Gold-Urteil: Berufung eingelegt
Finanzberater selbst Opfer betrügerischer Berliner Stiftung

(Foto: dpa)

Rechtsanwältin Ulrike Möstl hat für ihren Mandanten Berufung gegen zwei Urteile des Landgerichts Weiden eingelegt. Sie vertritt den Finanzmakler, der von Kunden verklagt worden ist. Sie hatten auf seine Vermittlung hin in eine Gold-Anlage der "IWF-Stiftung" investiert. Der Berater ist dabei, so seine Anwältin, selbst zum Opfer eines Berliner Betrügerrings geworden.

Die Zivilkammer des Landgerichts Weiden hatte den Finanzmakler zur Erstattung der 43 000 Euro verurteilt, die seine Kunden verloren haben. Er habe seine Kunden nicht ausreichend über das Risiko des Invests beraten und es selbst nur unzureichend auf Plausibilität überprüft. Jetzt muss als Berufungsinstanz das Oberlandesgericht Nürnberg entscheiden. Aus Sicht von Anwältin Ulrike Möstl müsse gewürdigt werden, wie überzeugend die "BWF-Stiftung" deutschlandweit rund 600 Vertriebler anwarb. "Das stellte sich als schlüssiges Gesamtbild dar." Im Konzept war vom Ankauf von physischem Gold die Rede. Die versprochenen Gewinne sollten laut BWF durch Zwischenhandel, etwa mit Juwelieren, erzielt werden. "Das war plausibel."

Wie Ulrike Möstl betont, habe ihr Mandant das Anlagekonzept kritisch geprüft. "Er konnte sich dabei auf die Aussagen fachkundiger Berufsträger verlassen." Ein Verbraucherschutzanwalt aus Berlin, der heute noch praktiziert, bürgte für die Seriosität der Stiftung. Ein Wirtschaftsprüfer veröffentliche regelmäßig Testate der Goldvorräte im Internet.

Am Ende fand die Polizei bei einer Razzia statt der angeblichen 4,7 Tonnen "nur" 320 Kilo Gold. Das Insolvenzverfahren läuft noch. "Es ist noch nicht klar, wie hoch der Schaden eigentlich ist", meint Ulrike Möstl. Für die Gläubigerversammlung musste aufgrund der Vielzahl der betrogenen Anleger und ihrer Anwälte ein Hörsaal der TU Berlin angemietet werden. In seinem ersten Bericht teilt der Insolvenzverwalter die Ansicht, dass auch die meisten der 600 Vermittler Opfer und nicht Täter seien. Sie sind als "schwächstes Glied in der Kette der BWF-Ereignisse" am leichtesten Schadensersatzforderungen der Kunden ausgesetzt.
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