Für Medizinstudent Christian Schmidt gab es immer nur Plan A – A wie Arzt
Kein Plan B

(Foto: Ansgar Scheffold)
 
(Foto: Ansgar Scheffold)
Text: Norbert Eimer

Ausgerechnet Medizin! Wäre es Psychologie, könnte Christian Schmidt Ursachenforschung bei sich selbst betreiben und Antworten auf die Frage finden: „Warum ausgerechnet dieses Studium?“ Doch es ist das Königsstudium der Humanmedizin, für das sich der 25-Jährige eigentlich schon als kleines Kind entscheidet. Und das, obwohl es keine familiären Vorbelastungen gibt – kein Schmidt ist und war jemals Arzt. „Das Wunder Mensch, dessen einzigartiger Körper nicht nachzubauen ist, fasziniert mich. Zum Berufswunsch Arzt gab es nie eine Alternative.“ Das ist schön. Und schwierig zugleich. gilt das Medizinstudium doch als Knochenarbeit – vorausgesetzt, man bekommt überhaupt einen Studienplatz. Und so wollte außer seiner Familie keiner recht daran glauben, dass der Hauptschüler mit Quali in der Tasche noch immer an seinem Berufswunsch festhielt und seine
Ankündigung eines Tages wahr werden sollte: „ich werde Arzt.“

Es ist ein entspanntes Gespräch, momentan sind Semesterferien. „In der Rückschau betrachtet, war mein Denken oft naiv, andererseits war es diese Naivität, die mir geholfen hat.“ Als Schüler macht Christian Schmidt den Quali, dann die Mittlere Reife, entscheidet sich für den Wirtschaftszweig der FOS und schließt dort mit dem Fachabitur ab, hängt noch ein Jahr dran und erlangt schließlich die Allgemeine Hochschulreife – immer im Kopf: „Arzt, es gibt keinen Plan B.“ Der Weidener weiß um die hohen Hürden für ein Studium der Humanmedizin, doch als er mit einem Notendurchschnitt von 2,4 im Abitur dasteht, wird ihm ganz konkret klar: „Keine Chance.“ Christian Schmidt wiederholt die 13. Klasse, am Ende lautet sein Durchschnitt 1,9. Besser, ja. Für ein Medizinstudium reicht das aber immer noch nicht.

Der junge Mann steckt in einem Dilemma. Er kann sich nicht wirklich zu einer beruflichen Alternative durchringen, gleichzeitig scheint sein Arzt-Wunsch utopisch. Zur Not vielleicht etwas mit Biologie studieren? Das käme dem forschenden Arztsein vielleicht noch am nächsten, doch: „Ich wusste, mein Leben lang würde ich beruflich unglücklich sein.“ Also weitermachen mit dem Medizinischen. Christian Schmidt absolviert eine Ausbildung zum Rettungsassistenten, ein Mal mehr sieht sich der 25-Jährige in seinem Berufswunsch bestätigt – Menschen helfen. Dank der Ausbildung im Rettungsdienst wird ihm ein Bonus angerechnet: Sein Notendurchschnitt beträgt nun 1,1. Christian Schmidt bewirbt sich weiterhin an Universitäten, setzt seine Hoffnungen unter anderem auf Lübeck, doch: wieder eine Absage. „Zu diesem Zeitpunkt war ich verzweifelt, sollte ich trotz meiner ganzen Anstrengungen, trotz des harten Lernens in den letzten Jahren mein Ziel doch nicht erreichen?“

Es ist ein ganz normaler Arbeitstag, Christian Schmidt fährt gerade einen Notarzteinsatz, als sein Handy klingelt und jemand auf seine Mailbox spricht. Nach dem Einsatz ist klar, was die Zentrale Verteilungsstelle für Studenten für eine Nachricht hat: Ein Studienplatz für Humanmedizin an der Philipps-Universität in Marburg! „Ich konnte es nicht glauben, eine unbeschreibliche Erleichterung, ohne Worte.“ Fast hätte der zukünftige Medizinstudent selbst ärztliche Hilfe gebraucht.

Im Oktober 2014 beginnt der Weidener sein lang ersehntes Medizinstudium, und es ist genau so, wie er es sich vorgestellt hat: hart, aber erfüllend. „Die Disziplin, die einem abverlangt wird ist enorm, Lernen bis zwei Uhr früh keine Seltenheit.“ 13 Semester, also sechseinhalb Jahre dauert das Medizinstudium. Es teilt sich auf in den zweijährigen vorklinischen Teil, in dem vor allem der naturwissenschaftliche Aspekt und die Anatomie im Fokus stehen, sowie den klinischen Teil. Seine Begeisterung ist dem 25-Jährigen anzusehen, wenn er darüber spricht, nach theoretischem Lernen über Blutgefäße und große Gefäße ganz praktisch zu studieren. „Wenn man zum ersten Mal an einer Leiche den ersten Schnitt setzt, unter fachlicher Anleitung des Professors einen Herzbeutel entfernt, dann ist das sehr erfüllend.“ Ihn habe dies von Anfang an keine Überwindung gekostet, aber es sei keine Seltenheit, dass Mitstudierende immer wieder mal kurzerhand umkippen, sagt der Medizinstudent, der in Marburg als Tutor Erstsemester unterstützt.

Zurück auf Anfang. Warum ausgerechnet Medizin? Für Christian Schmidt hat das Studium nichts mit Prestige zu tun, mit Ansehen – denn noch immer gilt ein Arzt, ein medizinischer Doktor als gesellschaftlicher Ritterschlag. „Das ist zwar schön, ist aber kein Anreiz für mich.“ Es sei vielmehr die Kombination aus Erforschung des menschlichen Körpers und dem daraus resultierenden Wissen und Können, Patienten mit Krankheiten zu heilen. „Es ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe und ich nun Tag für Tag im Studium lerne: Menschen mit der bestmöglichen Medizin helfen.“
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