Frau im Schlaf "übermannt"?
Neustädter steht unter Verdacht, schlafende Freundin sexuell missbraucht zu haben


Wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person steht seit Dienstag ein 27-Jähriger vor der Ersten Großen Strafkammer. Der Gruppenleiter der Staatsanwaltschaft, Hans-Jürgen Schnappauf, wirft dem Neustädter vor, seine damalige Freundin sexuell missbraucht zu haben, während diese fest schlief.

Ziemlich genau vor einem Jahr war die damals 20-Jährige spät abends zu ihrem Freund in die Wohnung im Weidener Süden gekommen. Beide hatten sich zwei Monate vorher kennengelernt und waren auch schon öfters intim gewesen. Die junge Frau nahm in seinem Bett Platz, trank einen Energydrink, rauchte und sah fern. Als der Ledige zudringlich werden wollte, will die Arbeiterin ihm klipp und klar gesagt haben, dass sie heute keinen Geschlechtsverkehr haben wolle. Wenig später sei sie eingeschlafen.

Verräterische Nachrichten


Als sie wieder aufgewacht sei, so berichtete die Arbeitslose im Zeugenstand, habe sie "unten rum" keine Kleidung mehr angehabt. Sie habe ein drückendes Gefühl im Unterleib verspürt und auf der Toilette schleimigen Ausfluss bemerkt. Der Angeklagte stritt nicht ab, dass es Geschlechtsverkehr gegeben hatte. Nur sei dieser einvernehmlich erfolgt, bevor seine Freundin eingeschlafen sei. Vorher habe es kleinere Beziehungsstreitigkeiten gegeben. Anschließenden "WhatsApp"-Verkehr erklärte der gelernte Holzfachwerker mit "Spaß" und "Unbedachtheit". Die hin und her gesendeten Nachrichten waren für die Richter jedoch von großer Bedeutung und auch ziemlich eindeutig. "Ja" und "Sorry, sorry, sorry" hatte er auf einen klaren Vorwurf von ihrer Seite zurückgeschrieben. Nach Mitternacht hatte sich die junge Frau von einer Freundin und deren Freund abholen lassen, die ihr zur Anzeige bei der Polizei rieten.

Landgerichtspräsident Walter Leupold hatte gleich zu Beginn der Verhandlung dem Angeklagten geraten, ein Geständnis abzulegen - wenn es denn so gewesen sei. Obwohl Leupold dem einschlägig Vorbestraften und dafür noch unter Bewährung Stehenden - vor fünf Jahren hatte er mit einer 13-Jährigen sexuell verkehrt - die Vorteile des Geständnisses aufzeigte, ging der 27-Jährige nicht darauf ein.

Fortsetzung am Montag


So musste Verteidiger Rouven Colbatz die Zeugen, auch das mutmaßliche Opfer, teilweise hartnäckig befragen. Die Befragungen ergaben, dass die 21-Jährige "wie ein Stein" schläft, wenn sie schläft. Auch, dass sie vorhatte, mit dem Angeklagten Schluss zu machen, kam zur Sprache. Die Verhandlung wird am Montag um 9 Uhr fortgesetzt.
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