Füße im Auge behalten
Großes Interesse am 19. Diabetikertag

Die Organisatoren und Referenten des 19. Diabetikertags: (von links) Karl-Heinz Stupka vom Diabetikerbund Bayern, Dr. Georg Aderbauer, Orthopädieschuhmachermeister Jörg Rothballer, Chefarzt für Urologie Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer, Leitender Oberarzt Dr. Jürgen Hahn und Chefarzt Prof. Dr. Frank Kullmann. Bild: sbü

Vom Kopf bis zum Fuß - fast der gesamte Körper ist bei Diabetikern gefährdet. Wie man mit der Volkskrankheit leben kann, dazu gab der 19. Diabetikertag Hinweise. Das Publikumsinteresse war auch diesmal groß.

Längst ist der Diabetikertag in der Cafeteria des Klinikums zu einer festen Einrichtung geworden. Statistisch leidet jeder siebte Erwachsene an Diabetes, entsprechend groß sind die Besucherzahlen. So auch diesmal. Zum 19. Mal hatte die Medizinische Klinik I der Kliniken Nordoberpfalz zusammen mit dem Diabetikerbund Bayern und den Diabetologen Dr. Susanne Friedrich-Kraus und Dr. Georg Aderbauer diese Veranstaltung organisiert.

Die Themen betrafen den Körper "von Kopf bis Fuß", wie es Karl-Heinz Stupka vom Diabetikerbund Bayern in seiner Begrüßung formulierte. Als Vertreter der Kliniken Nordoberpfalz begrüßte Chefarzt Prof. Dr. Frank Kullmann die Besucher. An zahlreichen Ständen gab es Infos über modernste Hilfsmittel.

Gehirn braucht Zucker


Mit drei Krankheitserscheinungen befassten sich die Vorträge besonders ausführlich, alle sind auf Diabetes zurückzuführen. Diese Krankheit schädigt Blutgefäße und Nervenbahnen fast im gesamten Körper. Dr. Jürgen Hahn, Leitender Oberarzt für Neurologie am Klinikum Weiden, beschrieb die möglichen Schädigungen durch Diabetes im Gehirn des Menschen. "Wenn die vielen kleinen langen Blutgefäße im Gehirn sich verschließen, kommt es schleichend zu Symptomen wie mangelnder Flexibilität des Denkens oder sinkender Abstraktionsfähigkeit und Gedächtnisleistung." Leiden könnten auch die Steuerungsvorgänge, die vom Gehirn ausgehen und zum Beispiel für das sichere Gehen wichtig sind, aber auch die Blasensteuerung.

Dr. Hahn erläuterte zudem die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Fettleibigkeit. "Das Gehirn lebt vom Zucker und kann zum Täter werden", stellte der Mediziner fest. Wenn aber die "ausgeglichene Regulation zwischen Bauchspeicheldrüse (Insulinproduktion) und den Schaltkreisen im Gehirn" gestört sei, könne es auch zu falschem Ernährungsverhalten kommen. Medikamente, die "den Zentralcomputer im Zwischenhirn überlisten", seien erst im Forschungsstadium. "Lernen Sie Verhalten und Programme, die das Zwischenhirn ausstechen", empfahl Dr. Hahn seinen Zuhörern. Eine seiner vielen anderen Empfehlungen war: "Behalten Sie Ihre Füße im Auge." Die Nervenschädigung durch Diabetes beeinflusse Kraft, Sensibilität und Hautversorgung in den Füßen. "Oftmals entdecken Diabetiker ihre kranken Füße nicht", sagte Dr. Hahn.

Dass diabetesbedingte Empfindungsstörungen durch das Verschließen der Gefäße auch ein Thema für den Urologen sind, erläuterte Chefarzt Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer. Breiten Raum widmete er den Erektionsstörungen der Männer. "Diät und Sport" hätten auch als Sexualtherapie einen "extremen Effekt". Viagra, Cialis und Vardenafil wirkten nur, "wenn die Nerven intakt sind". Bschleipfer beschrieb im Vortrag auch Vakuumerektionshilfen, Penisprothesen sowie die "Erektion auf Knopfdruck".

Blasenfunktionsstörung bei Diabetes sei ein "Thema für Männer und Frauen". Der Experte unterschied die "überaktive Blase" und die "Harnverhaltung" als das Gegenteil, alles verursacht durch geschädigte Nerven und Gefäße. Blasenschrittmacher, Botox-Spritzen, Katheder oder Elektroden als Stimulatoren wurden als Abhilfen beschrieben.

Keine offenen Schuhe


Über "Schuhversorgung für den Diabetiker" sprach Orthopädieschuhmachermeister Jörg Rothballer. Drei Verfahren erläuterte er: Umarbeitung der Schuhe, Einlagen und Spezialschuhanfertigung. Bei allen Verfahren gibt es zahlreiche Einzelalternativen. Weil "80 Prozent aller Amputationen durch Normalschuhe ausgelöst werden", empfahl Rothballer, die Maßschuhe auch im Haus zu tragen. Die Schuhversorgung für den Diabetiker müsse sich an der jeweiligen Risikoklasse der Diabeteserkrankung orientieren. Eine Empfehlung lautete: "Tragen Sie keine offenen Schuhe, wenn das Empfinden in der Fußsohle eingeschränkt ist."
Oftmals entdecken Diabetiker ihre kranken Füße nicht.Dr. Jürgen Hahn, Klinikum Weiden
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