Gerüchte über Flüchtlinge: Internetseite Hoaxmap listet Fälle aus Weiden und der Region
Von Schwänen und Enten

Neues aus der Gerüchteküche bietet die Seite www.hoaxmap.org. Oft ist es Unappetitliches: Es geht um falsche Geschichten über Flüchtlinge. Nun sind auch zwei Fälle aus der Region aufgeführt. Screenshot: hoaxmap.org

Mal sollen sie Schwäne einfangen und aufessen. Mal Gräber schänden. Und dann bekommen sie auch noch, wie schön, vom Amt Bordell-Gutscheine. Was diese Geschichten gemeinsam haben: Sie handeln von Flüchtlingen - und sind Humbug. Hunderte haltlose Gerüchte über Flüchtlinge wandern derzeit getuschelt über Gartenzäune oder durchs Netz. Dagegen wendet sich die Internetseite Hoaxmap. Sie sammelt Gerüchte und stellt ihnen Fakten gegenüber. Nun gibt es auch die ersten Einträge aus Weiden und der Umgebung.

Im Februar ist die Seite, begleitet von großem Medienecho, online gegangen (wir berichteten). Auf einer Deutschlandkarte kann man dort bundesweit nach Hoaxes (englisch für Falschmeldungen) suchen. Einträge aus der Region gab es zunächst nicht - bis in diesen Tagen gleich zwei dazukamen. Der erste beschreibt den angeblichen Überfall auf einen jungen Mann in der Parkanlage hinterm Naabwiesen-Parkhaus. Er soll von mehreren südländisch aussehenden Angreifern ausgeraubt worden sein. Der 22-Jährige hatte die Tat angezeigt - und musste kurz darauf einräumen, dass alles frei erfunden war (wir berichteten).

Der zweite Eintrag handelt von dem vermeintlichen Sex-Angriff durch drei dunkelhäutige Männer auf eine junge Frau. Auch die 19-Jährige hatte den Fall bei der Polizei in Eschenbach angezeigt. Letztlich landete aber sie selbst vor Gericht und muss nun 40 Arbeitsstunden leisten, weil auch hier alles erfunden war. Der NT-Bericht darüber dient den Betreibern von Hoaxmap als Beleg für diese Falschmeldung.

Allerdings sind die beiden Beispiele aus der Region nicht ganz typisch für das Gros der Fälle, denen sich Hoaxmap widmen will. Schließlich klärten sich beide, weil die Urheber der bösen Gerüchte Anzeigen erstatteten und die Polizei dann die Lügengeschichten als solche entlarvte. Die Hauptzahl betrifft dagegen Geschichten, die ohne nachvollziehbaren Ursprung durch virtuelle Welten wabern. Und deren Wahrheitsgehalt selten jemand hinterfragt.

Auch haarsträubende Storys, die sich in Weiden mit Flüchtlingen zugetragen haben sollen, gibt es zuhauf. Ohne dass sie auf Hoaxmap oder sonst wo dokumentiert wären. Dabei muss nicht alles Negative, das jemand über Flüchtlinge schreibt, falsch sein. Natürlich gibt es auch unter ihnen Kriminalität. Sehr häufig aber, und das zeigen auch die beiden Fälle aus der Region, sind Zweifel angebracht. Und ein gegessener Schwan entpuppt sich am Ende als Ente.
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