Gruppe aus Pilsen sorgt für Abwechslung bei Flüchtlingen in Mehrzweckhalle
Kampf gegen Lagerkoller

Grenzübergreifende Solidarität: Petra Klara Tynovska (Fünfte von links) hat den Besuch in Deutschland gemeinsam mit Manfred Weiß (links) geplant und realisiert. Bild: Otto

Flüchtlinge sind in Tschechien eine Seltenheit. Trotzdem gibt es auch dort Menschen, die helfen. Ein Beispiel: Die Unterstützer-Gruppe aus Pilsen, die am Samstag bei den Bewohnern der Mehrzweckhalle für ein bisschen Abwechslung im Alltagseinerlei sorgt.

Die Angebote der Pilsener sind vielfältig: Ein Klinik-Clown aus Tschechien beispielsweise sorgt für Zirkus-Feeling. Ein jugendlicher Flüchtling versucht sich unsicher auf einem Einrad, die Kinder freuen sich über die Teller, die sich dank der Hilfe des Jongleurs auf ihren langen Stäben drehen.

Einige Meter weiter hat sich eine Gruppe Jugendlicher um die musizierenden Besucher aus Pilsen versammelt. An der Gitarre ist Petra Klara Tynovska. Die junge Frau hat den Besuch der ehrenamtlichen Helfer aus dem Nachbarland geplant, Mitmacher aktiviert und sich mit ihnen auf den Weg gemacht.

Der Koordinator der Diakonie Weiden für Ehrenamtliche im Bereich Asyl, Manfred Weiß, ist froh über solche Unterstützung und die willkommene Ablenkung. Die Weidener Ehrenamtlichen haben mit dem strukturierten Betreuen der Kleiderkammer und anderen alltäglichen Initiativen schon viel zu tun.

Leben im Provisorium


Bald werde es zwar auch eine Kinderbetreuung geben. Im Endeffekt bleibe aber wenig Zeit, alle Flüchtlinge umfassend zu beschäftigen. "Die Menschen leben hier zum Teil schon über viele Wochen, ohne eine Aufgabe zu haben. Ich hätte wahrscheinlich schon nach drei Wochen einen Lagerkoller bekommen."

Wenigstens Familien mit Kindern haben, geschützt durch blickdichte Vorhänge, einen Rückzugsraum. Für die allein angekommenen Flüchtlinge gibt es hingegen keinerlei Privat- und Intimsphäre. Pritsche an Pritsche liegen sie, ein paar haben ihre Isomatte aufgeblasen. Nicht einmal Behelfswände oder Paravents trennen sie voneinander.

Es ist schwer vorstellbar, unter diesen Bedingungen ein ausgeglichenes Gemüt zu bewahren. Das kalte Licht der Lampen, der beständige Geräuschpegel, die Wäsche hängt notdürftig über einigen Raumtrennern. Es ist ein Leben im Provisorium, was sich auf das Seelenleben vieler Flüchtlinge niederschlägt. Auch die 22-jährige Petra Klara Tynovska sagt, sie habe beim Betreten der Halle zunächst Unruhe und Gedrücktheit verspürt. Jetzt, da für ein paar Stunden Leben eingezogen ist, wirken die Menschen gelöster. So etwas wahrzunehmen, ist der Lohn für das Ehrenamt. "Und das Gefühl, einfach das Richtige zu tun."

Nicht wegsehen können


In ihrer Heimat seien Flüchtlinge selten. Aber auch, wenn kaum Menschen in ihrer Heimat Schutz suchen, die Psychologie-Studentin habe trotzdem nicht wegsehen können, als im Fernsehen Bilder von den Zuständen an der kroatisch-serbischen Grenze zu sehen waren, wo die Lage für die Flüchtenden immer prekärer wurde. "Wir sind dann ohne bestimmte Vorstellungen mit zwölf Leuten hingefahren und haben einfach mitgemacht."

Klar habe sie ein bisschen Angst gehabt, dass es gefährlich werden könnte. "Aber es waren so viele freiwillige Helfer da, dass man sich eigentlich sicher gefühlt hat." Nach einer Woche mussten die jungen Tschechen wieder zurückfahren. "Allerdings mit dem Gefühl, noch nicht genug getan zu haben", sagt Petra Klara.

In ihrer Heimat versucht die junge Frau deshalb mit ihren Kommilitonen, ein Bewusstsein für die Flüchtlingskrise zu vermitteln. Sie wollen an Schulen gehen und von ihren Erfahrungen berichten, um so noch mehr Menschen für ihre grenzübergreifende Solidarität zu gewinnen. Europa funktioniert also doch - rein zivilgesellschaftlich.
Es ist das Gefühl, einfach das Richtige zu tun.Petra Klara Tynovska zur gelösteren Stimmung nach ein paar Stunden in der Mehrzweckhalle
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