Freistaat investiert Millionen in Weiden
Düker unterm Flutkanal baufällig

Mehr als sieben Monate wird im nächsten Jahr der Neubau des derzeit baufälligen Waldnaabdükers in Anspruch nehmen. Das Wasserwirtschaftsamt will jedoch mit Behelfsbrücken die Verbindungen auf den beidseitigen Fuß- und Radwegen sichern. Auch soll das neue Bauwerk etwas versetzt werden, um während der Bauzeit den alten Düker noch nutzen zu können. Bild: Gerhard Götz

Idylle pur am Flutkanal. Die Pappeln sind zu mächtigen Bäumen herangewachsen. Viel Verkehr auf den beidseitigen Geh- und Radwegen. Und doch herrscht Lebensgefahr. Nämlich dort, wo die Waldnaab lautlos unter dem Flutkanal verschwindet. Dem gewaltigen Sog kann sich niemand entziehen.

"Wir hätten diese Wasserkreuzung gern anders gelöst", gesteht Andreas Ettl. Der Sachgebietsleiter Planung und Bau am Wasserwirtschaftsamt Weiden untersuchte mit seinen Experten eine Reihe von Alternativen. Aber die schieden nach und nach aus. Der "Düker", so heißt die Unterführung, ist die leistungsfähigste und wirtschaftlichste Möglichkeit für diese Wasserkreuzung: Das Schild "Lebensgefahr" wird auch in zwei Jahren wieder über der Waldnaab hängen müssen.

Nicht mehr standsicher


Allerdings ist dann der Düker umgebaut, erneuert, entschärft. Rund 1,6 Millionen Euro investiert der Freistaat in den Neubau der Wasserkreuzung. Ein Gutachten der Landesgewerbeanstalt machte den "Handlungsbedarf" deutlich. Baudirektor Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, bezeichnete im Bauausschuss den Düker als "mittlerweile baufällig", "nach 80 Jahren nicht mehr standsicher". "Eine Sanierung ist unwirtschaftlich." Bei den Variantenuntersuchungen zeigte sich, dass es keine andere sinnvolle Möglichkeit gibt, die den Düker überflüssig machen würde. Deshalb müsse das Wasserkreuzungsbauwerk neu erstellt werden. Die rechtlichen Voraussetzungen werden derzeit vom Wasserwirtschaftsamt geschaffen. Dabei ist nicht nur die Stadt Weiden mit im Boot, sondern auch die Betreiber der kleinen Wasserkraftwerke, die zumindest im unteren Bereich der Waldnaab mit etwas weniger Wasser auskommen müssen. "Wir versuchen, die Betriebssicherheit der Kraftwerke möglichst lange zu gewährleisten", kündigt Ettl an. Deshalb werde während der Bauarbeiten am Flutkanal Wasser von der einen Seite der Waldnaab auf die andere Seite gepumpt. Im Winter soll das Baufeld hergerichtet werden. Das heißt zunächst auch, dass eineinhalb Dutzend der alten Pappeln fallen.

Zu- und Auslauf des Dükers werden jeweils auf eine Länge von 120 Metern ausgeweitet und angeböscht. Die Sohle der Naab wird bis zu 3 Meter abgesenkt. Unter dem Flutkanal ist der Düker 45 Meter lang und bis zu 6 Meter breit. Zwischen Wasseroberfläche der Naab und dem Dükerboden liegen fast 8 Meter.

Mit Provisorien sollen Jogger und Radfahrer sicher an der imposanten Baustelle vorbeigeleitet werden. Auch zwei starke Gasleitungen müssen umgelegt werden. Nicht nur deshalb mag sich bei den Bauarbeitern mitunter ein mulmiges Gefühl einstellen. Am Flutkanal entlang entluden einst die US-Bomber ihre gefährliche Fracht. Manche Granate mag noch als gefährlicher Blindgänger im Boden und Wasser liegen. Die Bodenerkundung sei abgeschlossen. "Wir haben nichts gefunden", versichert Ettl.

Flutkanal für eine Mark an Bayern verkauftDie Waldnaab durchquert mäandrierend von Norden nach Süden das Stadtgebiet von Weiden. Früher waren mehrmals jährlich große Flächen überschwemmt. In den 1930er Jahren wurde mit dem Bau von Hochwasserschutzmaßnahmen begonnen. Ab 1936 entstand der Flutkanal mit der Aufgabe, das Hochwasser der Waldnaab aufzunehmen und unschädlich durch das Weidener Stadtgebiet hindurch weiter nach Schirmitz zu leiten.

Zusammen mit kleineren Deichschüttungen erreichte man davor ungefähr den Schutz vor einem 5-jährlichen Hochwasser für die vorwiegend landwirtschaftlichen Flächen.

Daraus resultierte jedoch eine zunehmende Bebauung, die immer mehr den Talraum eroberte und heute teilweise bis an die Waldnaab bzw. den Flutkanal heranreicht und damit die Überschwemmungsflächen "eindämmt". Um die alte Waldnaab mit ihren schon damals vorhandenen vier Triebwerken zu erhalten und den Wasserstand nicht absinken zu lassen, mussten verschiedene Bauwerke errichtet werden. Hierzu gehören unter anderem das Obere und das Mittlere Wehr. Die Wehre sorgen für die Abfluss-Teilung zwischen Flutkanal und Waldnaab.

1990 kaufte der Freistaat Bayern den Flutkanal mit seinen Bauwerken für eine Mark. Seitdem ist das Land, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Weiden, für die Bauwerke und damit für den Waldnaabdüker verantwortlich (unterhalts- und ausbauverpflichtet).

Oberes und Mittleres Wehr sowie der Flutkanal im Bereich der Innenstadt sind inzwischen neu bzw. so ausgebaut, dass sie sogar ein 100-jährliches Hochwasser bewältigen können. Stadt Weiden und Freistaat investierten dabei seit 1997 fast zehn Millionen Euro. (wd)

Erlebnisraum Wasser


Treppenstufen hinab ins Wasser. Dort ein Bächlein, das auch bei langer Trockenheit Wasser führt, Seichtwasserstellen und Tümpel für Kleinlebewesen. Mit dem Düker-Neubau will das Wasserwirtschaftsamt Weiden auch den 1,4 Kilometer langen Abschnitt des Flutkanals zwischen Mittlerem Wehr und Moosbürger Straße neu und zwar zu einem "Erlebnisraum Wasser" gestalten. Projektleiter Andreas Ettl spricht zudem von einer wichtigen ökologischen Aufwertung des Flutkanals.

Im Flutkanal werde ein mäandrierendes, etwa 40 Zentimeter tiefes "Niedrigwassergerinne" eingebaut, so dass auch bei geringerem Abfluss der Waldnaab im "Bächlein" eine gewissen Strömung erhalten bleibe. So könnten sich bestimmte Arten von Wasserlebewesen entwickeln.

Gespeist wird dieses Gerinne mit etwa 200 Liter Wasser pro Sekunde, das schon auf der Fischaufstiegsanlage am Mittleren Wehr abgezweigt und in den Flutkanal geleitet wird. Aber auch die Menschen profitieren von dem Gewässerausbau. Der Flutkanal solle wieder erlebbar werden. So lege das Wasserwirtschaftsamt beispielsweise Bereiche an, an denen der Zugang zum Gewässer "für Groß und auch Klein" möglich ist. Erreicht werden diese Oasen über Treppen in den Böschungen.

Damit werde die Sozialfunktion des "Erlebnisraums Wasser" gefördert. "Jedes Kind spielt gern am und im Wasser. Hier soll das völlig gefahrlos möglich sein", sagt Ettl, der davon überzeugt ist, dass viele Familien aus der Innenstadt dieses neue Angebot zu schätzen wissen.
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