Grab aus der Bronzezeit
Seltener Fund im Neubaugebiet

Der Archäologe Olaf Krause legt in Neuberg-Ravolzhausen (Main-Kinzig-Kreis) nach dem unerwarteten Fund eines etwa 3000 Jahre alten Grabes aus der Bronzezeit Teile eines Gebisses frei. Forscher hatten vor dem Beginn von Bauarbeiten eigentlich nach Überresten des Limes, des Grenzwalls des Römischen Reiches, gesucht. Stattdessen fanden sie nahe der Erdoberfläche das gut erhaltene Steinkammergrab. Bild: dpa
 
Historische Büste, die Hannibal zugeschrieben wird. Bild: hfz

Bevor die Bagger in einem Neubaugebiet im Main-Kinzig-Kreis (Hesse) anrollten, sollte noch nach Überresten des früheren Grenzwalls des Römischen Reiches geforscht werden. Zahlreiche Überreste davon konnten in Hessen bereits aufgespürt werden. Doch als die Fachleute vorsichtig die obere Erdschicht abtrugen, machten sie einen überraschenden und etwa 1000 Jahre älteren Fund.

Solch ein Fund wird nur alle paar Jahre mal gemacht", freut sich Eveline Grönke, Sprecherin von Hessen-Archäologie. Die Rede ist von einem rund 3000 Jahre alten Grab aus der Bronzezeit. Nach geophysikalischen Untersuchungen des Neubaugebiets war klar: Irgendetwas muss sich im Untergrund befinden. Doch mit einer Grabstätte aus der ausgehenden Bronzezeit zwischen 1200 und 800 vor Christus hatten die Experten nicht gerechnet. "Das Besondere ist: Es ist ein reichhaltiges, gut erhaltenes Grab, das von Zeitgenossen unberührt blieb und nicht geplündert wurde", sagt Kreisarchäologe Claus Bergmann bei der Präsentation des Fundes.

Zähne und Rippenbögen


Neben menschlichen Überresten, darunter ein Kiefer samt Zähnen, Oberschenkelknochen und Rippenbögen, fanden die Forscher in der Steinkammer etwa 60 Zentimeter unter der Ackerboden-Oberfläche auch Grabbeigaben. Dazu gehören Schmuck, ein Messer und Keramikgefäße. "Es herrschte offenbar der Glaube, dass die Menschen nach dem Tode weiterlebten. Deswegen wurden die Gegenstände beigelegt", erklärt Bergmann.

Eine weitere Erkenntnis: Die wertvollen Beigaben verraten auch, dass die in dem etwa drei mal fünf Meter großen Grab bestattete Person zu Lebzeiten eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein muss. Eine Zuordnung zu einer Bevölkerungsgruppe ist laut Bergmann für dieses Zeitalter aber sehr schwierig. Ungewöhnlich ist auch die Körperbestattung. Denn in der Regel wurden die Toten damals verbrannt. Möglich, dass die sterblichen Überreste einer weiteren Person in dem Grab beigesetzt wurden. Die Forscher fanden darin noch Aschereste mit verbrannter Bronze.

Von der Bronzezeit haben Menschen heute keine allzu genaue Vorstellung. In der Epoche waren nicht einmal Eisenwerkzeuge bekannt. In Israel herrschte König David, und das Reich der Pharaonen, der altägyptischen Könige, war im Niedergang begriffen. "An Rom und Athen hat zu der Zeit noch niemand gedacht", erläutert Bergmann den zeitlichen Kontext.

Bezirksarchäologe Dieter Neubauer zeigt sich begeistert von dem Fund: "Unter unseren Füßen schlummert noch immer jahrtausendealte Geschichte." Er freue sich, wenn die Bevölkerung durch solche Entdeckungen sensibilisiert werde. Die Funde würden nun dokumentiert, geborgen und restauriert. "Dann sollen sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wir machen das hier schließlich nicht zum Selbstzweck."

Fruchtbarer Boden


Nach Auffassung der Experten ist es gut möglich, dass in Zukunft weitere solcher Gräber bei Baumaßnahmen entdeckt werden. "Die Region hat fruchtbaren Boden. Es wurden im Lauf der Geschichte immer wieder Menschen zur Ansiedlung in die Gegend gelockt", erläutert Neubauer.

Bereits im Sommer 2003 wurden östlich von Langenselbold bei einer umfangreichen Grabung interessante Zeugnisse aus einer früheren Periode der Bronzezeit geborgen. Dort deuteten zahlreiche Scherben, Hüttenlehm und Spuren von Holzkohle auf eine Siedlung hin. Vor rund fünf Jahren wurde nach Angaben des Landkreises im gleichen Gebiet im Gründautal ein Grabhügelfeld auf dem Rödelberg teilweise freigelegt und ausgewertet.

Pferdeäpfel führen zu Hannibals Alpenweg


Wohl kaum ein antiker Kriegsschachzug fasziniert die Menschheit heute noch so wie Hannibals Alpen-Überquerung. Mit mehreren 1000 Soldaten und Pferden sowie 37 Elefanten soll der Feldherr um 218 vor Christus ins heutige Italien marschiert sein. Dort kämpfte der karthagische Heerführer dann mehrere Jahre lang gegen Rom und musste sich am Ende geschlagen geben. Seine Alpen-Überquerung aber gilt bis heute als logistische und taktische Meisterleistung, die Wissenschaftler begeistert - und verwirrt, denn wo genau Hannibals Tross langzog, ist auch nach mehr als 2000 Jahren Forschung, Diskussion und Streit immer noch nicht geklärt.

Bis jetzt - behauptet ein Team von Forschern rund um den Geologen Bill Mahaney von der kanadischen York Universität in Toronto. "Unser internationales Team hat endlich solide Beweise für die wahrscheinlichste Transitroute erbracht", schreibt Mikrobiologe Chris Allen von der Queens-Universität im nordirischen Belfast in einer Zusammenfassung der Studie. Das Ergebnis: Hannibal kam demnach wohl über den Col de la Traversette. Dieser fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Pass liegt an der französisch-italienischen Grenze, südöstlich von Grenoble und südwestlich von Turin.

Ein große Menge


An einem kleinen See am Rand des Alpen-Passes fanden die Forscher eine große Menge uralter Kotreste, möglicherweise von Pferden, die sie auf etwa 200 vor Christus datieren konnten. "Das ist eine der wenigen Stellen in der Gegend, die zum Tränken großer Tiergruppen benutzt werden konnte", schreibt Forscher Allen. "Sie wurde ursprünglich bei geologischen Expeditionen in die Gegend entdeckt und entspricht Beschreibungen von dem Terrain, durch das Hannibal zog."

Diese Beschreibungen stammen hauptsächlich von den antiken Geschichtsschreibern Polybios und Titus Livius, die selbst nicht Teil von Hannibals Tross waren, aber möglicherweise mit Augenzeugen beziehungsweise deren Nachfahren gesprochen hatten. Auf Basis hauptsächlich dieser Quellen hatten die meisten Wissenschaftler bislang zu drei möglichen Routen tendiert: Neben dem Col de Traversette waren das noch zwei weiter nördlich und weniger hoch gelegene Pässe, der französische Col de Montgenèvre und der Col de Clapier zwischen Frankreich und Italien.

Der Col de Clapier war bislang der Favorit der Wissenschaftler, da er ziemlich genau auf die Beschreibungen von Titus Livius zu passen schien. Forscher hatten den Pass auch schon mit Elefanten überquert - erfolgreich. Archäologische Beweise waren aber bislang ausgeblieben.

Feindliche Stämme


"Möglicherweise waren die Berichte von Titus Livius eher Fiktion als Fakt", schreibt Forscher Allen, der jetzt den Col de Traversette als Route Hannibals ausgemacht haben will. "Warum Hannibal die schwierigere Traversette-Überquerung ausgewählt hat? Darüber können wir im Moment nur spekulieren." Möglicherweise habe der Feldherr keine Wahl gehabt, weil feindliche Stämme lauerten. Abgeschlossen sei der Beweis seines Forscher-Teams aber noch nicht, warnt Allen. Mit genauerer Gen-Analyse der Bakterien in dem antiken Kot müsse erst noch nachgewiesen werden, dass er wirklich von Pferden oder Menschen stamme. Das könne noch eine Weile dauern.

Trotzdem sorgt die im Fachmagazin "Archaeometry" veröffentlichte Studie des Forscherteams in der Wissenschaftswelt schon jetzt für Wirbel. "Wenn die Beweise in der Studie wirklich auf das dritte Jahrhundert vor Christus zurückzuführen sind, dann sind das fantastische Nachrichten, die die Diskussion aus dem Hypothetischen ein bisschen mehr ins Nachgewiesene heben", sagt die Archäologin Eve McDonald von der britischen Universität Reading, die im vergangenen Jahr ein Buch über Hannibal veröffentlicht hat.

Aber auch McDonald mahnt zu Vorsicht und Geduld. "Solange es keinen eindeutigen Beweis gibt, dass die Hinterlassenschaften aus dieser Studie wirklich von Hannibal und seiner Armee stammen, solange wird die Frage weiter diskutiert werden."
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