Für Geistlichen aus Indien Vorfälle wie in Zorneding undenkbar:
Ein Herz für den Herrn Pfarrer

"Die Pfarrei ist für mich wie eine Familie", sagt Pfarrer Antony Soosai. In der weit verstreuten Gemeinde Georgenberg (Kreis Neustadt/WN) nahe der tschechischen Grenze stellt die Kirche den Ortsmittelpunkt dar. Bild: cf

"Für nicht vorstellbar" hält der katholische Pfarrer in seiner Gemeinde einen Rassismus wie in Zorneding. Antony Soosai stammt aus Indien. Der 55-Jährige wirkt seit 2002 am rauen Grenzkamm. "Ich hätte nie gedacht, dass ich hier 14 Jahre bleiben werde." Er hat die Oberpfälzer ins Herz geschlossen. Und sie ihn.

Neukirchen zu St. Christoph. Frostig weht der "Böhmische" von Osten herüber; auf den Schattenseiten trotzt eine nahezu geschlossene Schneedecke dem nahenden Frühling. Der Pfarrer aus dem heißen Südindien zieht die Mütze tief über die Ohren. "Schnee ist wunderbar, aber ohne Wind." Soosai lacht. "Gegen die Kälte helfen Schopperln und Schwammerlbrühe." Seine knapp 1300 Köpfe zählende Pfarrgemeinde Neukirchen zu St. Christoph (Georgenberg) liegt weit verstreut - meist auf 600 bis 700 Meter Meereshöhe.

Mit Respekt aufgenommen


"Ich bin dankbar, hier sein zu können", sagt Soosai. Seit 2009 trägt er den Ehrentitel Bischöflich Geistlicher Rat, der für einen Landpfarrer als durchaus außergewöhnlich bezeichnet werden darf. Die Diözese Regensburg gab die Ausbildung von indischen Pfarrvikaren in seine Obhut: Bevor dann die Geistlichen selbstständig Pfarreien übernehmen, etwa in Ebnath und Waldsassen. Derzeit weist Soosai seinen Landsmann Julius Johnrose als Kaplan ein.

Die Nordoberpfälzer wertschätzen "den Herrn Pfarrer". Im östlichen Landkreis Neustadt/WN steht Antony Soosai im Ansehen neben oder mindestens gleich hinter dem Bürgermeister. Ob bei der Feuerwehr, bei runden Geburtstagen, Goldenen Hochzeiten oder beim Starkbierfest der Landjugend: "Ich gehe immer auf die Menschen zu - auf Augenhöhe." Über "solche Vorkommnisse" wie in Zorneding gegen seinen dunkelhäutigen katholischen Amtsbruder schüttelt Soosai ungläubig den Kopf: "Nicht ein einziges Mal - auch nicht unterschwellig - habe ich den vergangenen 14 Jahren in meiner Gemeinde Rassismus erlebt." Von Anfang an sei er "wunderbar" aufgenommen worden - "mit Respekt und Anerkennung". Die Zusammenarbeit mit Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sei freudvoll.

Er spricht von seiner Leidenschaft, unter den Menschen zu sein und sie zu begeistern. "Die Umwelt ist ein Spiegelbild von einem selber. Was man gibt, kommt wieder zurück." Die positive Reaktion seiner Mitmenschen bewegt ihn: "Wenn ich in den Urlaub nach Indien aufbreche, höre ich oft ,kommen Sie wieder wohlbehalten zu uns zurück'."

Nicht über Finsternis klagen


15 Jahre engagierte sich Antony Soosai in Südindien als Geistlicher, bevor er sich 2002 in einem "Sabbat-Jahr" für Deutschland und die Diözese Regensburg entschied. An erster Stelle stand das Erlernen der Fremdsprache Deutsch, die er heute prima beherrscht. Seit 2011 kümmert er sich in der Diözese um die Integration von Priestern aus dem Ausland. Der belesene Anthropologe (Master phil.) relativiert seinen akademischen Grad: "Bildung ist da, um den Menschen zu dienen." Einer breiteren Öffentlichkeit in der Region ist Antony Soosai durch seine zentrale Rolle beim Verein "Hoffnung für Menschen" bekannt: "Jeder Cent kommt hier den Notleidenden in Südindien zugute." Die Spenden dienen der "Hilfe zur Selbsthilfe".

Appell an Verständigung


In Indien kam Soosai mit dem Flüchtlingsproblem durch Emigranten aus Sri Lanka in Berührung. "Wenn sich die großen Länder verständigen würden, gäbe es das Thema Flucht nicht." Deutschland allein könne hier wenig ausrichten. Auf die Frage nach seiner persönlichen Zukunft antwortet der beliebte Pfarrer: "Wir müssen uns dort zur Verfügung stellen, wo uns die Kirche braucht."

"Wir dürfen nicht über die Finsternis klagen, sondern müssen eine Kerze anzünden." Was ansonsten wie ein Kalenderspruch anmutet, klingt bei Antony Soosai wie ein Versprechen.
Ich empfinde Mitleid mit Rassisten. Sie haben offenbar das Grundvertrauen in die Menschen verloren.Pfarrer Antony Soosai
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