Frau nach Unfall wiederbelebt
22-Jähriger ist Held der Straße

Der Weidener Valentin Schlosser ist 22 Jahre alt, Leutnant bei der Bundeswehr und wegen der Reanimation einer Verunglückten seit diesem Monat auch "Held der Straße".
Vermischtes
Weiden in der Oberpfalz
03.03.2016
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Mama Angelika Schlosser überkam ein Schock, als sie vor gut zwei Wochen von dem Autounfall gehört hat. Mittlerweile ist sie - wie der Rest der Familie auch - mächtig stolz auf ihren Sohn Valentin. Seit letztem Freitag trägt der Weidener den Titel "Held der Straße".

"Ich war so voller Adrenalin. Ich weiß gar nicht mehr genau, was in dem Auto alles passiert ist." Das Auto, von dem der Weidener Valentin Schlosser spricht, lag jedenfalls am Mittwochmittag, 17. Februar, nach einem Überschlag im Graben auf der Landstraße vor dem Ortseingang Teublitz. "Ein Mann in Warnweste stoppte meinen Wagen und rief, da ist noch jemand drin."

Wegen seiner Reaktion auf diesen Unfall darf sich Valentin Schlosser heute "Held der Straße" nennen. Mit diesem Titel zeichneten ihn der Automobilclub von Deutschland (AvD) und Goodyear aus, die jedes Monat - unterstützt von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt - deutschlandweit auf der Suche nach selbstlosen Helfern sind. Im März entschieden sie sich für den Soldaten aus Weiden, der in Roth stationiert ist. Der Grund: "Er zögerte keine Sekunde und eilte der Verunglückten zur Hilfe", sagt die Goodyear-Sprecherin.

Zielstrebig steuerte Valentin Schlosser an dem Mann in Warnweste vorbei auf das Auto im Graben zu. Und tatsächlich: Im Inneren des demolierten Opels hing eine Frau. Kopfüber. Angegurtet. Sie hatte ihr Bewusstsein verloren. "Überall war Schlamm, Wasser und Dreck. Auch im Auto", erinnert sich der 22-Jährige. Dann kroch der Zeitsoldat, der auf dem Nachhauseweg nach Weiden war, durch die hinter der Fahrerin aufgebogene Karosserie auf die Rückbank des Opels. "Die Frau rührte sich nicht und blutete stark am Kopf."

Erste Hilfe mit Messer


Laut Polizeibericht geriet der Unfallwagen in einer Linkskurve aufs Bankett. Daraufhin muss die 53-Jährige aus Bruck ihr Auto wohl übersteuert haben. Es kam nach links von der Straße ab, überschlug sich und blieb nach rund 50 Metern an einem Wasserdurchlass auf dem Dach liegen.

Der einstige Kepler-Abiturient zögerte nicht. Er kletterte auf den Beifahrersitz, stabilisierte den Nacken der Frau. Dann zog der Leutnant (Luftwaffenausbildungsbataillon in Roth) sein Messer und durchschnitt damit den Gurt. "Die Frau plumpste herunter. Ich konnte sie nicht völlig abfangen, ein Bein verkeilte sich im Lenkrad." Schließlich aber schaffte der Soldat es, die Verletzte auf die Rückbank zu ziehen. Dort begann er mit der Herz-Druck-Massage. "Es hat nicht lange gedauert, dann war die Frau wieder bei Bewusstsein."

"Wir machen ein Mal im Jahr bei der Bundeswehr einen Erste-Hilfe-Kurs. Das bringt viel", meint Valentin Schlosser. So habe er gewusst, was zu tun sei. "Diese Kenntnisse aufzufrischen, kann ich nur jedem raten."

Kaum bei Bewusstsein klagte die 53-Jährige über Schmerzen an der Wirbelsäule und im Unterleib, sie rief immer wieder nach ihrer Mutter. "Auf die Blutung am Kopf habe ich meine Hand gepresst." Später versorgte er die Wunde mit seiner Jacke. Mit weiteren Ersthelfern gelang es, die Frau über das hintere Seitenfenster aus dem Auto zu ziehen. "Bis der Notarzt kam, redete ich ihr gut zu. Mehr habe ich gar nicht gemacht", sagt der 22-Jährige bescheiden.

Und wie geht es der Frau heute? "Das ist das, was mich am meisten nervt: Ich kriege da keine Auskunft." Zuletzt habe sie der Rettungshubschrauber in die Uniklinik nach Regensburg geflogen. Hier und bei der Polizei fragte der Soldat immer wieder nach. Bislang ergebnislos.

Ehrung von Bundeswehr?


Dafür steht nun ein Pokal neben dem "Held der Straße". Auf dem Tisch liegen zudem Dankschreiben. "Die Polizei und das Rote Kreuz haben sich gemeldet." Sie alle loben das couragierte Handeln des 22-Jährigen, der übrigens Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Demnächst will wohl auch sein Arbeitgeber, die Bundeswehr (auch Vater Johannes ist Soldat), den Leutnant in dieser Sache auszeichnen. Mama Angelika wird's noch stolzer machen. Spätestens dann dürfte sie den ersten Schock völlig vergessen haben.
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