Frauen üben Techniken zur Selbstverteidigung
"Gewalt ist eine Lösung"

Trainer Alan Ribica zeigt den Frauen, wie sie sich bei Gefahr richtig wehren können. Katrin Lischker aus Eschenbach federt den Schlag mit einem Polster ab. Bilder: abu
 
Christina Hösl (links) und Lisa Mulzer üben zusammen für den Ernstfall. Mit den Unterarmen blocken sie die Schläge ab.

Trainer Alan Ribica macht Frauen stark für den Fall, dass Gefahr droht. Bei den Selbstverteidigungskursen in Grafenwöhr und Weiden schlagen, treten und rempeln die Teilnehmerinnen deshalb gezielt, statt mit ihren Gegnerinnen nur auf Kuschelkurs zu gehen.

Grafenwöhr/Weiden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht reibt sich Claudia Wentz ihr Handgelenk. Die Schläge gegen die Unterarme der Gegnerin haben ihr wehgetan. Die Weidenerin ist aus der Puste. Auch die 15 anderen Frauen keuchen. Ihre Backen sind genauso rot wie die Unterarme, mit denen die Teilnehmerinnen die Watschn abblocken sollen. "Wenn ich sage ,relax' heißt das: Schlagen, kreischen, kratzen, beißen einstellen", ruft Ribica dazwischen, der die Übungen in Grafenwöhr dieses Mal für Kollege Nik Landstorfer leitet.

Krav Maga


Bei dem Selbstverteidigungskurs, den der Wiesauer Verein "Get ready to defend (Sei bereit, dich zu verteidigen)" in Kooperation mit dem Medienhaus "Der neue Tag" an jeweils zehn Tagen in Grafenwöhr und Weiden anbietet, lernen die Frauen am eigenen Leib, sich gegen Angriffe zu wehren - mit Krav Maga. Lisa Mulzer schnappt sich ein schwarzes Schlagpolster und presst es gegen ihre Schulter. Ihre Freundin Christina Hösl holt aus - und schlägt mit der flachen Hand zu. Ein dumpfes Patschen hallt durch den Trainingsraum. Immer wieder boxt die Tremmersdorferin gegen das Polster. Dann wechseln die Frauen die Positionen, und Mulzer darf zuschlagen.

"Wir haben uns beide dafür entschieden, weil es am Dorf jetzt schon losgeht mit vielen Einbrüchen, und ich ziehe jetzt allein in eine Wohnung. Da fühle ich mich sicherer, wenn ich mich zu verteidigen weiß", erklärt Mulzer ihre Entscheidung. "Man lernt in dem Kurs auch wirklich, dass man seinen Schweinehund überwindet und auch echt hinschlagen darf." Anstrengend sei es schon, aber auch lustig. "Einfache Griffe kann jeder lernen", sagt Hösl.

Einblick in das Krav-Maga-Training in Grafenwöhr:


In der Abwehrstellung sollten die Hände immer oben bleiben. "Spätestens, wenn ich den ersten Schlag eingefangen habe, nehm ich die Hände aus der Hosentasche", erklärt Ribica. "Ihr könnt an der Handtasche spielen oder an der Jacke zupfen, aber die Hände bleiben immer oben. Und nehmt eure Umwelt wahr. Es ist grob fahrlässig, draußen Kopfhörer im Ohr zu haben, oder blind ins Handy zu tippen." Ein Angriff könne schnell gehen und dann müsse man bereit sein, sich zu wehren.

Drei Punkte seien dabei besonders wichtig: "Gesicht, Hals und zwischen die Beine", sagt Ribica. "Alles andere funktioniert nicht." Die Teilnehmerinnen sollten sich im Ernstfall auch immer überlegen, wofür sie sich wehren. "Wenn ihr euch entscheidet, zu kämpfen, dann geht mit voller Härte ran und arbeitet im Rahmen der Notwehr solange, bis der Angriff abgewehrt ist", betont Ribica. "Gewalt ist eine Lösung, in dem Fall, ja." Aber Flucht sei trotzdem immer die bessere Wahl.

Blaue Flecken


Der Grund, warum Katrin Lischker aus Eschenbach an dem Kurs teilnimmt, ist Neugierde. "Ich bin keine paranoide Person", meint sie. Lischker schlägt mit voller Wucht gegen den erhobenen Unterarm ihrer Übungspartnerin. "Für den Angreifer ist es schmerzhaft. Dem Verteidiger tut es bei weitem weniger weh", stellt sie fest. Dass nach dem Training blaue Flecken die Haut der Frauen übersäen könnten, ist laut Ribica normal. Auch Mulzer und Hösl rechnen für den nächsten Tag mit Muskelkater. "Allein vom Schildhalten. Man spannt da so an", sagt Mulzer. Trotz Schmerzen freuen sich die beiden Tremmersdorferinnen schon auf das nächste Mal.

Für den Angreifer ist es schmerzhaft. Dem Verteidiger tut es bei weitem weniger weh.Katrin Lischker
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