Gemeinschaftsunterkunft der Regierung füllt sich
200 Bewohner im Camp Pitman

Hier gilt noch: Zimmer frei. 200 von 300 Plätzen in der Gemeinschaftsunterkunft sind aber schon belegt. MdB Uli Grötsch besuchte mit OB Kurt Seggewiß das Camp Pitman. Im Bild ein typischer Zwei-Personen-Container. In Richtung Fenster reiht sich an das Bett noch ein weiteres Bett an. Bild: Götz

17 bis 20 Familien aus der Mehrzweckhalle können in der letzten Februarwoche in die Gemeinschaftsunterkunft in der Kasernenstraße umziehen. Dort erwartet sie im Altbau (40 Zimmer) oder in den neuen Containern (83) zwar auch kein Luxus. Aber sie verfügen künftig über 17 Quadratmeter pro Person - mit Tür.

Dies teilte am Donnerstag Eugen Schmidt mit. Der Leiter der Regierungsunterkunft und seine Stellvertreterin Johanna Prösl hatten sich für diese Umquartierung stark gemacht. OB Kurt Seggewiß vernahm die Neuigkeit mit Erleichterung: "Das müssen wir sofort in die Halle weitergeben." In der Mehrzweckhalle sind etwa 240 Flüchtlinge (50 Kinder) untergebracht, die dort großteils schon seit Monaten ausharren.

Das Camp Pitman füllt sich. Am Donnerstag waren es 197 Bewohner aus 17 Nationen. Am stärksten vertreten sind Irak (62), Syrien (50), Somalia (12), Pakistan (11), Afghanistan (11), Aserbeidschan (10) und Ukraine (10). Die Gesamtkapazität der Weidener Regierungsunterkunft liegt bei 529 Plätzen: Camp Pitman plus Außenstellen in Weiden, Etzenricht, Altenstadt/WN und Waldau. "Wir sind damit die größte Gemeinschaftsunterkunft der Oberpfalz", so Schmidt.

Wir haben im Sommer eine Willkommenskultur geschaffen. Wir können jetzt nicht sagen, die Kommunen zahlen's.MdB Ulrich Grötsch

10-Stunden-Tage sind für die 7 Regierungsmitarbeiter der GU in Weiden Alltag. Regierungsdirektor Dr. Rolf Mehringer (Sachgebietsleiter Flüchtlingsbetreuung) betonte die ungebrochen hohe Motivation. "Es ist wie beim Bergsteigen. Man macht es gern. Aber wir sehen den Gipfel nicht." Grötsch kannte den aktuellen Personalschlüssel von einem Mitarbeiter auf 75 Bewohner, der nicht nur aufgrund der hohen Arbeitsbelastung ein Problem sei. Götsch glaubt, dass daran in kleinen Orten die Eröffnung neuer Unterkünfte scheitert. Durch diesen Personalschlüssel ist organisatorisch eine Mindestbelegung mit 150 Bewohnern sinnvoll. Das sei vielen Gemeinden zu groß.

Mitten unter den Asylbewerbern haben zwei Mitarbeiter der Diakonie Büros in Containern bezogen: Ehrenamtskoordinator Manfred Weiß und Asylberaterin Juliane Wudtke. Weiß betreut die Paten des "Netzwerks Asyl". Drei bis fünf Ehrenamtliche kümmern sich um je eines der sechs Stockwerke der drei Containerhäuser. Sie sind Ansprechpartner in Fragen des Alltags (Kindergarten, Arzt, Behörden). Am Ende gab es Anerkennung für alle von allen. Grötsch: "Hochachtung an die Hauptamtlichen, die auf äußerst professionelle und empathische Art ihre Arbeit machen. Dank auch an die Ehrenamtlichen, die Herausragendes leisten."


Wohnungsbau großes Thema

MdB Uli Grötsch bekam ein dickes Aufgabenpaket mit nach Berlin. "Aber das trage ich gerne." OB Kurt Seggewiß hatte im Camp Pitman konkrete Anliegen. Schon jetzt gibt es 35 "Fehlbeleger" in der Gemeinschaftsunterkunft, sprich: Menschen, die einen Aufenthaltsstatus hätten, der ihnen erlaubt, auszuziehen. "Aber wir kriegen sie nicht weiter, weil wir keine Wohnungen haben." Der Markt ist leergefegt.

Wenn jetzt ein Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau aufgelegt wird, ist das begrüßenswert. Aber: Wenn ein Teil der Flüchtlinge - und davon ist auszugehen - zunächst Hartz-IV-Empfänger bleibt, muss die Stadt ihre Mieten zahlen. Welche Stadt forciert unter diesen Voraussetzungen Wohnraum? Um den Teufelskreis zu lösen, regt Seggewiß den Bund an, sich an den Unterkunftkosten zu beteiligen. Grötsch: "Der Bund ist extrem gut aufgestellt: 12 Millionen Haushaltsüberschuss." Seggewiß spricht auch selbst in Berlin vor: am 25. Februar bei Sigmar Gabriel.
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