verbissbelastung in den Hegegemeinschaften von Amberg-West, Rieden-Hirschwald, Wolfsfeld, Auerbach, Ensdorf, Kötzersricht und Vilseck als "zu hoch" eingestuft und eine Erhöhung der (jährlichen) Abschussquoten empfohlen.

Der Trend im Landkreis Amberg-Sulzbach hat sich verschlechtert", betont Richard Schecklmann, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Amberg. "Die Jäger müssen sich noch mehr anstrengen." Auch die Tatsache, dass die Wildunfälle im Landkreis Amberg-Sulzbach in den vergangenen zwei Jahren "deutlich gestiegen" seien, decke sich mit den Ergebnissen des Gutachtens. "Der Wildbestand hat wieder zugenommen", meint Schecklmann. Es seien hauptsächlich Rehe, welche die sogenannten "Leittriebe", die oberste Spitze von jungen Bäumen, anknabbern.

Wir können mit dem Ergebnis der Untersuchung nicht zufrieden sein.Richard Schecklmann, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Amberg.

"Sondersituation"


Die Tiere naschen mit Vorliebe an Eiche und Tanne sowie an Bergahorn und Esche. Folge: Diese Bäume können sich ohne Umzäunung nicht ausreichend verjüngen. Mit Blick auf Borkenkäfer, Sturmschäden und Klimawandel wird ein "stabiler Mischwald" in den Augen der Forstleute immer wichtiger.

Völlig aus diesem Rahmen fällt offensichtlich der Truppenübungsplatz Hohenfels. Als einziges Jagd-Areal in der mittleren und nördlichen Oberpfalz bekommt das Trainingsgelände die schlechteste "Note" in der vierstufigen Skala: Der Verbiss ist "deutlich zu hoch". "Da brennt's", meint Schecklmann. Sein Kollege Harald Gebhardt, Bereichsleiter Forsten und Chef des AELF Neumarkt, spricht von einer "Sondersituation" in Hohenfels: "Die jagdlichen Möglichkeiten sind auf bestimmte Zeitfenster begrenzt." Deshalb sei der Rotwild-Bestand (Hirsche) stark gestiegen. Dieses Problem hat der Truppenübungsplatz Grafenwöhr nicht. Seit 2012 sind hier die Verbissschäden "tragbar".

Andere Jagdmethoden


Der "Umbau" der heimischen Wälder mit einem Nadelholz-Anteil von über 90 Prozent darf jedenfalls nicht durch Verbiss gefährdet werden. Gerhard Hösl, Bereichsleiter Forsten am AELF Weiden, macht den Tierfreunden Hoffnung: "Laubhölzer wirken für Rehe wie ein Magnet. Künftige Mischwälder vertragen eine höhere Zahl von Rehen als jetzt in monotonen Nadelhölzern." Die Jäger drücken derzeit andere Sorgen als der Verbiss. "Die Schwarzwild-Problematik überlagert alles", erkennt Direktor Hösl. Ohne andere Jagdmethoden sei die Wildschwein-Plage nicht in den Griff zu bekommen. Hösl plädiert für "Sau-Fänge": "Die ganze Rotte einfangen und dann gezielt erlegen."

Keine einfache Erklärung


"Die Formel "zu viele Rehe bedeuten zu viel Wildverbiss" ist zu einfach. Man muss die Ursachen in jedem Revier ergründen", erklärt Dr. Günther Baumer, Vizepräsident des bayerischen Jagdverbands und Oberpfälzer Bezirksvorsitzender. Der Wildverbiss sei nicht nur abhängig von der Zahl der Rehe, sondern von den Verhältnissen im Revier, "ob beispielsweise das Rehwild ungestört an seine Äsungsflächen heran kann". Wichtig seien gemeinsame Begehungen aller Beteiligten im Revier.

Forstliches GutachtenAlle drei Jahre untersuchen die Revierleiter in den Hegegemeinschaften der Region den Zustand des Forsts. Diese "Inventur" erfasst alle Baumarten, ihre Höhe sowie Verbiss- und Fege-Schäden. Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising wertet die Daten aus, nach denen die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Gutachten erarbeiten. (cf)
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