Günter Grünwald füllt die Max-Reger-Halle
"Deppenmagnet" zieht magisch an

Bloß nicht zum Feind haben: Günter Grünwald bestritt sein Gastspiel gewitzt, aber auf entlarvende Weise intensiv. Bild: uz

Er schreit und schimpft, spricht und erzählt, lacht und grinst. Seine Sprache ist manchmal etwas derb, rührt aber am Wesentlichen. Warum? Weil sie eindringlich ist, genau und unerbittlich. Man möchte ihn zum Freund haben, auf keinen Fall aber zum Feind.

"Deppenmagnet" Günter Grünwald füllt am Montagabend die Max-Reger-Halle. Bis auf den letzten Platz. "Egal, wo ich hingeh', ich zieh' die Deppen automatisch an." Auch wenn er sich wegduckt: "Rums ist er da." Jetzt müssten die Zuschauer eigentlich aufstehen und empört nach Hause gehen. Tun sie aber nicht. Sie lieben das.

Und der Grünwald aus Ingolstadt geht ja auch nicht auf sein Publikum los, sondern, ja, auf wen eigentlich? Vielleicht auf die Seniorin, die in der Obst- und Gemüseabteilung mit ihren "Gichtbratzen" und der Schnupfnase die Auslagen betatscht und beriecht. Von wegen, wenn er mal so alt sei wie die. Er jedenfalls käme nie auf die Idee, so was zu machen. Höchstens bei Avocados, Mangos, Pfirsichen, Nektarinen, Aprikosen...

Kein Porno ohne Tattoo


Immer wieder fragt Grünwald vorsichtig an, ob jemand im Publikum sei, den er anschließend beleidigen werde. Natürlich weiß er, dass Menschen ohne Tattoos im Saal in der Überzahl sind. Ihnen empfiehlt er, sich für eine Rolle als Pornostar zu bewerben. Weil in dieser Branche Nichttätowierte händeringend gesucht würden. Er sprach von einer echten Marktlücke, in die man da stoße. "Es gibt mittlerweile keinen nichttätowierten Pornodarsteller mehr."

Seit Salvador Dali gestorben sei, seien dessen Kunstwerke horrend im Wert gestiegen, weiß Grünwald. "Für den Elefanten mit den dünnen Füßen muss man bestimmt 200 bis 300 Euro zahlen." Was viel zu teuer sei. Im Baumarkt habe er neulich ein Bild von einer Nackten auf einem Pferd am Strand entdeckt. "Das schau ich mir doch viel lieber an als einen Elefanten mit dünnen Füßen."

Baumarkt für alle Fälle


Apropos Baumarkt: Der Hochdruckapparat für den verstopfte Syphon, lässt sich auch medizinisch hervorragend einsetzen. Zum Beispiel, wenn jemand eine Fischgräte im Hals stecken bleibt und nichts anderes mehr hilft. "Da hätte ich beinahe schon mal ein Leben gerettet." Weiter: "Man glaubt gar nicht, was in einem Menschen so alles drin ist."

Nicht umsonst ist Grünwald so populär. Über den Bestseller "40 Tage ohne Handy und Internet": "Ich hab 40 Jahre lang keines gehabt." Und wenn es nach ihm ginge, säße er noch immer auf einem Baum, würde seine Banane fressen und dabei die größte Gaudi haben. Auch ohne Handy. Allerdings gingen seine Einschätzungen nicht immer auf. "Als der Federkiel durch den Kugelschreiber ersetzt wurde, war ich auch skeptisch und hab' geglaubt, der setzt sich nie durch." Grünwald: "Damals bin ich falsch gelegen."

Er sei Kabarettist und kein Nachrichtensprecher. Deshalb dürfe man sein Gerede nicht immer gleich für bare Münze nehmen. Wenn er etwa über den "Neger" lästert, der im abgedunkelten Lokal seinen Schweinsbraten isst und man nur am Gebiss erkennt, dass sich was rührt, dann meint er das nicht so.

Überhaupt würde, wenn es nach ihm ginge - allen Rechtschreibreformen zum Trotz - das Doppel-S abgeschafft und gegen das Scharf-S eingetauscht. Wie blöd hätten im Juli 1941 die Nazis ausgesehen, wenn die Gestapo an die Tür getrommelt und anstatt "Aufmachen, SS!" "Aufmachen Scharf-S" gebrüllt hätte? "Die Leute hätten nicht gezittert, sie hätten Currywurst mit Pommes bestellt."

Kein gutes Haar lässt Grünwald an Starkoch Tim Mälzer und dessen Kochkünsten. Was müsse der ein Kochbuch zu schreiben. "Da reicht ein DIN-A-6-Zettel, wo draufsteht: Nehmen Sie, was Sie wollen."

Und ganz am Schluss - traditionell gehört bei Grünwald die Zugabe zur Show - erfährt das Publikum, dass ein Onkel einmal von Außerirdischen entführt wurde. Nachdem ihn die Aliens umfassend untersucht hätten, hätten sie ihn nackt und ohne Geld vor einem Bordell abgelegt. Grünwald: "So jedenfalls hat er's mir erzählt."
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