Gelungener Schachzug
Interview mit Schulschachrefernt Johannes Paar

Er freut sich wie ein König: Lehrer Johannes Paar hat es möglich gemacht, dass die Hans-Scholl-Realschule am Montag den Titel "Deutsche Schachschule" erhält. Bild: frb

Schach ist langweilig? Ein Hinterzimmer-Sport? Stimmt nicht. Das beweist die Hans-Scholl-Realschule seit längerem. Jetzt wird sie zur "Deutschen Schachschule".

Bei den schulinternen Teilnehmerzahlen setzt Schach sogar Fußball matt. Der Einsatz für den Sport am Brett macht sich nun bezahlt: Die Hans-Scholl- erhält am Montag - als erste Realschule bundesweit - das Qualitätssiegel "Deutsche Schachschule". Verantwortlich dafür sind Lehrer um Johannes Paar, Leiter der Schach-AG an der Bildungsstätte sowie Schulschachreferent für den Bezirk Oberpfalz.

Herr Paar, wie sind Sie selbst zum Schach gekommen?

Johannes Paar: Angefangen hat es bei mir in der fünften Klasse, als ich in der Schule Schach gespielt habe. Mit 13 Jahren bin ich dann einem Schachverein beigetreten, und mit 16 habe ich den Übungsleiterschein gemacht. Danach unterrichtete ich Jugendliche im Schachverein. Dabei habe ich dann auch gemerkt, dass Pädagogik etwas ist, was mir Spaß macht, und bin vielleicht auch deshalb Lehrer geworden.

Wie kam es dann dazu, dass Sie Ihr Hobby in Ihren Beruf einbrachten?

Paar: Als Lehrer ist es immer gut, wenn man außerhalb seiner Fächer etwas zu bieten hat. Bei mir war das eben das Schachspielen. Ich wollte eigentlich schon an meiner alten Schule in Bayreuth eine Schach-AG gründen, doch dann wurde ich nach Weiden versetzt. Deshalb habe ich mein Vorhaben an der Hans-Scholl-Realschule in die Tat umgesetzt. Gestartet haben wir mit einem Anfängerkurs. Da hieß es für die Schüler: Heute spielen wir mal Schach. Und dann war die Hütte voll.

Wie kann man sich die Schach-AG genau vorstellen?

Paar: Sie findet einmal wöchentlich für 45 Minuten statt. In den ersten 10 Minuten zeige ich den Schülern Tipps und Tricks. Danach werden ein paar Partien gespielt. Wir haben einen Anfänger- und einen Fortgeschrittenen-Kurs.

Und wie kommt Schach bei den Jugendlichen an?

Paar: Die Schach-AG ist bei uns das meistbesuchte Wahlfach. Wir haben sogar mehr Schüler als die Fußball-AG. Die meisten Kinder können aber auch schon Schach spielen, wenn sie zu uns kommen. Das erstaunt mich immer wieder, und das finde ich natürlich klasse.

Warum sollten sich die Schüler für das Wahlfach Schach entscheiden?

Paar: Ganz einfach, weil es Spaß macht. Man sollte es auf alle Fälle ausprobieren. Schach ist cool, wenn man es cool macht. Außerdem ist beim Schach einfach alles möglich. Bei uns spielen auch Fünftklässler gegen Zehntklässler. Dass die Kleinen gegen die Großen gewinnen, ist dabei keine Seltenheit.

Am Montag wird die Hans-Scholl-Realschule als "Deutsche Schachschule" ausgezeichnet. Wie kam es dazu?

Paar: Wir haben uns bei der Deutschen Schachjugend für diese Auszeichnung beworben. Ohne die Hilfe meiner Kollegen Frank Jesse und Paul Durst hätte ich das allerdings nicht gemacht, weil es ein großer Aufwand ist. Um das Siegel "Deutsche Schachschule" tragen zu dürfen, müssen viele Punkte erfüllt werden: Räumlichkeiten, Schachausstattung, Turnierangebote, eine gewisse Außenwirkung, qualifiziertes Schachtraining, soziales Engagement, strukturelle Einbindung der AG als auch die Finanzierung spielen eine große Rolle. Umso glücklicher sind wir natürlich, dass es jetzt geklappt hat und wir am Montag als erste Realschule Deutschlands das Qualitätssiegel erhalten.

Bei der Verleihung wird Einiges geboten. Was genau erwartet die Schüler am Montag?

Paar: Besonders freut uns, dass der deutsche U18-Meister, Florian Ott, und Andreas Rupprecht, der einzige einheimische Oberpfälzer, der den Titel "Internationaler Meister" trägt, am Montag gegen 40 Gegner gleichzeitig im Schach antreten werden. Das wird für die Schüler mit Sicherheit eine spannende Erfahrung. Außerdem erwarten uns eine Zauberwürfeleinlage und ein Gedächtniskunststück.
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