Fürs Kind im Mann
Eisenbahnmuseum Weiden fasziniert

Horst Scheiner setzt auf die alten Tugenden der Modell-Eisenbahner. Er sperrt sich dagegen die Modell-Eisenbahnanlagen in seinem Eisenbahnmuseum zu digitalisieren. Bilder: Helmut Kunz (2)

Wenn Christian Stahl gelegentlich seine Kirchenschlüssel an den Nagel hängt und nicht als Mesner oder Türmer von St. Michael tätig ist, setzt er sich im Eisenbahnmuseum die Mütze des Fahrdienstleiters auf. Dann hievt er die kleinen Waggons aufs Gleis: Das Kind im Manne erwacht.

Museumsdirektor Horst Scheiner hingegen ist ganz Perfektionist der alten Schule. Digitalisierung kommt auf seiner Modelleisenbahnanlage im Museum nicht in die Tüte. "Das können sie zu Hause manchen, aber nicht auf einer Vorführmodelleisenbahn." Scheiner ist für solide Sachen. "Die Anlage läuft seit 40 Jahren", sagt er. "Dass da einmal was kaputt gehen kann, durch Entkupplung oder Entgleisung ist ganz logisch." Aber das lässt sich auch wieder problemlos reparieren. Und außerdem koste die Umstellung der einzelnen Loks auf den digitalen Betrieb ein Vermögen.

Eintauchen in Erinnerungen


Heiner Balk besucht die Ausstellung mit seinen beiden Enkeln Pauli (6) und Julian (3) um sich Anregungen für die eigene Anlage zu holen. Die Kinder und der Opa machen große Augen. "Ich war neun oder zehn, als mir meine Eltern zu Weihnachten eine Eisenbahn schenkten", taucht der 64-Jährige in seine Erinnerungen ein. Jahrzehntelang war sie eingepackt und eingestaubt. Das war eine ganz einfache Anlage: Ein Bahnhof und ein paar Häuser.

Heute ist er dabei, die Anlage - inzwischen viel größer - wieder auf Vordermann zu kriegen. Wie es damals so üblich war, durfte mit der Eisenbahn nur wenige Wochen gespielt werden. Dann kam sie wieder weg und wurde bis zum nächsten Weihnachtsfest irgendwo im Haus verstaut. "Die war ja viel zu sperrig."

Bei den Balks stand die Platte mit der Modelleisenbahn in den 60er Jahren auch nicht unterm Christbaum, sondern war in einem separaten Zimmer aufgebaut. "Meine Lieblingslok war das Steppenpferd mit drei Personenwägen." In der Zwischenzeit hat er sich weitere Loks dazu gekauft. Denn die Leidenschaft ist wieder erwacht.

Selber spielen


"Ich bin derzeit dabei, eine neue Anlage aufzubauen, ganz neu mit Rahmenbau", erzählt Balk: "Meine älteste Lok ist über 50 Jahre alt." Der Märklin-Fan will den Hersteller keinesfalls wechseln. Und spielen? Das tut er selber. Die Anlage sei noch nicht ganz fertig. "Mir fällt immer wieder was Neues ein, dann passt's wieder nicht." Aber die Eisenbahn soll, wenn sie fertig ist, auf Dauer stehen und nicht wieder weggeräumt werden.

Ein Mordstrumm, das sich von den Ausmaßen her "beinahe" mit der Großanlage im Weidener Eisenbahnmuseum messen kann, soll sie werden. Die Platte misst viereinhalb auf eineinhalb Meter. Derzeit werde halt gebastelt und ausprobiert. Manchmal sind auch die Enkel dabei. "Die wollen natürlich, dass sich was bewegt auf der Platte."
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