"Hammerweg-Prozess": Täter wollten sich Lebensstil finanzieren
"Viele Lügen"

Neun Jahre Haft für zwei der Täter, elf für den dritten. So lautet das Urteil im "Hammerweg-Prozess". Daneben versucht das Gericht eine Erklärung, warum es überhaupt zu der brutalen Tat kam.

Das letzte Wort wollen sich die drei Angeklagten nicht nehmen lassen. Der 34- und der 44-Jährige schicken Entschuldigungen an die Adresse der Familie, die sie überfallen haben. So wie am Schluss auch der 40-Jährige. Nur, dass der obendrein noch einen Satz an seine beiden Komplizen nachschiebt: "Ich habe in meinem Leben viele Lügner kennengelernt, aber die zwei sind bei mir auf Nummer eins."

Zwischen den dreien, die nach Auffassung des Gerichts im September 2015 drei Senioren in deren Haus am Hammerweg überfallen und stundenlang misshandelt haben, herrscht längst Abneigung. Das liegt nicht nur daran, dass die beiden Mittäter nach ihrer Verhaftung die Polizei auf die Spur des 40-Jährigen gebracht hatten. Auch im Prozess haben sie angegeben, für keine der gravierenderen Gewalttaten verantwortlich zu sein. Tatsächlich glaubt auch die 1. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Walter Leupold am Ende, dass der 40-Jährige, ein Türsteher und Geldeintreiber, die unrühmlichste Rolle gespielt hat. "Aber die Gewalt ist schon von jedem ausgegangen." Fragt sich nur: Warum?

Geburtstag mit Folgen


Tatsächlich hat nur der 40-Jährige eine deutliche Vorgeschichte. Er ist in Tschechien mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Dem Gutachter berichtete er von einer schweren Kindheit, der Vater sei im Gefängnis gewesen und habe die Familie verprügelt. Ganz anders sieht es bei den Mitangeklagten aus. Sie wuchsen nach eigenen Angaben in normalen Familien auf. Auch später sei alles mehr oder weniger in geordneten Bahnen verlaufen. Bis beide - unabhängig voneinander - je an ihrem 30. Geburtstag das erste Mal gekokst hätten. Von da an sei es rasch bergab gegangen.

Der 44-Jährige gab an, er sei in Pilsen in der Oberschicht verkehrt. Er habe viel Geld mit Immobilien gemacht, eine erfolgreiche Disco gehabt, einen Bentley und einen Porsche. Durch das Koks sei er aber immer unzuverlässiger geworden und habe letztlich alles verloren. Hinzugekommen sei, dass er zu spielen begonnen habe. Dabei habe er einmal an einem Abend ein Haus verloren.

Koks und Spiele und obendrein Alkohol sind auch dem 34-Jährigen nach eigenen Angaben zum Verhängnis geworden. Nachdem er zuvor schon Spielschulden gehabt habe, sei er durch die Droge so vom Weg abgekommen, dass ihm sogar der eigene Vater am Ende die Stelle im Betrieb der Familie gekündigt habe. Der 34-Jährige gibt an, er habe weiter Partys gefeiert, gespielt und Unmengen geschnupft - und so seien die Schulden gewachsen.

Therapie abgelehnt


Was an den Geschichten wahr ist, lässt sich so leicht nicht sagen. Denn gerade beim Drogenkonsum hatten es die beiden mit der Wahrheit tatsächlich nicht so genau genommen. Das lässt sich zumindest aus dem Urteil herauslesen. Richter Leupold hält ihnen vor, dass ihre Angaben bei der Polizei und im Prozess widersprüchlich seien. Erst sagten sie, sie hätten nur gelegentlich geschnupft, dann seien es viele Gramm am Tag gewesen. Deshalb lehnt er auch eine Drogentherapie ab, wie sie die Verteidiger gefordert hatten. Er sei vielmehr der Überzeugung, dass sich die zwei einfach ihren aufwendigen Lebensstil mit dem Überfall finanzieren wollten. Dafür müssten nun die drei Senioren "ihr Leben lang eine Hypothek rumtragen, nur weil man meint, man muss ihr Geld haben". (Seite 3)
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