Gericht schickt 27-Jährigen für ein Jahr ins Gefängnis
Drei Promille: Ladendieb sieht rot

(rns) In den Taschen seines weiten schwarzen Mantels ließ er Erdnüsse, eine Dose Ravioli, Kaffee, eine Wurst und zwei Flaschen Rum verschwinden. Der Diebstahl in einem Verbrauchermarkt am 8. Juni diesen Jahres war allerdings nicht der alleinige Grund, weshalb Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und zwei Schöffen den 27-jährigen Weidener jetzt zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilten.

Denn als der Mann die Kasse passiert hatte, ohne die Waren zu bezahlen, war er vom Filialleiter aufgehalten worden. Diesen verletzte der Arbeitslose, als er sich losreißen wollte. Und einen der wenig später eingetroffenen Polizisten beleidigte er, als sie ihn durchsuchten, mit üblen Ausdrücken. Als Erklärung für seine Tat, die er aufrichtig bereue, gab der damalige Bewohner der Obdachlosenunterkunft Schustermooslohe an, dass er "Lebensmittel gebraucht und keine Zahlungsmittel gehabt" habe.

Als Sportler erfolgreich


Er sei als Kind aus Kasachstan nach Deutschland gekommen, habe nach einer erfolgreichen Schulzeit und Sportlerkarriere eine Lehre angefangen, diese aber wegen einer Inhaftierung nicht abgeschlossen. Danach sei er dem Alkohol verfallen, "um ein Stück weit der Realität zu entkommen". Das Bundeszentralregister des Angeklagten sprach dazu Bände. Nach Verurteilungen wegen Körperverletzungsdelikten als Heranwachsender folgten später immer wieder Strafen wegen Diebstahls. Stets war Alkohol unter dem Diebesgut, stets stand der Mann unter starkem Alkoholeinfluss. Erst im August war er zwei Mal wegen Ladendiebstahls zu je zwei Monaten verurteilt worden. Jedes Mal hatte er knapp drei Promille im Blut gehabt - so wie bei der angeklagten Tat auch.

Die Zeugen - der Marktleiter, die Kassenkraft, eine Verkäuferin und die Polizisten - hatten zwar bemerkt, dass der Dieb "irgendwie seltsam" und "alkoholisiert oder unter Drogen" gewesen war. Größere Ausfallerscheinungen oder gar Torkeln seien jedoch nicht zu erkennen gewesen. Lediglich der Polizist, den er später beleidigte, berichtete, dass der Angeklagte stark aggressiv geworden war, als man die beiden Rum-Flaschen in der noch nicht durchsuchten Innentasche seines Mantels entdeckt hatte.

Dies alles sprach für eine alkoholbedingte Enthemmung des stark alkoholgewohnten Mannes, was ihm Staatsanwältin Franziska Paintner auch zugute hielt. Zudem seien die Verletzungen des Filialleiters und die Gewaltanwendung bei der Tat nur geringfügig gewesen. Paintner plädierte auf ein Jahr Freiheitsstrafe, worin die beiden letzten Vorstrafen einbezogen wären. Rechtsanwalt Thomas Dolmàny hielt diesen Antrag für angemessen. Ein Angebot des Gerichts, den Angeklagten statt ins Gefängnis auf eine stationäre Therapie zu schicken, hatte dieser abgelehnt.
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