Führungsstreit im Verein "Die Initiative"
Vorsitzende Ursula Barrois setzt sich durch

Ich möchte die Initiative noch ein Stück weit in die Zukunft führen. Nicht für immer und ewig. Aber ein Stück.

Seit 1979 ist ein Schwerpunkt des Vereins "Die Initiative" die Bekämpfung von Obdachlosigkeit. Mit großem Erfolg: Die Belegung des Notquartiers in der Schustermooslohe hat einen historischen Tiefststand erreicht. Dennoch musste Vorsitzende Ursula Barrois ihre Wiederwahl gegen Widerstand durchsetzen.

Zweite Vorsitzende Michaela Feihe trat in der Folge für kein Amt mehr an und zog sich bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstag aus der Vorstandschaft zurück. Hintergrund der Differenzen: Ursula Barrois war lange schwerkrank. In dieser Zeit hatte Michaela Feihe ihre Aufgaben übernommen und hätte dies gerne weitergeführt.

"Es ging um Leben und Tod", sagt Ursula Barrois über ihre Krankheit. "Ich bin noch nicht über den Berg. Der Geist ist williger als der Körper: Geistig fühle ich mich sehr kraftvoll." Während ihrer Rekonvaleszenz sei lange nicht klar gewesen: "Wie geht es weiter mit mir und der Initiative?" Jetzt hat die 64-Jährige einen Entschluss gefasst: "Ich möchte die Initiative noch ein Stück in die Zukunft führen. Ich möchte noch etwas gestalten."

Michaela Feihe (55) macht keinen Hehl daraus: Sie hätte gerne das Ruder übernommen. "Ich bin nicht der Leithammel, aber das hätte ich mir jetzt zugetraut", sagt Michaela Feihe. "Ich habe mich eingearbeitet, mit dem hauptamtlichen Team zusammengerauft." Ihre Bedingung: Ursula Barrois wird weder erste noch zweite Vorsitzende. Begründung: "Ich will nicht noch einmal allein die Entscheidungen treffen müssen, sollte Uschi längere Zeit ausfallen." Sie habe Ursula Barrois ermöglichen wollen, den Verein im "Altersruhesitz" ehrenamtlich zu begleiten.

Bereits im Dezember habe sie bei der Vorsitzenden in dieser Frage erfolglos vorgefühlt. Daran hatte sich am Donnerstag nichts geändert. Michaela Feihe lehnte daher ab, als sie für den Vorsitz vorgeschlagen wurde und trat zur Wahl gar nicht an. Ursula Barrois wurde mit zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen bei elf Stimmberechtigten wiedergewählt.

Ich möchte die Initiative noch ein Stück weit in die Zukunft führen. Nicht für immer und ewig. Aber ein Stück.Vorsitzende Ursula Barrois

Weitere Vorstandsmitglieder zogen sich aus anderen Gründen zurück: Lisa Loreth berief sich auf ihre Oma-Pflichten, Elke Dobmeier auf ihre hauptamtliche Tätigkeit für die "Initiative". Dafür zogen neue Ehrenamtliche ein. "Ich habe neue Leute in die Vorstandschaft dazugeholt, auch Jüngere, mit richtig guten Ideen", sagt Ursula Barrois. Zu ihrem Stellvertreter wurde Walter Max Fentzke gewählt, der seit längerem Kassier ist. "Halb-neu" sind Sandra Magnin und Anna Fröhlich, die seit zwei Jahre als Beisitzerinnen dabei sind. Ganz neu sind Angelika Lindner und Eva Schedl.

Schlüssel in Prävention


Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt nach wie vor in der Obdachlosenhilfe. Dank professioneller Prävention verzeichne Weiden entgegen dem Bundestrend einen Niedrigstand. "Besser kann's nicht sein." Der Fokus liege weiterhin auf Familienhilfe, Einzelbetreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Erziehungsbeistand, Vormundschaft.

Mit den Kollegen der Flüchtlingshilfe sei man gut vernetzt. Ob die Neuankömmlinge in Konkurrenz zu hiesigen Sozialfällen treten? "Nein", meint Ursula Barrois, "und wenn, dann auf dem Wohnungsmarkt." Ausreichender bezahlbarer Wohnraum sei "eine Frage der Zukunft". Ihre Empfehlung an die Politik: "In der Krise anpacken und den Mut haben, Geld in die Hand zu nehmen."
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