Gag-Schreiber Christian Huber aus Klardorf
Böhmermann-Zwitscherer

Christian Huber schickt die Gags für Jan Böhmermanns wöchentliche Satire-Show. Bild: Philipp Gladsome
 
Satiriker und Moderator Jan Böhmermann steht derzeit schwer in der Kritik. Bild: dpa

Berühmt dank Twitter: Christian Huber, alias Pokerbeats, aus Klardorf (Kreis Schwandorf) teilt über den Kurznachrichtendienst scheinbar Alltägliches einer großen Fangemeinde mit. Unter seinen Followern befindet sich auch Satiriker Jan Böhmermann, der den Oberpfälzer prompt als Gag-Schreiber verpflichtete.

Weiden/Berlin. Wenn sich im ZDF einmal wöchentlich der Vorhang für Jan Böhmermann in seiner Sendung "Neo Magazin Royal" öffnet, folgt ein etwa fünfminütiger satirischer Rückblick auf die dominierenden Themen der zurückliegenden Woche. Der Comedian steuert süffisant und mit stets spitzer Zunge seine Einschätzung bei. Die Gags entstammen aber nicht etwa Böhmermanns eigenem Ideenreichtum, sondern werden von einem eigens engagierten Autoren-Team geliefert. Huber ist einer dieser Witze-Schreiber.

"Per E-Mail bekomme ich eine Liste mit vier bis acht aktuellen Themen, die Böhmermann beabsichtigt zu kommentieren. Innerhalb 24 Stunden formuliere ich dazu Gags und schicke sie an die Redaktion", erklärt Huber im Gespräch mit unserer Zeitung. Aus den Vorschlägen der Autoren, filtert Böhmermann die, seiner Meinung nach, besten heraus. "Bisher habe ich nie für den Papierkorb geschrieben, sondern meine Gags waren bisher eigentlich in jeder Sendung präsent."

Beliebter Twitterer


Als Sprungbrett diente dem 32-Jährigen dabei der Kurznachrichtendienst Twitter. Täglich lässt er seine Fangemeinde an seinem Leben teilhaben. Fast 30 000 Follower verzeichnet der gebürtige Oberpfälzer, der mittlerweile in Berlin lebt. Das macht ihn zu einem der beliebtesten, deutschen Twitterer - abgesehen von Größen der Sport-, Mode- oder Musikwelt, wie Mesut Özil oder Heidi Klum. "Ich verarbeite auf Twitter, was täglich passiert. Das finden viele scheinbar amüsant und unterhaltsam."

Für Huber fristet der Microblogging-Dienst im Schatten des mächtigen Zuckerberg-Imperiums Facebook noch ein Stiefmutter-Dasein. Dabei sei es längst das "schnellste Medium", bei dem die "Hemmschwelle, sich zu öffnen, geringer ist, als bei Facebook". Hinzu kommt Hubers Wortwitz: In einem oder maximal zwei Sätzen beschreibt er Alltagssituationen gekonnt pointiert. "Etwa wenn mich beim Joggen ein Dreijähriger dreimal mit seinem Holz-Fahrrad überholt, weil er ständig stehenbleibt und wartet."

Promis als Fans


Die Liste der Follower ist prominent besetzt: Neben vielen Leuten aus der Medien- und Verlagsbranche tummeln sich dort etwa Harald Schmidt, Reiner Calmund, Cro - und eben Jan Böhmermann. "Er hat mich per E-Mail kontaktiert, dass er meine Tweets äußerst unterhaltsam findet und ob ich mir vorstellen könnte, für sein Autoren-Team zu arbeiten. Da musste ich nicht lange überlegen", erinnert sich Huber an den ersten Kontakt mit dem Moderator, den er zwar noch nie persönlich getroffen hat, aber mit dem er hin und wieder per Mail kommuniziert. Inzwischen liegen dem Wahl-Berliner mehrere Autor-Anfragen von Comedians und TV-Sendungen vor. Verraten will er künftige Engagements aber erst, "wenn etwas unterschrieben ist".

Chartstürmer


Dass Huber einmal vom "Schreiben leben" kann, war so nicht geplant. In Regensburg geboren, wuchs Huber in Klardorf auf, ging dort zur Schule und arbeitete von 2006 bis 2010 im Funkhaus Regensburg. Ab 2007 versuchte er sich als professioneller Musiker, schrieb und komponierte Songs für internationale Künstler - nicht ganz erfolglos: "Vierfach Album-Platin in der Schweiz und Album-Platin in Australien", erwähnt Huber fast beiläufig die wohnzimmerliche Zierde. In zwölf Ländern schafften Alben, an denen er mitwirkte, den Sprung in die Charts. Er ging schließlich nach Berlin, um von der Musik leben zu können. "Das war jedoch ein Trugschluss. Ich konnte gerade so Miete und Essen bezahlen und hielt mich mit Mühe über dem Existenzminimum", blickt Huber auf den schwierigen Start in den Hauptstadt zurück. Viele Künstler, mit denen er zusammenarbeitete, hatten zudem "nicht die beste Zahlungsmoral".

Aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername Pokerbeats, den er sich allerdings "nicht noch einmal aussuchen" würde. Huber sah sich gezwungen, Teilzeit in einem Online-Unternehmen und einer Software-Firma zu jobben. Und entdeckte eben Twitter für sich. Neben Böhmermann wurde dadurch auch der Piper-Verlag auf Huber aufmerksam und machte den Vorschlag, ein Buch zu schreiben. Mittlerweile hat er sein Erstlingswerk ("Fruchtfliegendompteur") auf den Markt gebracht und arbeitet bereits am Nachfolger. "Diesmal wird's ein Roman - mehr will ich noch nicht verraten." Natürlich kommt auch das medial-allgegenwärtige Schmähgedicht Böhmermanns auf den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zur Sprache. Allerdings will sich Huber dazu nicht äußern, da er bei dieser Thematik nicht involviert war.

Ich verarbeite auf Twitter, was täglich passiert. Das finden viele Leute anscheinend amüsant und unterhaltsam.Christian Huber


Toni Lauerers Plädoyer für die Presse- und SatirefreiheitFür den Oberpfälzer Humoristen Toni Lauerer hat die Debatte um Jan Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan eine Dimension angenommen, "die der ganze Krampf nicht wert ist". Satire sei ein schützenswertes Gut, so lange keine "bewusst persönliche Beleidigung" geäußert wird. "Nur bei Hitler wäre alles erlaubt gewesen, um den Idioten wegzubekommen." Da Böhmermann dem Gedicht einen erklärenden Kommentar vorschaltete, könne Lauerer den Moderator verstehen. In der Haut von Kanzlerin Angela Merkel möchte Lauerer aktuell nicht stecken, weil er nicht wüsste, wie er sich verhalten würde. "Wir müssen nur aufpassen, dass nicht nur noch Humor erlaubt ist, der den Staatschefs gefällt. Sonst sind wir wieder bei der Zensur wie zu Zeiten des Dritten Reichs."


Best of Hubers TweetsDer Deutsche macht ja nicht so schnell wegen irgendwas den Mund auf, aber wehe, man legt keinen Warentrenner auf das Einkaufsband.

"Ist mit Ihnen alles okay? Sie sehen so traurig aus", spricht mich die nette Dame in der Straßenbahn an. Ich bin auf dem Weg zum Sport.

Ich habe den Duschvorhang gewaschen und vielleicht gerade eine Viertelstunde überlegt, wo ich den zum Trocknen aufhängen könnte.

"Oh, haben Sie sich zu Karneval als Linienrichter verkleidet?" "Was?" "Naja, wegen Ihrer Fahne." Ich mache mich beliebt in der S-Bahn.

"Dahoam is Dahoam" ist das deutsche Breaking Bad.

Ich habe hungrig Kuchen gekauft. Um es kurz zu machen: Mir gehört jetzt eine Bäckerei.

Ich habe eben meine Steuererklärung fertig gemacht. Um es kurz zu machen: Wer keine Briefkastenfirma in Panama hat, ist der Depp.

Ich führe ein Leben wie Hugh Hefner. Also ohne die Frauen. Und ohne das Geld. Eigentlich trage ich nur oft einen Bademantel.
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