Fußpilz auf dem Vormarsch
Referentin spricht über Tabu

Nagelpilz sieht bei weitem nicht so ansehnlich aus, wie diese in Fliegepilzoptik gehaltenen lackierten Zehennägel. Bild: Lamisil-Bilderdienst
 
Jutta Lorenzen. Bild: hfz

Er sieht unschön aus, ist unangenehm und manchem auch richtig peinlich: der Fußpilz. Gerade soll er massiv umgehen. Doch keiner spricht darüber. Eine Frau aus Sylt will nach dem Riesenandrang zu ihren Vorträgen in Amberg auch in Weiden das Tabu brechen - und referiert beim Malteser-Hilfsdienst.

Bei Fußpilz verhält es sich ähnlich wie mit dem Wissen um Fundstellen für Steinpilze. Man geht nicht wirklich offen damit um. Auch Ursachen und Prävention der Krankheit sind viel zu selten Thema, findet die Diplom-Oecotrophologin aus Sylt, Jutta Lorenzen, - und will das Tabu brechen. Am Dienstag, 31. Mai, gastiert sie deshalb zu zwei kostenlosen Vorträgen (16 und 18.30 Uhr) beim Malteser-Hilfsdienst, Zur Centralwerkstätte 11.

Frau Lorenzen, Sie sprechen von einer massiven Zunahme von Fuß- und Nagelpilzinfektionen. Zugleich sagen Sie, kaum einer spricht über dieses Tabuthema: Woher also haben Sie Ihre Informationen?

Jutta Lorenzen: Ich unterhalte mich mit Medizinern, mit Podologen, mit Leuten vom Fach. Und dann gibt es entsprechende Statistiken. Demnach ist der Fußpilz auf dem Vormarsch.

Woran liegt's?

Da gibt es viele Gründe. Ein bisschen liegt es an unserer Schuhkultur. Luftundurchlässige Sneaker sind auch im Sommer modern. Darin herrschen feucht-warme, zugluftfreie und sauerstoffarme Bedingungen: Das ist das Wohlfühlklima für Fußpilz.

Oder schauen Sie sich mal die jungen Leute heute an: Wochenlang tragen sie die selben Schuhe. Keine Chance, dass ihr Schuhwerk mal vollständig austrocknet.

Also raus aus den Sneakern, rein in die Sandalen: Ist es damit getan?

Gut wäre auch eine gesunde Ernährung, um den Säure-Basen-Haushalt nicht zu sehr mit Süßem, Alkohol und Nikotin aus dem Gleichgewicht zu katapultieren. Und Finger weg von künstlichen Nägeln. Sie isolieren die Nagelplatte, verhindern den Sauerstoffaustausch. Darunter kann sich wunderbar Nagelpilz entwickeln.

Es existiert auch eine genetische Veranlagung: Es gibt Familien, die haben über Generationen schöne Füße. Anderen wird die Empfindlichkeit gegenüber Nagelpilz vererbt.

Angenommen, es ist schon zu spät. Der Pilz sprießt. Was dann?

Nagelpilz ist nicht heilbar! Denn kein Medikament ist in der Lage, den vom Pilz zerfressenen Nagel zu reparieren. Aber Nagelpilz ist behandelbar. Die Keratine im Nagel müssen so verändert werden, dass der Pilz keinen Geschmack mehr daran findet.

Wie geht das?

Gleich mal vorweg: Alle Medikamente, die auf dem Markt sind, helfen. Allesamt wirken sie antimikotisch. Aber die Medikamente müssen Sie erst mal durch den Nagel hindurch bekommen.

Wird gebohrt?

So ähnlich. Scheibchenweise wird vom Nagel etwas abgeschoben. So entsteht eine Rille. Dort hinein kommt das Medikament. Bei mir ist das eine Mischung aus Inhaltsstoffen des Toten Meeres und Sodiumhydroxid, was auch in Seifen zu finden ist. Das ist reine Natur. Aber sie hilft.

Besser allerdings wäre es, wenn sie nicht zum Einsatz käme. Man muss über Prävention sprechen. Aber das tut keiner.

Machen wir's. Wie also kann ich Fußpilz vorbeugen?

Föhnen Sie Ihre Füße nach dem Duschen trocken, pflegen Sie sie dann mit einer Lotion. Sportlern empfehle ich, in der Halbzeit Socken und Schuhe zu wechseln. Vorsicht, wenn die gesunde Hornhaut am Fuß rissig ist. Das ist die Eintrittspforte für Pilze. Und achten Sie, wie bereits erwähnt, auf gutes Schuhwerk.

Am Wochenende war's recht heiß. Trugen Sie Sneaker oder Sandalen?

Heiß war es nicht auf Sylt, eher ungewöhnlich schwülwarm. Ich habe mächtig geschwitzt und im Garten gearbeitet. Deshalb trug ich geschlossene Schuhe aus Leinen mit Gummisohle. Luftdurchlässig!

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Wegen begrenzter Plätze wird für die zwei Vorträge um Anmeldung unter Telefon 0171/4885745 gebeten.

Nachgefragt

Fußdesinfektion: "Nicht zulässig"

Dinge, die nicht mehr da sind, haben die Eigenart, weniger aufzufallen. Mit Sprühanlagen zur Fußdesinfektion im Schätzlerbad sowie in der Weidener Thermenwelt (WTW) verhält es sich etwa so.

"Sie sind schon seit Jahren nicht mehr zulässig", erklärt Gerhard Kreutzer. Und der Meister für Bäderbetriebe in der WTW und im Schätzlerbad nennt Gründe. So benötige das Desinfektionsmittel eine gewisse Zeit, um seine Wirkkraft zu entfalten. Diese Zeit zur Wirkstoffentfaltung sei aber oft nicht eingehalten worden, weil mitunter Badegäste zwei Minuten nach der Desinfektion wieder ins Wasser steigen. "Und dann kommt das Mittel dorthin, wo es wirklich keiner haben will."

Statt der Sprühanlage greifen die Badbetreiber zu anderen hygienischen Maßnahmen: "Die Flächen werden täglich desinfiziert. Die Duschen und Garderoben gar stündlich mit Desinfektionsmittel gereinigt."

Der beste Schutz vor Fuß- und Nagelpilz ist und bleibt der Badeschuh, informiert Expertin Jutta Lorenzen.

Bei wem der Pilz schnell Fuß fasst, was die Symptome sind und wie ein Infizierter richtig reagiertMit den Jahren steigt die Gefahr von Pilzerkrankungen. Denn ältere Menschen leiden schlicht häufiger an einer schlechteren Durchblutung, vielleicht auch an einem schlechteren Immunsystem. Auch Diabetiker sind stärker gefährdet. Oder Sportler. Zu oft tummeln sie sich in Gemeinschaftsduschen oder stecken ihre Füße in feucht-warme Sportschuhe - optimaler Nährboden für Fußpilz.

Meist schlägt der Nagelpilz an der Nagelspitze zu, er tummelt sich aber auch gern in den Zehenzwischenräumen. Befällt er erst einmal den Nagel, verändert sich dieser, wird brüchig, dicker, sieht ruppig, irgendwann gar unschön gelblich aus. Bei den ersten Verdachtsmomenten sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wer infiziert ist, sollte aus Rücksicht weder im öffentlichen Raum noch zu Hause barfuß laufen, ein eigenes Handtuch für die Füße nutzen sowie Nagelscheren, Feilen, Socken und Schuhe nach Gebrauch sorgfältig desinfizieren. (mte) (Nachgefragt)
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