Fristlos gekündigte Seminarleiterin bestreitet alle Vorwürfe
„Ich kauf’ mir eine Kalaschnikow und ...“

Das Nervenkostüm war offenbar schon recht dünn. Und der Bub nervte. Er spielte drunten im Hof mit einem Ball. Ausgerechnet dort, wo es bereits zu Schäden an Autos gekommen war. Obwohl ihn die Seminarleiterin schon ermahnt hatte, spielte "Nebras" weiter. Die Pädagogin lief nach unten, um den unbegleiteten minderjährigen Flüchtling zu ermahnen. Angeblich vergriff sie sich im Ton. "Da bist du ja, du kleines Arschloch", soll sie dem 14-Jährigen zugerufen haben.

Dies bestreitet die Pädagogin, ebenso wie die weiteren Vorwürfe, die im September 2015 zu ihrer fristlosen Kündigung geführt haben. Dagegen klagte sie vor dem Arbeitsgericht Weiden. Die Wiedereinstellung (immerhin nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit) und auch eine Abfindung konnte sie am Donnerstag nicht erreichen.

Nach Angaben des Arbeitgebers konnte sich die Mitarbeiterin an jenem Septembertag auch nach dem Vorfall im Hof nicht beruhigen. Sie soll auf dem Weg zurück ins Gebäude gegen eine Mülltonne geschlagen und "creature" geschimpft haben. Zum Ausraster, mit dem die fristlose Kündigung begründet wird, kam es im Haus. "Ich kauf' mir eine Kalaschnikow und bring' sie alle um", oder auch "gebt' mir eine Kalaschnikow, ich erschieß' sie alle", wollen ihre Kollegen in den nahen Unterrichtsräumen von ihr gehört haben.

Bei einem klärenden Gespräch mit den Vorgesetzten soll die Seminarleiterin einen Teil der Vorwürfe eingeräumt haben, weshalb die fristlose Kündigung ausgesprochen wurde. In den Schriftsätzen zum Verfahren vor dem Arbeitsgericht Weiden bestreitete sie diese Darstellung jedoch ausdrücklich. Veit Zitzmann verdeutlichte, dass es vor dem Arbeitsgericht nicht entscheidend sei, ob es zu den beleidigenden Aussagen gekommen ist. "Das wäre Sache eines Strafrichters. Bei mir ist entscheidend, ob durch ein derartiges Verhalten das Vertrauen in die Redlichkeit eines Mitarbeiters gestört ist."

Zugleich machte er beiden Parteien das Risiko einer Entscheidung deutlich und legte ihnen einen Vergleich nahe. Die Vorwürfe seien "weder bewiesen noch widerlegt". Nach längerer Pause, in der sich die Vertreter der Klägerin und der Beklagten annäherten, kam es zum Vergleich. Die fristlose Entlassung wird in eine ordentliche, betriebsbedingte Kündigung zum 31. März 2016 umgewandelt, das Gehalt nachgezahlt und das Arbeitszeugnis "aufgehübscht". Damit hat die Klägerin zumindest bessere Chancen, wieder eine Anstellung zu finden.
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