"Hammerweg-Prozess": Gerichtsmediziner und Polizisten sagen aus
"Potenziell lebensgefährlich"

(Foto: dpa)

Im "Hammerweg-Prozess" schildert ein Gerichtsmediziner, wie schwer die Angreifer die Senioren verletzt haben. Offen bleibt, wer von den Angeklagten dafür die Hauptschuld trägt. Die Aussagen widersprechen sich.

Die rote Spur beginnt gleich hinter der Haustür. Schon im Eingangsbereich erste Blutspritzer, fast überall im Rest des Hauses gibt es noch mehr davon. Hinzu kommt die Verwüstung. Umgeworfene Sessel, ausgeräumte Schränke. Das Schlafzimmer haben die Täter derart auseinandergenommen, dass die Polizei allein hier zwei Tage braucht, um alle Spuren zu sichern.

Viele Knochenbrüche


Zu sehen ist all das im dritten Prozesstag zum Raubüberfall am Hammerweg. Ein Weidener Polizist spielt dem Gericht eine 3-D-Rekonstruktion des Tatorts ab. Sie zeigt das Haus, in dem die drei geständigen Angeklagten - 34, 40 und 44 Jahre alt - im September 2015 stundenlang drei Senioren gefangengehalten und misshandelt haben sollen, um an möglichst viel Geld und Wertgegenstände zu gelangen.

Wie brutal die Angreifer dabei vorgingen, darauf deuten nicht nur die vielen Spuren im Haus hin, sondern auch die Ausführungen von Rechtsmediziner Professor Dr. Peter Betz. Er hat die drei Senioren am Tag nach dem Raubüberfall untersucht und zum Prozess Bilder von den Verletzungen mitgebracht. Es seien so viele, dass es fast "ein Buch geworden ist". Er zählt Brüche auf, Schnittverletzungen oder Schwellungen. Selbst die damals 89-jährige Bewohnerin habe unter anderem mehrere Rippenfrakturen erlitten. "Das ist durchaus eine potenziell lebensgefährliche Geschichte gewesen." Gleiches gelte für die Verletzungen der anderen zwei Bewohner, eine damals 69-Jährige und deren Ehemann (71).

Offen ist indes weiter, wer von den Angeklagten die meisten Gewalttaten begangen hat. Vor Gericht hatten der 34- und der 44-Jährige die Verantwortung vor allem auf den 40-Jährigen geschoben. Ähnlich war es offenbar auch schon in den Vernehmungen nach ihrer Festnahme gewesen. So berichtet es am Dienstag jedenfalls ein Weidener Kripobeamter.

Die beiden hätten ausgesagt, sie seien von ihrem Komplizen regelrecht genötigt worden, die Frauen zu fesseln. Geschlagen hätten sie aber insbesondere die Frauen nicht. Allerdings macht der Beamte deutlich, dass er Zweifel an dieser Version habe. Zum einen passten Angaben der Senioren nicht dazu. Zum anderen hätten die beiden ihre Aussagen vor der Vernehmung wohl abgesprochen. Bezeichnend sei auch, dass die zwei für die Tat den 40-Jährigen engagiert hätten, dem ein zweifelhafter Ruf vorauseile. Die beiden haben nach eigenen Angaben zunächst alleine die Weidener Familie ins Visier genommen und dann den Helfer hinzugezogen, der unter anderem als Geldeintreiber - Provision: 10 bis 30 Prozent - tätig war. Dabei kann der kaum als seriös gelten. Im Gegenteil.

Mehrfach im Gefängnis


Der 40-Jährige musste in Tschechien mehrfach ins Gefängnis. Unter anderem wegen Erpressung, Raubs oder Gewalttaten - auch gegen Polizisten. Dem Kripobeamten sagte er jedoch in seiner Vernehmung, er habe am Hammerweg den 71-Jährigen ursprünglich nicht schlagen wollen.

Der 34-Jährige ist nicht vorbestraft. Der 44-Jährige einmal: Er stand im September 2015 wegen eines Drogendeals unter Bewährung. Allerdings soll er mit dem 34-Jährigen gleich nach der Tat am Hammerweg einen weiteren Überfall in Tschechien versucht haben. Der Prozess wird am Donnerstag, 1. Dezember, um 9 Uhr fortgesetzt.

Rätselhafte Gewürze am Tatort"Das war für uns erst einmal ein Rätsel", sagt ein Weidener Kripobeamter im Prozess. Nach dem Raubüberfall fand die Polizei überall im Haus Gewürze wie Paprika, die offenbar die Täter verstreut hatten. Inzwischen weiß der Beamte eine plausible Erklärung: In Tschechien nehme die Polizei - anders als in Deutschland - an Tatorten regelmäßig Geruchsproben, um später Verdächtige mit Hilfe eines Hundes zu überführen. Einer der drei tschechischen Angeklagten sei wohl davon ausgegangen, dass dies auch hierzulande üblich sei und habe gehofft, so Geruchsspuren zu vernichten. (fku)
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