Gabi und Manfred Laurich haben mit Kebba einen Pflegesohn aus Gambia
"Gott versteht dich schon"

Sie verstehen sich bestens (von links): Manfred und Gabi Laurich mit Kebba Jagne. Als er 18 wurde hat das Jugendamt ihm eine erweiterte Pflegschaft vermittelt. "Weil er so fleißig war und die Unterbringung in Camp Pitman für Jugendliche nicht ideal ist", sagt Gabi Laurich. Bild: Porsche

"Kebba hat gesagt, er probiert es einen Monat mit uns." Manfred Laurich schmunzelt. "Ja, weißt du", erklärt Kebba. "Ich sehe dich. Aber ich sehe nicht in dein Herz." Deshalb die Probezeit. "Aber jetzt weiß ich es." Was? Dass er sich mit seinen Pflegeeltern Gabi und Manfred Laurich bestens versteht.

"Kebba ist von Grund auf ein herzensguter Kerl", sagt Gabi Laurich. Deshalb machen ihm auch die jüngsten Anschläge - die Axt-Attacke in Würzburg und der Bombenanschlag in Ansbach - zu schaffen. "Wenn ich das höre, bin ich traurig", sagt der 18-Jährige aus Gambia. Sicher gebe es auch Flüchtlinge, die Ärger machen, rattert er in seinem leicht gebrochenen, aber sehr schnellem Deutsch herunter. "Aber" - und das betont er immer wieder - "nicht alle Flüchtlinge sind gleich."

"Pflegschaft funktioniert"


Er empfindet großes Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen. Seine große Sorge ist, dass die deutschen Mitbürger nun alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren könnten. Die Befürchtung von Gabi und Manfred Laurich ist, viele Mitbürger könnten durch die schrecklichen Attentate so verängstigt werden, dass sich keine Pflegeeltern für junge Flüchtlinge mehr finden. Dabei würden die dringend gesucht. "Wir wollen allen Interessierten trotz der furchtbaren Ereignisse Mut machen, dass so eine Pflegschaft funktioniert und dass sie keine Berührungsängste haben müssen."

Mit Kebba Jagne haben die Weidener Stadträtin und ihr Mann offenbar ein besonders pflegeleichten Jugendlichen aufgenommen. Der sagt zur Begrüßung "Servus", hat sich als begeisterter Kicker im VfB Rothenstadt schon viele Freunde gemacht und ist auch beim Essen alles andere als heikel, obwohl er ein Muslim ist. Der junge Mann sieht das ganz pragmatisch: "Ich muss aufpassen, was ich mit den Menschen mache. Das ist Gott wichtig. Aber was ich esse, das ist meine Entscheidung." Wenn er zu Gast sei, esse er das, was er bekommt. Kebba ist überzeugt: "Gott versteht dich schon."

Dabei war die Verköstigung Gabi Laurichs größte Sorge, als das Jugendamt ihr und ihrem Mann den Jugendlichen aus Gambia ans Herz gelegt hat. "Aber er ist völlig unkompliziert. Er isst alles, von Szegediner Gulasch bis Tafelspitz. Schweinebraten mit Knödel ist sogar sein Leibgericht." Wenn Kebba selbst kocht, gibt es meistens italienische Küche: Lasagne oder Spaghetti Carbonara.

Noch viel nachzuholen


Mutter und Geschwister hat Kebba in Gambia zurückgelassen, als er sich vor fast drei Jahren als Jüngster der Familie auf die Flucht machte. Sein Vater ist schon lange tot. Zwei Monate dauerte seine Flucht nach Italien. Von dort zog er nach neun Monaten weiter nach Deutschland, weil er in Italien keine Schule besuchen konnte. Er will Deutsch lernen und hier eine Ausbildung machen. Dafür wird er auf Anraten seines Lehrers weiter eine Flüchtlingsklasse an der Berufsschule besuchen, weil er in Gambia nur ein Jahr lang an der Schule war und deshalb viel nachzuholen hat.

Wenn alles weiterhin so gut läuft, wird Kebba drei Jahre bei seinen Pflegeeltern in Rothenstadt bleiben. Die haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. "Sowohl bei unseren Kindern, die längst aus dem Haus sind, als auch bei den Nachbarn oder beim VfB." Kebba sei überall mit offenen Armen aufgenommen worden.

Das Ehepaar nimmt sich viel Zeit für Gespräche mit dem jungen Mann. "Das braucht er auch", sagt Gabi Laurich, wie zum Beispiel jüngst nach den Attentaten. "Das Ganze hat sich vom ersten Moment an super entwickelt. Das Zusammenleben mit ihm ist einfach. Wir profitieren alle davon." (Angemerkt)
2 Kommentare
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Dieter Schmid aus Erbendorf | 01.08.2016 | 15:53  
Jutta Porsche aus Weiden in der Oberpfalz | 02.08.2016 | 19:31  
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