Hans Kirschsieper gemeinsam mit Hans-Dietrich Genscher auf Reha
Erinnerungen an „Genschman“

In freundschaftlicher Sympathie fühlt sich Dr. Hans Kirschsieper (rechts) Hans-Dietrich Genscher verbunden. Die Aufnahme entstand bei der Reha in Oberbayern. Bild: privat

Das Schicksal führte zum Wiedersehen: Bei der Reha vor zwei Jahren trafen sich der Oberpfälzer Liberale und der ehemalige Außenminister von der FDP. Die menschliche Begegnung hat Dr. Hans Kirschsiepers Wertschätzung für den am 1. April verstorbenen deutschen Spitzenpolitiker noch bestärkt.

Pleystein/Weiden. In die Trauer um Hans-Dietrich Genscher mischt sich bei Kirschsieper die Erinnerung an fröhliche Stunden und humorvolle Plaudereien. Das gemeinsame Foto hängt über dem Schreibtisch in der Praxis des Allgemeinmediziners im Städtchen Pleystein (Kreis Neustadt): "Dr. Hans Kirschsieper mit allen guten Wünschen, 25. 4. 2014, Ihr Hans-Dietrich Genscher". Am 17. April 2016 wird Genscher mit einem Staatsakt beigesetzt.

Der heute 65-jährige Mediziner erlitt Anfang 2014 einen Herzinfarkt. Dr. Kirschsieper erholte sich in der Lauterbacher Mühle am Ostersee in Oberbayern. Zur selben Zeit laborierte der damals 87-jährige Genscher an einer sogenannten Herzklappen-Insuffizienz. Der Politiker kannte die Privatklinik schon von früheren Aufenthalten her und mietete sich privat ein ("ab uff die Mühle").

"Kommen Sie herein und setzen Sie sich zu uns", erinnert sich Kirschsieper an das erste Zusammentreffen mit dem Ehepaar Genscher in der "Bauernstube" der Klinik. Der Pleysteiner - in den 80er Jahren FDP-Bundestagskandidat, erster Nachrücker auf der Landesliste und jahrzehntelang Stadtrat - stand von diversen Parteitagen her "Genschman" nicht nur politisch nahe.

"Ordentlich gelacht"


"Wer von euch beiden ist nun krank?", fragte Genscher lächelnd Hans und Ehefrau Monika Kirschsieper. Es kam Portwein auf den Tisch. Kirschsieper denkt schmunzelnd daran, als er Genscher fragte, warum er keinen gelben Pullunder mehr tragen, sondern einen schwarzen. "Gelb ist so eine empfindliche Farbe", sagte der frühere FDP-Parteichef hintersinnig. "Wir haben darüber ordentlich gelacht", meint der Pleysteiner, der rückblickend von einem "charaktervollen Mann, ohne jeden Dünkel" spricht. Die herzlich geführte Unterhaltung - in geselliger Runde - blieb kein einmaliges Ereignis. Kirschsieper begegnete Hans-Dietrich und Barbara Genscher beim täglichen Mittagessen oder bei Spaziergängen am Seeufer: "Er war ein stattlicher Mann, der kräftig marschierte." Während der Reha zog sich Genscher vormittags immer in die Bibliothek zurück, um die überregionalen Zeitungen zu studieren und "sehr viel" zu telefonieren. "Ich hatte den Eindruck, dass er nach wie vor mit die Strippen zog ..." An der "geistigen Fitness" des damals 87-Jährigen hegt Kirschsieper nicht den geringsten Zweifel. "Er hat auch niemals mit seiner außergewöhnlichen politischen Lebensleistung oder seinen Kontakten mit den Großen der Welt angegeben. Ich empfand ihn als zutiefst integren Menschen."

Einer spitzbübischen Anekdote entsinnt sich Kirschsieper besonders gerne: "Genscher erzählte lachend, wie er mit seiner Reha die Presse an der Nase herumführte. Tatsächlich brannte es im März 2014 in seiner Sauna, aber er wurde beileibe nicht mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, wie die Agenturen meldeten. Am nächsten Tag bretterte Genscher mit seinem Fahrer in viereinhalb Stunden zur Reha in der Lauterbacher Mühle."

Kirschsieper nimmt das Buch "Meine Sicht der Dinge" zur Hand. Darin erklärt der verstorbene Staatsmann Schlüsselfragen der Weltpolitik: "Hans-Dietrich Genscher hat wahrlich ein Staatsbegräbnis verdient - wenn nicht er, wer sonst?"
Gelb ist so eine empfindliche Farbe.Hintersinnige Antwort von Hans-Dietrich Genscher auf die Frage von Hans Kirschsieper, warum er jetzt einen schwarzen Pullunder trage.
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