Freistaat stockt Mittel für Beschulung von berufsschulpflichtigen Flüchtlingen auf
Die Chance für alle

Noch einmal aufgestockt. Der Freistaat baut die Beschulung von berufsschulpflichtigen Flüchtlingen weiter aus. Der Europaberufsschule Weiden wurden drei zusätzliche Berufsintegrationsklassen genehmigt. Damit bestehen in Weiden elf Klassen, die teilweise vom Europäischen Sozialfonds finanziert werden. Bild: Hartl

Alle Achtung, was im Freistaat auf die Beine gestellt wurde. Sagt Manfred Wichmann, Lehrer der Europaberufsschule. Er ist Koordinator für 15 Integrationsklassen mit 300 Flüchtlingen. Bayern hat mit 5000 ein Drittel der unbegleiteten Minderjährigen in Deutschland aufgenommen - und beschult sie, was das Zeug hält.

OB Kurt Seggewiß verkündete am Mittwoch die frohe Kunde, übermittelt von Ministerin Emilia Müller: Das Kultusministerium stellt aus dem Nachtragshaushalt weitere Mittel für berufsschulpflichtige Asylbewerber zur Verfügung. Das bedeutet drei weitere Flüchtlingsklassen für die Weidener Berufsschule (aktuell 11). Am Beruflichen Schulzentrum Neustadt/WN bestehen aktuell 4 Klassen, davon zwei ausgelagert an die Weidener Wirtschaftsschule. Im Herbst wird nach Bedarf aufgestockt.

Mehr Luft nach oben ist nicht. "Der Staat hat Probleme, Lehrer zu bekommen", weiß Wichmann. Auch die Bildungsträger sind am Limit. "Pädagogisches Personal wächst nicht an Bäumen." Bayern hat im Januar 60 Stellen für arbeitssuchende Gymnasiallehrer zur Flüchtlingsbeschulung an Berufsschulen ausgeschrieben.

Engagierte "Ersatzeltern"


Das Ziel: die jungen Flüchtlinge reif für eine Ausbildung zu machen. Handwerk, Pflege, Gastronomie wären froh um Nachwuchs. In der demografisch totgesagten Nordoberpfalz sowieso. Im ersten Jahr wird viel Deutsch gepaukt. Im zweiten Jahr erfolgt die Berufsorientierung in Modulen: von Pflege bis Elektrotechnik. Wichmann: "Wir versuchen, das beste aus jedem herauszuholen, dass es mit der Übernahme geklappt."

Nur: Wie läuft's denn so - mit Berufsschule und den hunderten von "Umfen" (unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen)? Koordinator Wichmann hatte dazu am Mittwoch die "Ersatzeltern" eingeladen: Jugendämter und Vormünder, Wohngruppen-Betreuer und Pflegeeltern, Lehrer und Bildungsträger. Das Lehrerzimmer füllte sich mit 40 Gästen.

Bezeichnend ist, dass Pflegeeltern überlegen, noch einen "Umf" aufzunehmen, weil es gut klappt. Bezeichnend ist auch, dass sich WG-Betreuer mächtig ins Zeug legen, weil ihre Schützlinge mit einem Vermerk bestraft werden, wenn sie zu spät kommen. Aus Richtung Neustadt liegt das an überfüllten Bussen. Ein Vormund gibt zu bedenken, dass viele Jugendliche traumatisiert sind: "Wenn einer faul ist, bin ich bei Ihnen. Aber wenn etwas anderes dahintersteht, muss man Fingerspitzengefühl zeigen."

Eine Wohngruppen-Betreuerin berichtet von Alpträumen. "Die kommen mit einer anderen Belastung." Wichmann beharrt auf dem Regelsystem, das Verspätung konsequent ahndet: "Wenn die nach zwei Jahren nicht in eine Ausbildung kommen, dann fallen sie durchs Raster. Lieber hau' ich jetzt auf den Tisch."

Die Wogen glättet der Bericht über Praktika: 19 Abschlussschüler waren an Ostern in Betrieben. "Die Rückmeldungen waren ausschließlich positiv", sagt Christian Balke. Die Arbeitsagentur hat ein Programm aufgelegt, dass die Ausbildung erleichtert: das geförderte Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ), das der Lehre vorgeschaltet ist. "Im Prinzip ein großes Praktikum." Läuft es gut, wird es als erstes Lehrjahr angerechnet.

Begabte an FOS/BOS


Der Bildungsstand ist heterogen: Pro Jahrgang gibt es eine Qualiklasse, die nach zwei Integrationsjahren den Quali anpeilt. Wichmann: "Wenn das die Hälfte schafft, gehe ich auf Altötting." Von drei Klassen pro Jahrgang ist aber auch eine nur für Analphabeten. "Davon haben wir sehr viele." Und dann gibt es noch die Spitzenleute, die an die FOS/BOS weitergeschickt werden. Dort werden seit Februar in einem Pilotprojekt 18 Flüchtlinge unterrichtet. Eine zweite Klasse folgt im Herbst. Ziel ist der Übertritt in reguläre Klassen.

Klassleiter Florian Staufer ist nach sechs Wochen beeindruckt: "Wir machen schon Merkmale einer Kurzgeschichte. Brutal. Die sind motiviert." Eine Lanze für die Jungs brach Oberstudienrat Jürgen Gleixner: "Angenehme Schüler mit feinem Humor."
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