Hans-Scholl-Realschule verabschiedet 113 Schüler
Jungs sind eben pragmatisch

Diese acht Absolventen der Hans-Scholl-Realschule schafften eine Eins vor dem Komma. Dazu gratulierte unter anderem Schulleiter Dr. Michael Meier (links). Bild: Kunz

Was Pferde mit Hans-Scholl-Realschülern gemeinsam haben? Das und mehr verrät der Schulleiter bei der Entlassfeier.

Jungs orientieren sich halt einfach pragmatischer als Mädels. Wurden am Vortag noch 38 Sophie-Schülerinnen für eine Eins vor dem Komma ausgezeichnet, waren es bei den Hans-Scholl-Realschülern am Freitag gerade einmal acht. Schulleiter Dr. Michael Meier sagt dazu: "Ein gutes Pferd springt immer nur so hoch wie es muss."

Kurzum: Wer den Ausbildungsplatz oder den FOS-Schnitt in der Tasche hatte, engagierte sich nicht mehr ganz so stark. Es hätte ja die Möglichkeit durch die mündliche Prüfung für eine Notenverbesserung gegeben. "Von diesem Angebot haben aber nur 40 Prozent Gebrauch gemacht."

Bester Abschluss mit 1,18


Schulbester wurde Marcel Carbajal Carcia mit der Note 1,18. Gefolgt von Michael Kraus (1,25), Felix Rewitzer (1,5), Linus Piehler (1,64), Lorenz Maier (1,73), Bastian Hörl, Bastian Wurmitzer und Daniel Würth (alle 1,91). "Herzliche Gratulation allen 113 Schülern, denen wir heute das erfolgreiche Abschlusszeugnis überreichen dürfen."

Einige wenige seien auf der Strecke geblieben, müssten noch ein Jahr anhängen. Der Dank des Schulleiters galt vor allem auch den Lehrern und Erziehungsberechtigten. "Die Welt besteht aus mehr als nur Fußball", sagte Dr. Meier. Deshalb führte er den Abschlussschülern die Bilder der Flüchtlingskatastrophe vor Augen.

Verzweifelte Menschen ohne Hab und Gut, die um Hilfe gebeten hätten, die von fanatischen Mitbürgern unterdrückt worden seien. Es gehe nicht um Neid, Besitz und Reichtum, sondern um unterschiedliche Meinungen und Auffassungen in deren Heimatländern. Jeder, der hier seine mittlere Reife erworben habe, solle wissen, dass er das Privileg besitze, in einem Land leben zu dürfen, in dem das Recht der freien Meinungsäußerung und der Religionsfreiheit ein unantastbares Gut sei.

Hans Scholl, der Namensgeber dieser Schule, sei in seiner Meinungsfreiheit stark beschränkt gewesen, habe aber für seine Rechte gekämpft und diesen Kampf mit dem Tod bezahlt. "Das, was Hans Scholl vor gut 70 Jahren erleiden musste, erleiden nun Menschen in einigen Teilen unserer Erde." Man habe die moralische Pflicht, diesen Menschen zu helfen.

Vorbild: Flüchtling mit Ehrgeiz


Natürlich gebe es unter den Fluchtopfern auch so manches schwarze Schaf, Flüchtlinge, die sich nicht an die Gepflogenheiten des Gastgeberlandes hielten. Hierbei handele es sich aber um eine Minderheit. An die Absolventen: "Entwickeln Sie den notwendigen Ehrgeiz ihre Ziele zu verwirklichen. Sie müssen nicht wie die Flüchtlinge wieder eine neue Sprache lernen und sich an neue Verhaltensweisen gewöhnen." Wer sich den Ehrgeiz dieser Flüchtlinge zum Vorbild nehme, dem würden sich die Türen ganz weit öffnen.

Die Grüße der Stadtverwaltung überbrachte SPD-Stadtrat Alois Schinabeck. Es spielte die Cajon-Gruppe und die Schulband. Ein Mitglied des Elternbeirats wurde verabschiedet. Unmittelbar nach der Zeugnisverleihung lud Dr. Meier Lehrkräfte, Eltern und Absolventen zum Umtrunk.
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