Hautarzt referiert im Maria-Seltmann-Haus über das größte Organ des Menschen
Angela-Merkel-Falte kann man glätten

Unterhaltsam und informativ geriet Dr. Alfred Schönbergers Vortrag über Hautkrankheiten und Pflege. Bild: Bühner

Kaum ein menschliches Organ hat so viele Aufgaben zu erfüllen wie die Haut. Sie soll schützen, spüren, stabilisieren, repräsentieren, die Temperatur regeln und mehr. Doch viele Menschen sehen ihre Haut nur als Gebrauchswerkzeug. Mit teils schlimmen Folgen.

Es muss Fachärzte für bestimmte Organe und Krankheiten geben: Das wurde den Zuhörern am Ende des zweistündigen Vortrags von Dr. Alfred Schönberger bewusst. Der Allergologe und Facharzt für Hautkrankheiten sprach im Maria-Seltmann-Haus über sein Fachgebiet - und Kanzlerin Angela Merkel.

Wie wird die Haut richtig gepflegt? Dazu hatte der Hautarzt gleich mehrere Ratschläge parat. "Gut tut die richtige Menge an Sonne, Wärme und Pflege", sagte Dr. Schönberger. Weil der Grenzwert dramatisch verändert wurde, hätten viele plötzlich einen D3-Mangel. Deshalb sei das Vitamin-Präparat Dekristol zum Boom-Medikament geworden. Grundsätzlich gelte: "Eincremen heißt nicht nur Aufstreichen. Einreiben ist wichtig." Und: Eine senkrechte "Angela-Merkel-Falte" an den Mundwinkeln muss nicht sein: Man könne sie mit Hyaluronsäure-Spritzen für 9 bis 18 Monate ausgleichen.

Reinigung mit neutralen Produkten sei wichtig, lange Wasserkontakte sollte vermieden werden: "Je heißer das Wasser ist, desto schneller entfettet die Haut." Zudem empfahl Dr. Schönberger langsames, über den Tag verteiltes Trinken, lipidhaltige Pflegecreme, Glyzerin, Aloe, ACE, Betacarotin und Coenzyme, Sojaöl, Mandel- und Erdnussöl. "Ein entsprechender Lebensstil, ausgewogene Ernährung und Bewegung helfen der Haut ebenfalls."

Der Spezialist entzündete zudem ein Feuerwerk medizinischer Fachbegriffe über die Haut als Organ, über ihre Erkrankungen und Missbildungen. Immer wieder betonte der Referent: Unsere Haut ist ein Spiegelbild der Lebensführung, des Zustands der inneren Organe und auch des Alters. "Unsere Haut ist schlicht ein Immunorgan, das gut und schlecht erkennt."

Ab 35 oder 40 Lebensjahren benötigt die Haut eine Pflege. Dass viele mit ihrer Haut umgehen, als könne man sie austauschen, kritisierte Dr. Schönberger. Dazu zeigte er ein Bild von tätowierten Armen und Beinen: "Als Arzt kann ich keine schnelle Hilfe geben. Hauterneuerung dauert viele Wochen."

Dass die Mehrzahl der Hauterkrankungen nicht lebensgefährlich ist, zeigte er ebenfalls auf. Der Begriff "weißer Hautkrebs" würde oft als Schreckgespenst an die Wand gemalt. Dahinter verbergen sich sogenannte Basaliome, "an denen man nicht sterben kann". Oft könnten sie elektrochirurgisch abgetragen werden. Wenn der Begriff "Hauttumor" verwendet würde, bekämen viele große Angst. Tatsächlich handle es sich um einfachere Geschwulstbildungen verschiedenster Art in den einzelnen Hautschichten. Gefährlicher seien dagegen die Melanome, genannt schwarzer Hautkrebs, die "besser operativ abgetragen werden müssen".

Mit Bildern zeigte der Referent, wie Melanome aussehen. Sie hätten eine unregelmäßige Form, seien größer als ein Zentimeter und die Oberfläche sei höckerig, dunkel und hell. Gezeigt wurde auch, dass Tumore an inneren Organen auch Metastasen auf der Haut bilden können. Laut Dr. Schönberger entstünden Haut und Darm aus der gleichen Zelle. Deshalb sei eine ausgewogene Ernährung auch so wichtig. "Alles was in das Ernährungsgleichgewicht eingreift, ist auch für die Haut gefährlich". Der Mensch sei ein "Allesfresser": Vegetarier und Veganer könnten deshalb Probleme mit der Haut bekommen. "Vorsicht auch vor sauer, scharf, zu vielen Zusatzstoffen oder großen Mengen Zucker."
Unsere Haut ist ein Immunorgan, das gut und schlecht erkennt.Dr. Alfred Schönberger über den Einfluss des Lebensstils auf die Haut
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