Handwerksbäcker behaupten sich - Zwei Beispiele aus Weiden
Aufgeben gibt es nicht

Es gibt ihn noch, den klassischen Handwerksbäcker. Täglich werden in der eigenen Backstube hinter dem Verkaufsraum Brot, Semmeln und süßes Gebäck produziert. Keine Filialen, es wird nur das gebacken, was bis zum Abend auch verkauft werden kann.

Aber es sind nur noch wenige Bäcker, die ihr Geschäft traditionell betreiben. In Weiden kann man sie fast an einer Hand abzählen. Wir haben zwei Einzelbäcker besucht und sie gefragt, wie sie trotz der Konkurrenz von Backautomaten in Supermärkten und Großbäckereien überleben.

Biologisches Backwerk

"Du musst dich der veränderten Situation einfach stellen", sagt Bäckermeister Thomas Retzer beim Ortstermin in seiner Bäckerei im Stadtteil Rehbühl. Und die Liebe zum Beruf sei wichtig. "Biologisches Backwerk ist unser Markenkennzeichen", beschreibt Retzer seinen Weg, am Markt zu bestehen. "Alles aus der Region, keine Teigsäuerungsmittel, geringer Hefeanteil und eigene Säurezucht", zählt er auf und nennt es "Slow Baking". Viele Menschen seien mit Allergien vorbelastet, darauf müsse reagiert werden.

Retzer glaubt fest an den Erfolg seines Wegs. "Die Zukunft kann doch nicht darin liegen, dass wir eines Tages nur noch wenige Brotsorten genau nach EU-Norm haben."

Dass er in der Nacht um 2.15 Uhr zu arbeiten beginnt, empfindet der 48-Jährige als "nichts Besonderes", denn "andere Berufsgruppen arbeiten auch in der Nacht". Sportlich aktiv, joggt Retzer fünfmal in der Woche. Zwölf Mitarbeiter, darunter zwei Meister, vier Gesellen und sogar einen Auszubildenden zählt seine Bäckerei. Am Ende der Stippvisite ruft uns eine Verkäuferin nach: "Wir haben das beste Betriebsklima und einen tollen Chef!" Vielleicht liegt auch hierin ein Erfolgsgeheimnis.

Ins Gespräch kommen

Auch die Bäckerei Enders im Weidener Ortsteil Hammerweg gehört zu den Standhaften. Obermeister Schmidt begleitet uns diesmal. Der 1992 gegründete Familienbetrieb hat ebenfalls seinen Weg gefunden, die Kunden an sich zu binden. "Wir sind ganz nah bei unseren Kunden und sprechen mit ihnen auch über ihre Sorgen. Fast seelsorgerisch könnte man sagen", meint Ingrid Enders, die Ehefrau von Berthold Enders. Und tatsächlich: Beim Lokaltermin scheint Ingrid Enders alles zu verstehen, was ein taubstummer, älterer Kunde erzählen und kaufen will.

Stolz gehört dazu

Zur Kundennähe gehört für Bäckermeister Enders auch, Sonderwünsche zu erfüllen. "Wir machen einzigartige Backwaren, zum Beispiel Dinkelsemmeln. Das ist unsere Stärke und so haben wir auch eine Zukunft." Das Weihnachtsgeschenk an Kunden, eine Gewürzkuchenmischung, sei zum Verkaufsschlager geworden. Er sei aus Leidenschaft Bäcker, erzählt der Familienvater. Störend seien für ihn nur die lebensmittelrechtlichen Auflagen, nicht dass er am Tag schlafe und abends um 10 Uhr mit der Arbeit beginne. Auch die Tochter hilft im Betrieb mit. Stolz zeigt sie ein Album mit ihren Lieblingstorten ...
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